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Datum: Sonntag, 25. Dezember 2016
Ort: Basilika Wilten

Und das Wort ist Fleisch geworden

Die Predigt von Abt Raimund Schreier am Christtag 2016 in der Basilika Wilten zum Nachlesen.

Christtag 2016 in der Basilika Wilten

Warum feiern wir überhaupt Weihnachten? Was gibt es da zu feiern? Das war eine Umfrage auf einem Christkindlmarkt in Hamburg. 99 % der Befragten wussten es nicht. Nun, am Anfang des Christentums war das Interesse für die Geburt Jesu sehr klein. Im Mittelpunkt stand Ostern. Erst dann ab 335 wird Weihnachten gefeiert. Zu der Zeit wusste man natürlich nicht mehr, wann Jesus geboren wurde. So hat man den Geburtstag Jesu auf den 25. Dezember gesetzt. Denn dieser Tag war der heidnische Festtag des „sol invictus“, des „unbesiegbaren Sonnengottes“, den man anlässlich der Wintersonnenwende an diesem Dezembertag beging. Damit setzten die Christen dem heidnischen Sonnengott Christus als die wahre Sonne entgegen, als das wahre Licht der Welt.

Nachdem das Weihnachtsfest immer mehr Bedeutung bekam, hat ab dem 6. Jahrhundert der Papst drei heilige Messen in drei verschiedenen Heiligtümern gefeiert:

die nächtliche Eucharistie in Santa Maria Maggiore,
dann auf dem Rückweg zum Vatikan frühmorgens in der griechischen Kolonie in Sant’Anastasia am Forum,
und am hohen Vormittag dann der Hauptgottesdienst in St. Peter.
Heute noch stehen in den Messbüchern an diesem Hochfest drei verschiedene Messformulare:
Eines in der Nacht – in nocte,
eines in der Früh – in aurora
und eines am Tag – in die.
Bei allen drei Messen sind verschiedene Perikopen vorgesehen, die das Geheimnis der Weihnacht verkünden.
Da ist in der Nacht das berühmte Weihnachtsevangelium von Lukas, der genau beschreibt, wie und wo die Geburt Jesu geschehen ist: Nämlich in Bethlehem, in einem Stall.
Bei der Messe am Morgen hören wir den ältesten Bericht der Geburt des Messias, nämlich aus dem paulinischen Brief an Titus: „Als die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschien, hat er uns gerettet“ (Tit 3, 4).
In der neuen Einheitsübersetzung steht für MenschenliebeMenschenfreundlichkeit, lateinisch die humanitas (Humanität, human sein) und im griechischen Philanthropia. Es geht also ums Menschsein, um die Menschlichkeit.

Und bei der Messe am Tag, also jetzt, hören wir in einem Hymnus weniger das WIE, sondern nur das DASS der Geburt Jesu. Der Evangelist Johannes besingt in einem Lied das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Dieser sogenannte Prolog ist wohl der schönste christliche Hymnus auf die Menschwerdung Gottes, den wir kennen. Und dieser Hymnus gipfelt in dem Wort:

„UND DAS WORT IST FLEISCH GEWORDEN UND HAT UNTER UNS GEWOHNT.“ (Joh 1,14).

In diesem Wort liegt das Zentrum des Evangeliums: Der große, der ewige und allmächtige Gott tritt ein in den Bereich des Irdisch–Hinfälligen und wird ganz Mensch. Er wird Fleisch. Fleisch ist das Bild für das Irdisch-Gebundene, für das Hinfällig-Vergängliche, für das Hilflose, für die Nichtigkeit menschlicher Existenz.

Und hat unter uns gewohnt. Im griechischen Urtext steht:Und hat unter uns gezeltet. Wohnung oder Zelt erinnern an den Tempel, in dem Gottes Herrlichkeit unter uns wohnt. Der fleischgewordene Logos, Christus, ersetzt den Tempel, er ist Ort unverhüllter Gegenwart Gottes in dieser Welt.

Gott also wohnt unter den Menschen. Er ist gegenwärtig in dieser Welt. Er ist gegenwärtig auch in einem jeden von uns. Gott will in jedem und jeder von uns Fleisch annehmen. Von Angelus Silesius stammt der Satz: „Wäre Christus 1000 Mal geboren und nicht in dir, du bliebest ewiglich verloren“. Gott will also in uns geboren werden; er möchte, dass wir so leben wie Er, wie ein anderer Christus, indem wir Menschlichkeit zeigen, Menschenliebe.

