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Konkrete Nachfolge – nicht nur Applaus

Die Predigt von Abt Raimund Schreier zu Allerheiligen 2017 in der Stiftskirche Wilten.

Lieber designierter Bischof Hermann, liebe Mitbrüder,
liebe Ordensgeschwister vom Heiligen Grab in Jerusalem,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Stellen Sie sich vor: Hier an meiner Stelle steht ein Atheist und hält uns Christen eine Predigt. Er würde uns wahrscheinlich anständig die Leviten lesen, weil wir Christen oft oberflächlich sind, nicht von Gott reden, nicht an sein Evangelium denken, noch weniger es leben, nicht beten, kein erlöstes oder frohes Gesicht machen, usw.

Der französische Schriftsteller George Bernanos lässt in seinem Roman „Die großen Friedhöfe unter dem Mond“ tatsächlich am Fest der kleinen Therese einen Atheisten auf die Kanzel steigen und allen frommen Christen ordentlich die Leviten lesen: „Der große Jammer unserer Zeit ist nicht“ so Bernanos, „dass es Gottlose gibt, sondern dass die Christen nichts taugen.“ Dann erzählt er von italienischen Soldaten, die im Schützengraben auf das Signal zum Angriff warten. Plötzlich reißt der Oberst sein Gewehr hoch, springt über die Brüstung und stürmt nach vorn mit dem Ruf: „Avanti! Avanti!“, während seine Leute in sicherer Deckung bleiben und – elektrisiert von so viel Heldenmut - mit leuchtenden Augen in die Hände klatschen: „Bravo! Bravo! Bravissimo!“

Liebe Mitchristen! Ist das nicht mit unserer Haltung den Heiligen gegenüber ähnlich? Wir feiern ihre Feste und unsere Namenstage. Wir bewundern sie als außergewöhnliche Menschen und vergessen dabei, selbst ans Werk zu gehen. Und darum geht es: Heiligkeit ist jedermanns Sache. „Jeder…heiligt sich, so wie Er heilig ist.“ (vgl. 2. Lesung: 1,Joh 3,3).

 „Ja, du bist heilig, du bist der Quell aller Heiligkeit“, so betet der Priester im zweiten Hochgebet. Und Er, der Heilige, will, dass auch wir heilig werden.

Heilige versuchen, Gott immer ähnlicher zu werden. Heilige sind Menschen, die ganz sind, nicht zwiespältig, im Sinne von ungeteilt, konsequent, die sich ganz auf Gott einstellen in ihrem Glauben und in ihrem Leben, die so lieben, wie er uns liebt. Und hier liegt das Problem. Nichts kennzeichnet uns mehr als der Mangel an Leidenschaft. Wir finden immer einen Grund zum faulen Kompromiss. Unser Elan ist erloschen. Wir applaudieren zwar - so wie die italienischen Soldaten - aber auch wir bleiben in der Versenkung.

Das hat auch Papst Franziskus am vorletzten Sonntag bei der heiligen Messe wieder ganz deutlich gesagt, bei der er 35 Selige aus Lateinamerika, Spanien und Italien heiliggesprochen hat, darunter die ersten Märtyrer Brasiliens.

Das christliche Leben – so der Papst - ist in erster Linie eine Liebesgeschichte mit Gott, in der der Herr immer die Initiative ergreift. Deshalb sollten wir uns fragen, wie stark unsere Liebe Ihm gegenüber ist; ob wir wenigstens einmal am Tag dem Herrn unsere Liebe zu Ihm bekennen; ob wir drandenken, Ihm jeden Tag zu sagen: „Ich liebe dich, Herr. Du bist mein Leben.“ Wenn man nämlich die Liebe verliert, wird das christliche Leben steril. Der Gott der Liebe erwartet von uns eine Antwort der Liebe.

Im Buch der Offenbarung des Johannes wendet sich Gott an seine Gemeinde und spricht einen scharfen Vorwurf aus, nämlich, „dass du deine erste Liebe verlassen hast“ (2,4). Wir leben tatsächlich in dieser Gefahr: In der Gefahr der Routine, der schleichenden Oberflächlichkeit im Gebet, im christlichen Leben: ohne Elan, ohne Enthusiasmus. Wir bleiben auf den Sesseln sitzen, auf den Sesseln der Sicherheiten, der Selbstbestätigung, der Bequemlichkeiten, der Gewinne, der Genüsse. Aber wenn das Herz sich nicht weitet, verschließt es sich. Und wenn alles vom Ich abhängt, von dem, was ich brauche, was ich will, was ich mir einbilde, dann wird man auch hart und böse, man reagiert mit Beschimpfungen und macht den anderen nieder.

Deshalb: Erinnern wir uns doch an unsere erste Liebe! Wir sind Geliebte Gottes. Er liebt uns unendlich. Also antworten wir auf diese Liebe, indem wir Tag für Tag versuchen, ihm ähnlich zu werden und so wie Er unsere Mitmenschen zu achten, zu respektieren, zu lieben. 

Liebe Andächtige!

Allerheiligen sagt uns: Es ist keine Utopie. Es kann gelingen, dass wir Menschen Heilige werden! Und es ist tatsächlich jedermanns Sache, heilig zu werden. Viele hat die Kirche im Laufe der Jahrhunderte für heilig erklärt. Aber heute denken wir an alle, auch an jene, die nicht von der Kirche offiziell heiliggesprochen wurden. Wir leben als Kirche in einer großen Schar von Heiligen. Der anfangs zitierte Schriftsteller Bernanos sprach immer wieder von der Kirche als „der Kirche der Heiligen“, von der „communio Sanctorum“.

Und auf die Frage von der Notwendigkeit von Reformen, antwortete Bernanos kurz und bündig: „Die Kirche braucht Heilige, keine Reformatoren“. 

Liebe Schwestern und Brüder!

„Ja, du bist heilig, du bist der Quell aller Heiligkeit“. Gehen wir in Seinen Spuren? Folgen wir Ihm wirklich, Ihm, dem Heiligen? Oder klatschen wir nur Beifall aus sicherer Deckung? 

Die nächsten Termine

Christkönigssonntag - Pontifikalamt in der Stiftskirche
Das Pontifikalamt am Christkönigssonntag wird musikalisch von der Capella Wilthinensis gestaltet. Gespielt werden Orgelwerke von Max Reger. Wir laden Sie herzlich zur Mitfeier des Gottesdienstes ein.
Datum: Sonntag, 26. November 2017
Beginn: 10:30 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

Christkönigsonntag - Feierliche Vesper in der Stiftskirche
Der Konvent feiert zum Abschluss des Christkönigssonntags eine Feierliche Vesper mit den Gläubigen in der Stiftskirche. Gespielt wird Musik für zwei Orgeln. Wir laden Sie herzlich zur Mitfeier ein.
Datum: Sonntag, 26. November 2017
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

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