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Der Schrei nach Frieden

Die Predigt von Abt Raimund Schreier bei der Gräbersegnung auf dem Tummelplatz in Amras.

Liebe Andächtige!

„Immer, wenn ich auf einen Kriegerfriedhof komme, oder wenn ich auf ein Ossarium aus dem Ersten Weltkrieg in den Dolomiten stoße, oder wenn ich ein unübersehbares Feld mit weißen Kreuzen in der Normandie sehe, oder wenn ich vor den Kriegerdenkmälern in unserer Heimat stehe, oder in den deutschen, französischen, italienischen Dörfern, oder vor den Mahntafeln der Ermordeten in den Konzentrationslagern, oder in der erschütternden Erinnerungsstätte der ermordeten Kinder in Yad Vashem in Jerusalem, immer wenn ich diese endlosen Tabellen und Register des Schreckens vor mir habe, erfahre ich zwiespältige Gefühle: ich höre an solchen Orten einen Schrei, und ich empfinde in solchen Augenblicken eine tröstliche Stille“, so sagte Altbischof Reinhold Stecher am 19. Oktober 2002 anlässlich der Gedenkfeier am internationalen Soldatenfriedhof in Amras.

Ich zitiere ihn weiter: Ich höre den Schrei…das hängt wohl zusammen, dass ich in meinen jungen Jahren die ganze schreckliche Realität des Krieges und der Tyrannei kennengelernt habe. Ich weiß, wie das ist, wenn man bei 50 Grad Kälte mitten unter Tausenden von Toten liegt. Ich weiß, wie das ist, wenn man am Morgen in den Einsatz geht und am Abend zählt man nur mehr die Hälfte. Ich weiß, wie das ist, wenn Panzer in die Verwundeten hineinwalzen. Ich weiß, wie das war, wie mir mein Kamerad, ein Bauernsohn, im Graben noch einmal das Foto seines Hofes gezeigt hat, an dem sein ganzes Herz hing - und drei Stunden später lag er, von einem Volltreffer zerfetzt, neben mir. Ich weiß, wie das ist, wenn alles rundherum nach dem Sanitäter schreit – und er kommt nicht, weil er auch unter den Toten liegt. Ich weiß, wie das ist, wenn man alte, vergilbte Fotos herauskramt mit lauter jungen Gesichtern - und sie gerne wieder verräumt, weil man der einzige Überlebende auf dem Bild ist. Ich weiß aber auch, wie das ist, wenn man für den KZ-Transport bestimmt ist und einen Tod vor Augen hat, der noch schlimmer ist als der auf dem Schlachtfeld.

Und weil ich das alles weiß, deshalb höre ich auf Kriegerfriedhöfen einen Schrei, einen Schrei der Empörung gegen alle, die Kriege anstiften und Aggressionen schüren -  und gleichzeitig einen Schrei nach Frieden, einen unüberhörbaren, gebieterischen Schrei.“, so also Bischof Reinhold Stecher. 

Auch dieser Friedhof hier auf dem Tummelplatz erinnert uns an viele grausame Kriege und Schlachten. Und so ertönt auch hier der Schrei nach Frieden. „Suche den Frieden und jage ihm nach“ (Ps 34,15 oder 1 Petr 3,11) – so haben wir eben in der Lesung aus dem ersten Petrusbrief gehört, der den 34. Psalm zitiert. Suche den Frieden und jage ihm nach.

Seit es Menschen gibt, gibt es die Suche nach dem Frieden. Der Friede jedoch beginnt im Kleinen: in der Ehe, in der Familie, im Verein, im Club, im Dorf, in der Stadt, im Land. Da gibt es so viele Kränkungen und Verletzungen. Da gibt es tiefe Wunden, die oft nicht heilen wollen. Ruhelos kreisen unsere Gedanken um die anderen Personen und ihr verletzendes Verhalten. Die Atmosphäre ist gestört, vergiftet. Und wir suchen nach Rache, nach Vergeltung: „Dem werde ich es schon noch heimzahlen!“ „Das verzeihe ich ihr nie!“ Wir sind enttäuscht, verletzt; wir werden nicht fertig mit den Kränkungen, die uns tief getroffen haben. Und es droht die Verbitterung, es droht der Hass, es droht der Krieg im Kleinen oder die Resignation. Wir sind in uns selbst gefangen. Wir tragen nach und dabei tragen wir selber schwer. Das Zusammenleben wird unerträglich. 

Hier gilt es, die Kunst des Vergebens wieder neu einzuüben, die Jagd nach dem Frieden.

Die Suche nach Frieden beginnt im Kleinen. Aber es braucht sie auch auf großer Ebene. Das vereinte Europa hat sicher Probleme, ungelöste Probleme mit wirtschaftlichen Egoismen, mit mächtigen Interessen und Lobbys. Aber wenn beim Verein Europa nichts anderes herausschaut als die Verhinderung innereuropäischer Kriege, dann ist das ein Jahrtausenderfolg gegenüber einer Schreckensbilanz seit Urzeiten. Nirgendwo fällt das „Ja zu Europa“ leichter als auf einem Kriegerfriedhof.

Wir segnen heute drei Kreuze: Jesus, der Mensch gewordene Gottessohn, hat sein Leben hingegeben am Kreuz, um die Menschen mit Gott zu versöhnen, um Frieden zu stiften. Deshalb schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Kolossä: „Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr“ (Kol 3,13).

Liebe Andächtige!

Wenn wir also heute auf diesem Tummelplatz der unzähligen Toten vieler Kriege gedenken, dann hören wir den Schrei nach Frieden. Und wir hören die Worte des Psalmisten: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“ Amen.

 

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Christkönigssonntag - Pontifikalamt in der Stiftskirche
Das Pontifikalamt am Christkönigssonntag wird musikalisch von der Capella Wilthinensis gestaltet. Gespielt werden Orgelwerke von Max Reger. Wir laden Sie herzlich zur Mitfeier des Gottesdienstes ein.
Datum: Sonntag, 26. November 2017
Beginn: 10:30 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

Christkönigsonntag - Feierliche Vesper in der Stiftskirche
Der Konvent feiert zum Abschluss des Christkönigssonntags eine Feierliche Vesper mit den Gläubigen in der Stiftskirche. Gespielt wird Musik für zwei Orgeln. Wir laden Sie herzlich zur Mitfeier ein.
Datum: Sonntag, 26. November 2017
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

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