„Mach’s wie Gott und werde Mensch!“ Werde Mensch, der auf sein Herz hört, in dem Gott wohnt! Werde Mensch, der wie Gott die Menschen liebt, der verzeiht, der Frieden stiftet, der für andere da ist!

Gott wohnt in unseren Herzen, er bleibt in uns, damit uns Menschwerdung gelingt.

Ja mehr noch: Er, der Immanuel, der Gott-mit-uns, geht mit uns durch unser Leben.

Mitten in der Riesenstadt Kairo in Ägypten hatte ich einmal ein sehr interessantes Erlebnis: Ich war auf der Suche nach der katholischen Kirche, um dort die Sonntagsmesse zu feiern. So fragte ich einen Polizisten, ob er mir den Weg dorthin zeigen könne. Nachdem er weder englisch, geschweige denn Deutsch konnte, versuchte er mir den Weg zur Kirche mit für mich verwirrenden Handbewegungen zu zeigen und zu deuten. Nachdem er merkte, dass ich ihn nicht verstehen konnte, ging er einfach mit mir mit. Er begleitete mich bis vor die Kirche.

Gott zeigt uns den Weg nicht mit vielen Erklärungen. Er geht mit uns. Er ist auch bei uns, wenn wir im Dunkeln tappen. Er bewahrt uns nicht vor dem Leid und dem Tod. Aber er geht mit uns durch Leid und Tod. Wir brauchen uns also nur an ihn zu halten, nur auf ihn zu hören. Er führt uns in eine immer tiefere Menschlichkeit, die unserer Welt so fehlt. 

Diese Kernbotschaft braucht unsere Welt. Gott ist ganz Mensch geworden in unseren Herzen. Du Mensch, mach’s wie Gott und werde Mensch! Wir brauchen diese göttliche Botschaft, denn die vielen Botschaften, die uns erreichen, sind doch alles andere als froh und befreiend. Die vielen Kriege in der Welt, der immer näher kommende und unberechenbare Terror und die Gefahr von islamistischen Terroristen, das wankende Weltwirtschaftssystem, der Abbau von Arbeitsplätzen, die steigenden Kriminalitätszahlen, die ungebremste Flucht von Menschen aus ihrer Heimat, zerbrechende Beziehungen, Lug und Betrug im Großen wie im Kleinen, die Benachteiligung und Ausbeutung von Armen und Schwachen, die Verseuchung der Erde, die Klimakatastrophe, der Stress und die Hektik im Berufsleben und vieles mehr.

Gegen solche Botschaften brauchen wir Menschen heute mehr denn je eine Kernbotschaft, die uns sagt, dass Gott in uns geboren werden will, damit wir Menschen menschlicher werden. Nur diese weihnachtliche Botschaft von der Menschwerdung Gottes bringt den wahren Frieden in unsere Herzen und in diese friedlose Welt.

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“. Beten wir jeden Tag beim „Angelus“-Gebet, beim „Engel des Herrn“ diese Kernbotschaft und danken wir Gott, dass er in uns wohnen möchte, dass er mit uns geht und uns hilft, göttliche Menschen zu werden, Menschen, die menschlich leben. Amen.

Die nächsten Termine

20. Sonntag im Jahreskreis - Vesper in der Stiftskirche
Der Konvent feiert mit den Gläubigen eine gemeinsame Vesper in der Stiftskirche. Gespielt werden Orgelwerke von Johann Jacob Froberger (1616-1667) Capriccio FbWV 508 Libro Quarto Wien 1656.
Datum: Sonntag, 20. August 2017
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

20. Sonntag im Jahreskreis - Konventmesse in der Stiftskirche
Die Konventmesse wird musikalisch mit Orgelwerke von Dietrich Buxtehude (1637-1707) Praeludium in F BuxWV 144 gestaltet. Wir laden Sie recht herzlich zur Feier der Heiligen Messe in die Stiftskirche ein.
Datum: Sonntag, 20. August 2017
Beginn: 19:00 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

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