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Datum: Donnerstag, 13. April 2017
Ort: Basilika Wilten

Sacramentum – exemplum

Die Predigt von Abt Raimund Schreier am Gründonnerstag 2017 in der Basilika Wilten zum Nachlesen.

Abt Raimund Schreier am Gründonnerstag 2017 in der Basilika Wilten

„Sacramentum“ – „exemplum“

Der Evangelist Johannes beginnt seinen Bericht über die Fußwaschung in einer eigentümlich feierlichen, geradezu liturgischen Sprache: „Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, liebte er sie bis zur Vollendung“ (13,1).

Wenn wir dem Evangelium achtsam zuhören, dann können wir in dieser Begebenheit der Fußwaschung zwei verschiedene Aspekte feststellen. Die Kirchenväter der ersten Jahrhunderte haben diese Zweiheit der Aspekte der Fußwaschung bezeichnet als „sacramentum“ und als „exemplum“.

 

1. Sacramentum meint nicht eines der sieben Sakramente, sondern das Sakrament schlechthin, das Mysterium Christi als Ganzes: Von der Inkarnation, von seiner Menschwerdung zu Weihnachten, bis hin zur Kreuzigung und Auferstehung zu Ostern sagt uns Christus in Wort und Tat: Du Mensch, ich liebe dich bis ans Ende, bis zur Vollendung. Ich bin mit dir, ich bin dein Freund. Diese seine Liebe reinigt uns, heilt und heiligt uns und verwandelt uns in ein neues Sein hinein, in die Gemeinschaft mit Gott. Diese Liebe können wir nicht verdienen, sie wird uns geschenkt.

 

2. Dieses neue Sein muss dann aber zur Dynamik eines neuen Lebens in uns werden, muss Konsequenzen haben. Es muss werden zum vorgelebten Beispiel, zum Exemplum. Das Sacramentum, die Liebe Gottes zu uns, muss sich ausweiten auf das Exemplum: zum Dienst am Mitmenschen: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen“ (Joh 13,14). Wir müssen einander die Füße waschen im täglichen Dienst der Liebe füreinander. Diese Agape, das griechische Wort für „Nächstenliebe“, diese konkrete Nächstenliebe hat Christus uns exemplarisch vorgelebt, und zwar bis zur Feindesliebe, bis zum Tod am Kreuz. Seine Liebe schließt niemanden aus. Seine Liebe liebt zuerst, sie liebt alle, sie liebt ganz konkret.

Exemplarisch, also als ein Beispiel werde ich gleich anschließend im hl. Spiel der Liturgie zwölf Männern und Frauen die Füße waschen. Es sind sechs Vertreter der Wiltener Pfarre und sechs Vertreter, die im Stift beheimatet sind:

- ein Mitbruder, stellvertretend für den Konvent, unser Novize fr. Pius 
- ein Vertreter unserer MitarbeiterInnen, Verwalter Rudi Mair, 
- ein Vertreter unseres Wirtschaftsrates, unser Rechtsberater Dr. Klaus Nuener, 
- eine Vertreterin der Ritter und Damen vom Hl. Grab zu Jerusalem, 
  die Frau Kanzler Inge Sigl, 
- sowie zwei Asylwerber Reza und Amin aus dem Iran, die im Heim Grassmayrstraße wohnen, bei uns Deutsch lernen und sich auf die Taufe vorbereiten.

Exemplum enim dedi vobis“ - „Ein Beispiel habe ich euch gegeben…“. Wir müssen anderen die Füße waschen, aber auch in dem Sinn, dass wir einander immer wieder vergeben. Dazu mahnt uns der Gründonnerstag. Wir dürfen unseren inneren Groll über andere nicht zur Vergiftung der Seele werden lassen. Jesus mahnt uns, immer neu unser Gedächtnis zu reinigen, indem wir von Herzen einander vergeben, um uns dann so gemeinsam an den Tisch Gottes begeben zu können. 

 

3. Sacramentum und exemplum, Geschenk und Beispiel, geschenkte und verschenkte Liebe: diese beiden Aspekte finden wir im Fußwaschungs-Evangelium. Und dieses Miteinander von Geschenk und Beispiel ist charakteristisch für das Wesen des Christentums überhaupt. Christentum ist nicht eine Art Moralismus, ein bloß ethisches System. Am Anfang steht nicht unser Tun, unsere moralische Tüchtigkeit.

Christentum ist zuallererst Geschenk. Gott gibt sich uns. Er gibt uns nicht etwas. Er gibt sich selbst. Er bleibt immer der Schenkende.

Deshalb, Schwestern und Brüder, deshalb ist der zentrale Akt des Christseins Eucharistie – Dankbarkeit: Dankbarkeit für das Beschenktsein und damit auch Freude über das neue Leben, das er uns gibt.

 

Liebe Andächtige!

Gründonnerstag – der Hohe Donnerstag ist ein Tag des Dankes und der Freude über das große Geschenk der bis ans Ende geschenkten Liebe von Jesus. Wir wollen ihn in dieser Stunde darum bitten, dass Dankbarkeit und Freude in uns zur Kraft des Mitliebens mit seiner Liebe werden. Amen.

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Die nächsten Termine

Wiltener Stiftsorgelkonzerte - J.S. Bach & die Reformation III
Ton Koopman aus Amsterdam spielt im Rahmen der Wiltener Stiftorgelkonzerte Werke von Johann Sebastian Bach.
Datum: Donnerstag, 29. Juni 2017
Beginn: 20:00 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

13. Sonntag im Jahreskreis - Vesper in der Stiftskirche
Der Konvent feiert mit den Gläubigen eine gemeinsame Vesper in der Stiftskirche. Gespielt werden Orgelwerke von Johann Sebastian Bach (1685-1750) Partita „O Gott, du frommer Gott“ Teil 1. Wir laden Sie recht herzlich zur Mitfeier ein.
Datum: Sonntag, 2. Juli 2017
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

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