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Datum: Montag, 15. August 2016
Ort: Jesuitenkirche

Die Leidenschaften

Die Predigt von Abt Raimund Schreier in der Jesuitenkirche, am Hochfest der Aufnahme Mariä in den Himmel, zum Nachlesen.

Abt Raimund Schreier - Hochfest der Aufnahme Mariä in den Himmel

Es gibt derzeit kaum ein Thema, das nicht mit großer Leidenschaft öffentlich diskutiert wird: sei es die Flüchtlingskrise, die terroristischen Anschläge sowie Amokläufe, vor kurzem die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich, Brexit, EU-Zugehörigkeit der Türkei, Religion und Gewalt. Anfang August hat Erzbischof Franz Lackner die Salzburger Hochschulwochen zum Thema „Leidenschaften“ mit dem Satz eröffnet: „Wir brauchen keine grauen Kirchenbeamte, sondern Menschen mit Leidenschaft, mit einem Herz aus Fleisch; Menschen, die brennen“.

Leidenschaften, Passionen und Obsessionen seien stets „eine zweischneidige Angelegenheit“, so ein Ergebnis der Untersuchungen dieser Hochschulwochen in Salzburg. Diese Leidenschaften können nämlich produktiv sein oder aber auch toxisch, also giftig. 

1. Giftige Leidenschaften:

Wir mussten es gerade in diesen letzten Wochen immer wieder erfahren: wie Leidenschaft im Namen einer Religion sich pervertiert zu Hass, Gewalt und Grausamkeit. Fanatiker und Extremisten ermorden im Namen eines Gottes andere Menschen, die sie als ungläubig ansehen. Dabei sind sie überzeugt, dass diese bösen Taten gute seien. Denken wir an die Ermordung von koptischen Christen, die nebeneinander kniend enthauptet wurden – und das alles wurde gefilmt und der Welt gezeigt. Denken wir an die Wahnsinnstat eines einzelnen religiösen Fanatikers, der in Frankreich mit einem Lastwagen feiernde Menschen niedergefahren hat oder an den alten Priester, dem zwei islamistische Extremisten während der Zelebration der heiligen Messe die Kehle durchschnitten haben.

Hass, Rache, Gewalt: mit all diesen Themen beschäftigt sich auch die Bibel. Besonders das Buch der Psalmen, das klassische Gebetsbuch der Heiligen Schrift, ermutigt dazu, dass wir im Gebet alles zum Ausdruck bringen, was wir empfinden. Wenn wir Hassgefühle und Rachefantasie ins Gebet nehmen, dann geben wir ihnen nicht das letzte Wort. Vielmehr lassen wir diese Gefühle los in der Hoffnung, dass jenseits aller Dinge ein Herz ist, das alle Widersprüche in sich vereinen kann.

Das Alte Testament wird oft mehr als Buch der Gewalttätigkeit und des Zornes beschrieben und verstanden. So hat vor einigen Tagen der ehemalige Boxer und jetzige Senator Manny Pacquiao mit Verweis auf das Buch Exodus in seiner ersten Rede als Senator die Wiedereinführung der Todesstrafe auf den Philippinen gefordert. So einfach geht es nicht.

Wenn in der Bibel vom Zorn Gottes die Rede ist, dann geht es dabei um den Kampf gegen das Unrecht: gegen die Ausbeutung von Armen, gegen ungerechten Lohn, gegen die Unterdrückung der Wehrlosen, gegen hemmungsloses Gewinnstreben auf Kosten der anderen. Und es geht im Alten Testament nicht um die göttliche Legitimation, den Hass eskalieren zu lassen in grausame Gewalt, sondern es geht darum, Zorn und Hass produktiv zu bearbeiten und damit zu domestizieren. Es geht um die Überwindung des Hasses; es geht darum, Formen zu suchen, die helfen, Hass zu kanalisieren, um so ein Zusammenleben zu ermöglichen. 

Deshalb sind wir alle berufen zur Unterbrechung der Teufelskreise, zur Unterbrechung der gegenseitigen Verdächtigung und des gegenseitigen Hasses beizutragen. Wir sind aufgerufen zur Versöhnung! Das geschieht schon dadurch, indem wir mit jenen reden, die verunsichert sind, mit jenen, die sich ausgegrenzt fühlen, mit jenen, die vor Angst gelähmt sind. Das tun wir auch, indem wir immer wieder von der politischen Verantwortung reden, die wir Christen mittragen müssen, und indem wir Politik mit Ethik in Verbindung bringen.

