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Datum: Freitag, 9. Dezember 2016
Ort: Basilika Wilten

Maria, die Knotenlöserin

Die Predigt von Abt Raimund Schreier am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria in der Basilika Wilten zum Nachlesen.

Abt Raimund Schreier bei der Predigt in der Basilika Wilten

„Wie geht denn dieser Knoten wieder auf?“ Eine solche Frage haben Sie sich vielleicht schon einmal gestellt… Oder ein Kind ist auf Sie zugekommen und hat gefragt ob Sie ihm helfen könnten, die verknüpften Schuhbänder zu lösen. Auch kennen viele das beklemmende Gefühl der Angst, wenn man meint, dass einem ein Knoten im Hals stecke. Und wie erleichtert sind Menschen, etwa nach einem Streit in einer Beziehung, wenn ein solcher Knoten wieder gelöst wurde…

Nur, liebe Schwestern und Brüder, wie löst man einen Knoten am besten?

Wer es mit viel Mühe versucht, benötigt einige Zeit. Bald wird man ungeduldig – vielleicht zornig – und manchmal greift man zur letzten Möglichkeit: Man schneidet den Faden ab. Der gordische Knoten etwa wurde entzweigeschlagen.

In den biblischen Lesungen des heutigen Hochfestes von Maria, der Unbefleckten Empfängnis, erkennen wir auch so eine Situation der Verknotung. In der Lesung aus dem Buch Genesis wird der Knoten zugezogen. Der Mensch verstrickt sich in ein Gewirr aus Schuldzuweisung und Sünde. Er tut etwas Verbotenes; als Gott ihm nachgeht, schiebt er die Schuld weiter – an die Frau – an die Schlange. Eine Verstrickung in etwas, das die Tradition später die Erbsünde nennen wird. Wir merken es oft selbst: ein Wort ergibt das andere, aus einer kleinen Unwahrheit wird ein Gewirr von Lügen. Stets spüren wir Menschen die Versuchung zum Bösen, zum Unrecht. Der biblische Psalm 51,7 beschreibt dieses Gefühl mit den Worten: Ich bin in Schuld geboren, in Sünde hat mich meine Mutter empfangen...

Doch im selben Buch der Bibel, nämlich im Buch der Psalmen, heißt es auch: „Denn du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast“ (Ps 139, 13.14a). Beides gehört bei Gott zusammen. Genau dies ist auch das Festgeheimnis des heutigen Tages. Gott will die Schuldgeschichte des Menschen verwandeln in Heilsgeschichte. Es ist die Liebe Gottes, der uns aus Liebe erschaffen hat. Diese Liebe allein löst unsere Verkrampfungen und führt in die Freiheit. Gott webt in das Netz der Sünde den Faden der Gnade.

Am heutigen Fest blicken wir auf Maria, in der Gott von allem Anfang an in Gnade gewirkt hat. Mit ihr beginnt die neue Geschichte der Schuld, die Geschichte der erlösten Schuld. Schon der Kirchenvater Irenäus von Lyon spricht von Maria, als der Frau, die die Verkrampfung des Menschen, den Knoten Evas gelöst hat. Vor allen anderen durfte Maria ihr „Ja!“ sagen zur Erlösung, ihr „Ja!“ zur Liebe Gottes in Jesus Christus.

Eine der Lieblingsdarstellungen Mariens von Papst Franziskus ist das Augsburger Gemälde der „KNOTENLÖSERIN“. Er lernte es bei einem Deutschlandbesuch kennen und verbreitete es schon als Bischof in Argentinien. Es ist auch auf dem Liedheft abgedruckt.

Maria ist dargestellt als die vollendete Frau. Der Himmel über ihr scheint offen zu stehen. Ein typisches Barockgemälde also?! Doch in ihrer Hand da liegt kein Jesuskind, in der anderen Hand hält sie kein Zepter, auf ihrem Haupt ist keine Krone.

Sie hält in ihrer Hand ein verknotetes Band als Symbol für die Geschichte der Menschen, unsere Geschichte. Wir dürfen Maria, die ganz und gar Erlöste, auch als Helferin für unsere Verknotungen anrufen. Ich lade uns ein, in dieser Adventzeit dieses Bild öfters zu betrachten, auf das Leben zurückzuschauen und immer wieder die Frage zu stellen: „Wo liegen meine Verknotungen?“

In meinen Beziehungen?

In meiner Einstellung zum Glauben?

In meinem „mich selbst zu wichtig nehmen“?

In meiner nicht achtsamen Begegnung mit der Natur?

In vielen Konflikten und Belastungen, die zu lösen ich zu feige bin.

Für Gottes Barmherzigkeit, liebe Brüder und Schwestern, ist nichts unmöglich. Er webt in die Schuldgeschichte der ganzen Menschheit die Fäden der Gnade. Er will auch jeden einzelnen Menschen erlösen und von allen Belastungen befreien. Trauen wir uns, ihm alle Verknotungen unseres ganzen Lebens hinzulegen, alle schweren Situationen. Es gibt keinen Knoten des Herzens, den Gott nicht lösen könnte. Bitten wir Maria, die Knotenlöserin, dass sie uns an der Hand nehme und in die Arme Gottes führe. Beten wir besonders für unsere verletzten Beziehungen, um die Lösung aller verknoteten Situationen. Beten wir um die Erlösung und um den Frieden für alle Völker.

Maria, du bist unsere Mutter. Führe uns und alle Menschen an deiner gütigen und zärtlichen Hand in die barmherzigen Arme des Vaters. Er löse die Knoten unseres Herzens und unserer Seele, damit wir neu und befreit auf unsere Mitmenschen zugehen können. Maria, Knotenlöserin, bitte für uns! Amen.

Die nächsten Termine

35 Jahre - Wiltener Advent
Lieder, Musik und besinnliche Worte zur Vorweihnachtszeit in der Basilika Wilten.
Datum: Samstag, 16. Dezember 2017
Beginn: 20:00 Uhr
Ort: Basilika Wilten, Innsbruck

3. Adventsonntag - Lichtvesper in der Stiftskirche
Am Abend des 3. Adventsonntags feiert der Konvent gemeinsam mit den Gläubigen eine Lichtvesper in der Stiftskirche. Gespielt werden Orgelwerke von Charles Marie Widor (1844-1937) „Marche du Veilleur de Nuit“ aus: Bach’s Memento.
Datum: Sonntag, 17. Dezember 2017
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

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