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Datum: Samstag, 24. Dezember 2016
Ort: Stiftskirche Wilten

Die Lichtspur Gottes

Die Predigt von Abt Raimund Schreier bei der Christmette 2016 in der Stiftskirche Wilten zum Nachlesen.

Christmette 2016 in der Stiftskirche Wilten

Liebe Andächtige!

Wir feiern die Christnacht, die Heilige Nacht, Weih-Nacht, die geweihte Nacht. In dieser Nacht versammeln sich seit Jahrhunderten Christinnen und Christen zum Gottesdienst, um die Geburt Christi zu feiern. In dieser Nacht erinnert man sich an die Hirten auf dem Feld, denen in der Nacht ein Engel die Geburt des Gottessohnes Jesus verkündete. Mitten in der Nacht, mitten im Dunkel, in der Mitte der dunkelsten Zeit des Jahres, feiern wir die Geburt von Jesus, dem Licht der Welt.

Wer den eben gehörten biblischen Lesungen aufmerksam gefolgt ist, dem ist aufgefallen, dass in dieser Nacht oft vom Licht die Rede ist. Überhaupt spielt die Symbolik des Lichtes in der Advent- und Weihnachtszeit eine große Rolle: Überall zieren Lichterketten die Häuser, stellen wir Laternen in unseren Zimmern und vor der Wohnungstüre auf. Die Straßen und Christkindlmärkte sind hell erleuchtet, Kerzen brennen und auf den Christbäumen sprühen Sternspritzer ihre Funken in die Dunkelheit. Brennendes Licht schafft eine wohlige Atmosphäre, eine kleine Flamme erleuchtet das Dunkel, und wir spüren beim Betrachten eines kleinen Lichtes so etwas wie Wärme, Geborgenheit, einfach ein Wohlgefühl.

Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.“ Diese Worte haben wir von Jesaja, dem großen Propheten in der ersten Lesung gehört. Wir Christen deuten diese Stelle als Bild für Jesus Christus. Er ist das wahre Licht, das allen Menschen leuchtet, wie der Evangelist Johannes später schreiben wird. Er tritt ein in die Welt, um sie hell zu machen. Er will allen Menschen nahe sein und jedem, egal wie arm, traurig, leidend, krank er ist, Wärme, Geborgenheit und Wohlergehen schenken. 

Im Evangelium der heutigen Nachtfeier leuchtet dieses Licht der Nähe Gottes für die Hirten auf. „Der Engel des Herrn trat zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie“, schreibt Lukas. Das Licht Gottes leuchtet zuerst den Hirten; das waren damals die Armen; es leuchtet denen, die leiden, die Hilfe brauchen. Jesus Christus ist vor allem für sie als Retter und Messias geboren. 

Im vergangenen Heiligen Jahr 2016 hat sich die Kirche besonders der Barmherzigkeit Gottes erinnert. In diesem Zusammenhang habe ich eine sehr schöne Ikone entdeckt. Sie ist heute auf dem Liedheft abgedruckt. Manch einer von Ihnen mag sich schon über das Motiv gewundert haben. Es ist auf den ersten Blick kein weihnachtliches: Keine Krippe, kein kleines Kind, nicht die vertraute Szene von Bethlehem… Die Ikone zeigt das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Doch der Mann, der sich dem am Wegrand liegenden Menschen zuwendet, ist nicht ein Mann aus Samarien, also ein Samariter, es ist Jesus Christus selbst. Auch dieses Bild drückt aus, was wir an Weihnachten feiern: Gott beugt sich zum Menschen herab; Gott schaut auf den leidenden, den armen Menschen am Straßenrand. Er schenkt ihm Wärme, Geborgenheit und Hilfe. Für den schwer verletzten Menschen, der fast dem Dunkel des Todes nahe ist, wird es wieder hell. Denn Jesus hält ihn am Arm, er berührt ihn. Berührungen sind etwas ganz Wesentliches für uns Menschen. Berührungen heilen. Und Jesus gießt Öl auf die Wunden. Er ist der Gesalbte Gottes - wie das Wort „Messias“ übersetzt bedeutet. Deshalb hält er auf der Ikone auch ein Ölgefäß in der Hand. Er ist der Gesalbte, der Messias - aber nicht für sich, sondern für die anderen, für uns alle. Überall, wo Menschen leiden, in der Seele verwundet sind, will Christus Heilung schenken, Wärme, Nähe, Geborgenheit. Deshalb spricht Lukas oft vom Heiland.

Diese Lichtspur des Herabbeugens Gottes, liebe Schwestern und Brüder, zieht sich durch die Jahrhunderte durch. Immer wieder haben Menschen sich ein Beispiel an Christus, dem barmherzigen Samariter, dem Gesalbten genommen. Denken wir etwa an eine heilige Elisabeth von Thüringen oder an die hl. Mutter Teresa. 

Auch wir sind seit unserer Taufe und unserer Firmung Gesalbte. Auch unsere Antwort auf das Kind in der Krippe muss sein: sich zum Nächsten herabbeugen. Wie Gott sich dem Menschen zugewandt hat, so sollen und müssen auch wir einander helfen und die seelischen und körperlichen Wunden unserer Mitmenschen zu heilen versuchen. Das bedeutet Licht, Wärme, Geborgenheit und das Gefühl, angenommen zu sein.

Wie tut es doch gut, wenn jemand mit Aufmerksamkeit und Interesse fragt, wie es mir geht, wie es mir wirklich geht! Oder jemand da ist, der mir einfach liebend zuhört, wenn ich Probleme habe, mich aussprechen möchte. Wie viel schöner wird die Welt, wenn wir einander zulächeln, und wie viel leichter können wir mit dem Scheitern, mit traurigen Erlebnissen, mit Verletzungen und Enttäuschungen umgehen, wenn uns jemand dabei unterstützt, festhält, berührt. Wer so seinen Mitmenschen freundlich begegnet, bringt Licht und damit Wärme, Geborgenheit und Liebe in die Welt. Er ist ein weihnachtlicher Mensch.

Ein ganz schreckliches Beispiel und zugleich auch schönes war das terroristische Attentat mit einem Sattelschlepper im Stadtzentrum von Berlin am vergangenen 4. Adventsonntag. Schrecklich, weil das Böse vielen Menschen Dunkelheit gebracht hat mitten in einem weihnachtlich erleuchteten Christkindlmarkt. Schön, weil die ganze Welt Anteil genommen hat, weil viele die Angehörigen der Getöteten und schwer Verletzten getröstet haben, ihnen beigestanden sind und für sie gebetet haben.

Liebe Andächtige! In dieser Nacht geht vom Stall von Bethlehem eine Lichtspur der menschlichen Wärme, Geborgenheit und Liebe aus; und diese Lichtspur will auch unsere Herzen wachrütteln. 

Knien auch wir uns – wie der Messias, der Gesalbte - zum Mitmenschen nieder, der unsere Nähe, unsere Berührung und unsere Liebe braucht: der Bettler, der Flüchtling, der Wohnungs- oder Arbeitssuchende, der traurige Freund, unser Partner und unsere Familienangehörigen, derjenige, der unseren Rat und unsere Stütze sucht. Werden wir für unseren Mitmenschen zum Lichtbringer, damit er mit einem afrikanischen Grußwort sagen kann: Danke, es wird hell, weil du da bist. Amen.

 

 

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