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Datum: Sonntag, 16. April 2017
Ort: Stiftskirche Wilten

Die Botschaft von der Auferstehung hatte es immer schwer

Die Predigt von Abt Raimund Schreier am Ostersonntag 2017 in der Stiftskirche Wilten zum Nachlesen.

Abt Raimund Schreier am Ostersonntag 2017 in der Stiftskirche Wilten

Rund 350 Millionen orthodoxe und altorientalische Christen in aller Welt haben gestern, am Karsamstag, ganz gebannt auf Jerusalem geblickt. Denn dort findet jedes Jahr in der Grabeskirche eine geheimnisvolle, mehr als 1600 alte Zeremonie statt: „die Liturgie des Heiligen Feuers“

Um die Mittagszeit betritt der orthodoxe Patriarch von Jerusalem die Kirche, nachdem vorher - ähnlich den römischen Soldaten zur Zeit Jesu - israelische Machthaber das Grab mit Wachs versiegeln und kontrollieren, ob sich in der Grabkammer eine versteckte Flamme befindet. Mit zwei großen nicht brennenden Wachskerzen betritt der Patriarch die Grabkammer und entzündet diese von einem undefinierbaren Licht, das aus dem Stein, auf dem Jesus lag, herauskommt. Niemand kann bis heute dieses Wunder erklären. Der Patriarch kommt dann wieder mit brennenden Kerzen heraus und übergibt das Licht dem armenischen und dem koptischen Patriarchen. Danach reicht er die Flamme an alle Gläubigen weiter. Dieses heilige Feuer wird auch per Flugzeug in viele Hauptstädte orthodoxer Länder überbracht. Zehntausende einheimische Christen wie Pilger aus aller Welt nehmen an dieser Feier teil.

In der Osternacht haben wir auch das Feuer geweiht, die Osterkerze – Symbol für den Auferstandenen - entzündet und dann das Licht an alle Mitfeiernden weitergegeben. Der eine oder andere hat dieses Osterlicht auch mit heimgenommen, damit die österliche Flamme auch sein Zuhause hell mache. 

Heute, am Ostersonntag, stellen wir uns die Frage
Strahlen diese Flammen des Osterfeuers wirklich hinein in die Verdüsterung der Herzen, in die schattigen Winkel ungelöster Schuld? Können diese Flammen Impulse geben zur Lebensbejahung und Menschlichkeit? Können Funken der Hoffnung geschlagen werden? Reflektieren diese österlichen Flammen in unsere Gesellschaft? Können sie Freude am erlösenden Gott entfachen?
Wir müssen jedoch feststellen: Die Botschaft von der Auferstehung Jesu hatte es immer schwer
Das war schon damals so bei den Jüngern, die dem Auferstandenen sogar persönlich begegnet sind. Es hat ein stürmisches Pfingstwunder gebraucht, bis alle wirklich die Auferstehung Jesu von den Toten erfassen, begreifen konnten. 
Die Botschaft des Osterfeuers hatte es immer schwer. Das hat in der damaligen Welt auch ein hl. Paulus erlebt, wie es im 17. Kapitel der Apostelgeschichte beschrieben ist. Paulus kommt auf seinen Missionsreisen auch auf den Marktplatz von Athen. Ähnlich wie heute gab es auch damals eine multikulturelle, eine pluralistische Welt. Da gab es von den philosophischen Schulen und geheimen Mysterien-Religionen, von esoterischen Träumern und Sensationslüsternen bis zu den Agnostikern praktisch alles. Und mitten in dieser oberflächlichen und wirren Gesellschaft gab es auch Wahrheitssucher – wie heute. Und in diese Welt hinein wirft Paulus das Osterfeuer. Er hat unter den unzähligen Tempeln und Heiligtümern von Athen auch einen Altar für den „unbekannten Gott“ gesehen. Dort versucht er anzuknüpfen. Als aber Paulus anfängt, über die Auferstehung zu sprechen, da gibt es nur Spott: „Darüber wollen wir dich ein andermal hören“, sagen die Zuhörer.
Die Botschaft von der Auferstehung hat es immer schwer gehabt.