Beim Thema Integration gibt es übrigens noch einen blinden Fleck in der öffentlichen Debatte: Religion wird fast immer nur mit Radikalisierung in Verbindung gebracht. Es braucht aber so etwas wie eine religiöse Erziehung vor allem der minderjährigen Flüchtlinge, eine Hinführung zu einem religiösen Welt- und Gottesbild. Vielleicht müssen wir die unbegleiteten Minderjährigen noch mehr begleiten und ihnen dabei helfen, die eigenen Traumata zu überwinden.

Und vor allem sind wir Christen berufen, zu beten: zu beten für Politiker und Erzieher, für Richter und Polizisten. Zu beten aber auch für die Verirrten: für die Islamisten, damit sie zur Einsicht gelangen und zur Korrektur finden. Zu beten für die getöteten Terroristen, damit ihnen Vergebung zuteil wird und nicht Rache. Wir sind berufen zu beten für die Opfer und für die Täter. Denn ohne Hoffnung auf eine Versöhnung kann es keine Zukunft geben.

Und wir müssen beten für all jene Jugendlichen in unseren Breitengraden, die sich derart verloren und orientierungslos fühlen, dass sie in der Gewalt und bei leidenschaftlichen Extremisten einen Halt suchen: Auf dass sie Liebe und Wertschätzung erfahren.

2. Was unsere Welt braucht, das sind produktive Leidenschaften.

Ich denke an die großen Weltjugendtage wie der letzte in Krakau in Polen: Jugendliche, die dabei waren, haben uns erzählt von großartigen Gemeinschafts- und Glaubenserfahrungen mit jungen Menschen aus der ganzen Welt, die miteinander beten, feiern, den Glauben an einen Gott der Liebe bezeugen und damit der Welt zeigen, dass Friede möglich ist. Gerade bei solchen Megaevents spüren Menschen: Wir sind eine große versöhnte Gemeinschaft über Grenzen hinweg. Wir haben der Menschheit etwas zu geben, und wir werden von Gott beschenkt. Diesen Gott dürfen und müssen wir Christen wieder mit mehr Mut, mit mehr Entschiedenheit und Courage bezeugen durch ein leidenschaftliches Leben für ihn und für die Menschen. 

„Jedes große Werk“, sagt der Philosoph Friedrich Hegel, „braucht die Leidenschaft. Wenn wir Christen diese positive Kraft der Leidenschaft für unseren Glauben wieder entdecken, dann werden religiös Suchende von diesen vorgelebten Leidenschaften fasziniert und begeistert sein; dann kann die Welt verwandelt werden. Der hl. Bischof Augustinus sagt schon im 5. Jahrhundert: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“! Das geht nicht vom Fernsehsessel aus und nicht vom Schreibtisch her.

Viele Tiroler und Tirolerinnen, die heute geehrt werden, haben uns das gezeigt, was es heißt, mit Leidenschaft für Menschenleben einzutreten, sich mit Leidenschaft für Institutionen, für Traditionsverbände, für Gemeinschaften, für den Erbhof wie für einzelne und letztlich für Gott sich einzusetzen. Dazu braucht es eben eine Leidenschaft, die aus dem Feuer des Heiligen Geistes erwächst, und die sich einlässt auf diese spirituelle Erfahrung.

Maria, aufgenommen in den Himmel, erbitte für uns Christen des 21. Jahrhunderts diese Leidenschaft für Gott und die Menschen. Amen.

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Die vorösterliche Zeit - eine Zeit der Versöhnung - eine Zeit der Heilung
Versöhnung mit mir selbst, Versöhnung mit dem was ich an mir nicht mag, Versöhnung mit meinem Leib und mit meiner Geschichte, kann gelingen, wenn wir uns mit uns selbst befreunden.
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Das Kreuz von Lampedusa ist aus dem Treibholz gekenterter Boote geschaffen, die an die Küste von Lampedusa angetrieben wurden. Dieses Kreuz wird ab dem Aschermittwoch in die Pfarren unseres Dekanats gebracht werde und für eine Woche dort Halt machen. Wir alle sind eingeladen in diesen Tagen das Kreuz zu besuchen und, wie es Papst Franziskus ausdrückt, der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ entgegenzuwirken
Datum: Donnerstag, 30. März 2017
Beginn: 10:00 Uhr
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