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Datum: Dienstag, 15. August 2017
Ort: Jesuitenkirche

Hoffnung: Über den Horizont hinausschauen

Die Predigt von Abt Raimund Schreier in der Jesuitenkirche, am Hochfest der Aufnahme Mariä in den Himmel, zum Nachlesen.

Abt Raimund Schreier - Hochfest der Aufnahme Mariä in den Himmel

1. Über den Horizont hinaussschauen

Ein protestantischer Missionar arbeitete schon jahrelang bei den Papuas in der Südsee. Bei der Bibelübersetzung in die Sprache der Einheimischen fand er nicht den rechten Ausdruck für das Wort „Hoffnung“. Er suchte lange nach diesem Begriff, bis er eines Tages sein neugeborenes Kind zu Grabe tragen musste. Ein Papuajunge, der zusah, wie der Vater seinen Sohn begrub, sagte zu dem Missionar: „Ich sehe dich gar nicht weinen.“ Darauf der Vater: „Warum denn, wir werden uns wiedersehen. Unser Kind ist bei Gott.“ Und der Bub für sich: „Ja, ich hörte es. Ihr Christen schaut über den Horizont hinaus.“

Über den Horizont hinausschauen… Ja, jetzt wusste der Missionar, wie er das Wort „Hoffnung“ zu übersetzen hatte.
(aus: Kurzgeschichten 2 von Willi Hoffsümmer, S. 12, Nr. 4)

2. Wir Menschen brauchen die Hoffnung, um leben zu können. Der Lehrling hofft, den Beruf zu erlernen; Schüler hoffen auf eine gute Note in der Schularbeit oder im Zeugnis; Liebende hoffen, dass ihre Beziehung hält und nicht auseinandergeht; Kranke hoffen, dass sie bald wieder gesund werden; nicht wenige hoffen Arbeit zu finden und gut zu verdienen und so im Wohlstand leben zu können. Wir alle hoffen, möglichst lange auf dieser Erde bleiben zu dürfen. Wir hoffen auf ein Weiterleben, zumindest im Gedächtnis der Nachwelt; wir hoffen, dass Menschen uns nicht vergessen und in bester Erinnerung behalten. Diese Hoffnung gab es schon bei den antiken Feldherrn und die gibt es heute beim Facebook-Account.

Wir brauchen die Hoffnung zum Überleben. Ohne Hoffnung ersticken wir in der Trostlosigkeit und Sinnlosigkeit. Wenn Menschen Suizid begehen, dann nicht, weil sie nicht mehr leben wollen, sondern weil sie so nicht mehr leben können. Ihre Lebenshoffnungen sind zerplatzt. Deshalb sagen wir auch: „Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben“, um so Resignierende aufzumuntern. Oder: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Und wenn eine Frau schwanger ist und auf eine geglückte Geburt hofft, dann ist sie „guter Hoffnung“.

3. Vom großen Philosophen Immanuel Kant ist die berühmte dritte Frage überliefert: „Was darf ich hoffen?“ Und beim neomarxistischen Philosophen Ernst Bloch wird Hoffnung zu einem philosophischen Prinzip. Bei den meisten Philosophen gründet sich Hoffnung auf dem Nichts, im Nihilismus; sie muss daher selbst ihr Grund werden. So sagte auch vor kurzem bei den „Disputationes 2017“ anlässlich der Salzburger Festspiele der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann, dass heute Hoffnung „nicht auf das Postulat eines gütigen Gottes angewiesen“ sein darf.

4. Dagegen steht die christliche Hoffnung. „Auf Hoffnung hin sind wir gerettet“, schreibt Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom. Das ist auch der Titel der zweiten Enzyklika von Papst Benedikt XVI.: „Spe salvi (facti sumus“). Christen verkünden keine Hoffnung, die auf der Gebrechlichkeit und Begrenztheit des Menschen aufbaut, sondern die Hoffnung Gottes, die uns geschenkt wird, wenn wir uns dafür öffnen. Und diese Hoffnung ist eine Person mit einem Namen und mit einem menschlichen Antlitz: JESUS CHRISTUS. Deshalb gibt es eine tragfähige Hoffnung nur in der Nachfolge dieses Gottmenschen Jesus von Nazareth.