Aber bei einigen hat es gezündet. Sie sind vom Licht der Osternacht berührt worden. Was in ihnen aufflammte, das hat Akropolis und Aeropag, Philosophenschulen und Mysterienkulte überlebt. Die Osterfeuer brennen weiter über die ganze Erde.
Wie vielen Christen, wie vielen Heiligen hat dieses Osterfeuer Licht gebracht? Wie vielen war es wie ein Leuchtturm, der ihnen Orientierung gab für ihr ganzes Leben. Wie viele Christen haben diese Botschaft des Osterfeuers ausgestrahlt durch ihre Demut, ihre Liebe, ihr Friedenstiften, ihr Verzeihen, ihre Hingabe. Sie haben das Osterlicht weitergegeben, so wie wir in der Osternacht oder wie der orthodoxe Patriarch bei der Liturgie des heiligen Feuers.

Aber, liebe Festgemeinde! Auch heute und besonders heute hat es die Botschaft von der Auferstehung sehr schwer. Statistiken zu Folge glauben selbst viele Christen nicht mehr an eine Auferstehung, weder an die von Christus noch an die eigene. 
Denken wir kurz darüber nach, welche Folgen das hat. Wenn ich nicht an meine eigene Auferstehung glaube, dann heißt das, dass der Tod das absolute Ende ist. Da gibt es nach dem Tod nichts mehr, kein ewiges Leben. Das bedeutet: Ich muss jetzt in diesen Jahren auf der Erde alles Glück, alles was ich mir wünsche, mit aller Gewalt herauspowern, koste es, was es wolle – vor allem aber auf Kosten anderer. Mit Ellbogentechnik muss ich darauf schauen, dass ich ja immer glücklich bin und den Lebenssinn finde. D. h., wenn die Ehe nicht mehr funktioniert so wie ich will, dann weg mit der Frau, weg mit dem Mann. Wenn der Freund mit Problemen kommt, den brauche ich nicht: Weg mit ihm. Wenn Menschen meine Hilfe brauchen, dann muss ich ja Zeit und Energie verschenken; die brauche ich aber für mich selbst, für mein Amüsement und Wellness-Dasein. Also weg mit ihnen. Der fehlende Auferstehungsglaube entsolidarisiert. Das Ego steht total im Vordergrund. In dieser Welt, in der das narzisstische Ego ganz im Mittelpunkt steht, leben wir zurzeit. Da hat es die Botschaft von der Auferstehung sehr schwer.

Allein schon deshalb brauchen wir den Glauben an eine Auferstehung, an ein ewiges Leben in vollem Glück. Wer an eine Auferstehung glauben kann, wird frei von der Angst um sein eigenes Ich. Der kann sich anderen öffnen, der hat ein Herz für die anderen. Der weiß, dass es in diesem Leben auch das Unglück, den Schmerz und das Leid gibt. Aber der Auferstehungsglaube gibt mir die Hoffnung, einmal ewiges Glück zu finden, ewigen Frieden, ewige Freude, ewige Umarmung, ewige Ruhe. 
Und so bitten wir heute an diesem Hochfest der Auferstehung Christi um diesen Glauben. Und wir bekennen uns von neuem dazu, falls wir die Gnade haben, diesen Glauben an die Auferstehung geschenkt bekommen zu haben. Es ist für mich der wichtigste Satz im Credo, im Glaubensbekenntnis, das der Chor jetzt für uns singen wird: „Et expecto resurrectionem mortuorum, et vitam venturi saeculi“ – „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt“. Amen.

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3. Sonntag der Osterzeit - Ostervesper in der Stiftskirche
Der Konvent feiert mit den Gläubigen eine gemeinsame Vesper in der Stiftskirche. Gespielt werden Orgelwerke von Johann Jacob Froberger (1616-1667) Capriccio FbWV 507 Libro Quarto Wien 1656.
Datum: Sonntag, 30. April 2017
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