Er bestärkt uns in der Hoffnung, dass es mehr gibt als das, was wir sehen, hören, greifen, erleben, tun. Mehr als die 70, 80 oder 90 Jahre unseres Lebens, mehr als das Leben hier, das irgendwann zu Ende geht. Er gibt uns die Hoffnung auf die Auferstehung des Fleisches. Das ist das Spezifikum der christlichen Hoffnung. Das bekennen wir im Credo: „Ich erwarte die Auferstehung der Toten – et exspecto resurrectionem mortuorum“, wie der Chor gleich singen wird. Man könnte auch übersetzen „Ich hoffe auf die Auferstehung der Toten“. Dieser Satz ist für mich einer der wichtigsten unseres Glaubensbekenntnisses.

Wenn wir nämlich über den Horizont hinausschauen und glauben und hoffen, dass es nach dem Ende dieses Lebens eine Auferstehung gibt, dann müssen wir uns im Diesseits nicht so stressen und meinen, wir müssten alles Glück jetzt in diesem Leben mit Gewalt herbeiführen: und zwar gar alles und das sofort und natürlich auf Kosten der anderen. Wenn wir über den Horizont hinausschauen und an eine Auferstehung glauben, dann werden wir ruhiger, gelassener; so manche Probleme sehen wir dann mit anderen Augen. Dann akzeptieren wir es auch eher, wenn manche unserer Hoffnungsträume nicht in Erfüllung gegangen sind.

Bitten wir immer wieder um dieses Geschenk des Glaubens an eine Auferstehung. Sprechen wir über Glaubensfragen! Teilen wir unsere christlichen Erfahrungen! Erzählen wir uns gegenseitig Hoffnungsgeschichten! Meditieren wir die Heilige Schrift, deren cantus firmus die Hoffnung ist, das Vertrauen auf Gott, auf seine Verheißungen! Suchen wir nach Lern- und Übungsorten der Hoffnung! 

Der Glaube an die Auferstehung macht uns gelassener. Und er macht uns auch frei von unserem ICH. Er solidarisiert. Er richtet unseren Blick auf die anderen, den Blick über den Horizont hinaus: über meinen Gartenzaun, über Ortstafeln hinweg, über die Nordkette und über den Brenner, über Grenzen, Nationen und Religionen. Er richtet unseren Blick auf die Mitmenschen, denen wir Hoffnung zusprechen, denen wir helfen, für die wir da sind in Notsituationen, deren Leben wir retten. Hier denke ich heute besonders an die Mitmenschen in Afrika, mit denen wir teilen müssen, um sie vor dem Hungertod zu retten. Der Glaube an die Auferstehung richtet unseren Blick auf den Nächsten; auch auf die Menschen in unseren Gemeinden und Vereinen, denen wir mithelfen am Aufbau des kulturellen und sozialen Miteinanders. Deshalb ehrt das Land Tirol heute BürgerInnen, die über den Horizont hinausschauen, die ihr Ich überschreiten und ihre Zeit und Energie teilen und so zu Hoffnungsträgern werden für unser Land. 

Liebe Andächtige!

Über den Horizont hinausschauen! So entdeckte der Missionar, wie er das Wort „Hoffnung“ zu übersetzen hatte.

  • Beten und ringen wir um die christliche Hoffnung auf die Auferstehung des Fleisches. Denn diese Hoffnung relativiert so vieles in unserem Leben, macht uns gelassener und tiefer.
  • Und vor allem vermittelt christliche Hoffnung Solidarität, sie transzendiert unser Ich hin zu unseren Mitmenschen, damit Tirol ein Land „der guten Hoffnung“ sei.

„Aufnahme Mariens in den Himmel“ – „Hoher Frauentag“ oder wie die Südtiroler sagen „Hoch-unser-Frauentag“: Diesem Fest liegt die zentrale Hoffnung auf die Auferstehung zugrunde. Deshalb rufen wir heute zu Maria im alten Hymnus:        „Salve regina, spes nostra, salve!

Sei gegrüßt, o Königin, unsere Hoffnung, sei gegrüßt!“

Die nächsten Termine

Lebenschule Bibel - Die Neue Einheitsübersetzung entdecken
„Die Einheitsübersetzung ist renoviert worden“, schreibt Thomas Söding im Vorwort zu seinem Buch „Die Bibel für alle“. Und weiter meint er: „Sie ist eine Bibel für Leute von heute. Sie biedert sich nicht an, sondern lotet die Tiefe des Schrifttextes aus“.
Datum: Mittwoch, 27. September 2017
Beginn: 14:30 Uhr
Ort: im Widum in Völs

26. Sonntag im Jahreskreis - Vesper in der Stiftskirche
Der Konvent feiert gemeinsam mit den Gläubigen eine Vesper in der Stiftskirche. Gespielt werden Orgelwerke von Dietrich Buxtehude (1637-1707) Toccata in F BuxWV 156.
Datum: Sonntag, 1. Oktober 2017
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

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