Der moderne Mensch: Ein Mensch hat sich in der Wüste verirrt. Er wird verdursten, wenn keine Hilfe kommt. Da sieht er vor sich Palmen, ja, er hört sogar Wasser sprudeln. Aber er denkt: „Das ist nur eine Fata Morgana, meine Phantasie spiegelt mir etwas vor. In Wirklichkeit ist da nichts.“ – Ohne Hoffnung, halb wahnsinnig, lässt er sich zu Boden fallen. Kurze Zeit später finden ihn zwei Beduinen – tot. „Kannst du so etwas verstehen?“ sagt der eine zum anderen, „so nahe am Wasser, und die Datteln wachsen ihm fast in den Mund! Wie ist das möglich?“ Da sagt der andere: „Er war ein moderner Mensch!“
(aus: Willi Hoffsümmer, 255 Kurzgeschichten I, S. 53, Nr. 73)

Der Apostel Thomas vor 2000 Jahren hat wohl auch gemeint, dass die Auferstehung Jesu eine Fata Morgana gewesen sei. Auch er wollte handfeste Beweise, um an die Auferstehung glauben zu können. Der Thomas von heute, der sogenannte moderne Mensch, tut sich noch schwerer mit dem Glauben.

Nicht wenige Menschen resignieren in einer immer mehr undurchschaubar komplizierten Welt und verlieren Vertrauen und damit auch den Glauben.

Andere wiederum machen einen Kopfsprung in irgendeine sektiererische, esoterische oder fundamentalistische Gruppe und meinen, dort die Lösung ihrer Lebensprobleme zu finden.

Und viele ungläubige „Thomasse“ ziehen sich auf einen ganz privaten Glauben zurück, sie basteln sich ihren Glauben aus allem Möglichen zusammen, eine Art Patchwork-Glaube: Wie ein Kunde im Einkaufszentrum holt man sich da eine Flasche Seelentrost, dort eine Bonbonniere erbaulicher Zeremonien und Rituale, da eine Probepackung fernöstlicher Heilslehren und dort ein paar leichtverdauliche Bibelworte.

Und dann gibt es noch die Ungläubigen, die im Blick auf so viel Leid, Negatives und Schmerzliches dieser Welt nicht mehr glauben können. Das könne – so meinen sie – ein liebender, barmherziger Gott niemals zulassen.

All diesen „Thomassen“ von heute sagt Jesus wie auch damals zu Thomas: „Glaubt an mich. Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (vgl. Joh 14,6-11). 

Aber wie kommt man zum Glauben an diesen auferstandenen Jesus?

1)  Den Sprung wagen im Alltag.

Wenn einer Fallschirmspringen will, dann kann und muss er zuvor theoretisch einiges lernen, damit er weiß, wie das geht. Aber es bleibt alles Theorie, bis er selbst einmal einen Sprung gewagt hat.

So ist es auch mit dem Glauben. Das Glaubenswissen und alle möglichen Beweise sind zu wenig. Ob der Glaube wirklich mich trägt, weiß ich erst, wenn ich den Sprung auf Jesus hin gewagt habe, wenn ich ihn beim Wort genommen und mit ihm wirklich gerechnet habe.

Der Fallschirmspringer muss allerdings zuerst ein Stück weit frei fallen, bis sich der Schirm öffnet. Genauso können wir im Glauben zuerst das Gefühl haben: Da hält mich überhaupt nichts. Ich falle ins Leere. Da ist keiner, der mich auffängt. Diese Phase müssen wir durchstehen, vielleicht auch mit Hilfe von Mitchristen, die mich begleiten. Da braucht es einen gewissen Vertrauensvorschuss, bis wir dann irgendwann doch spüren: Im Glauben, im Vertrauen auf Gott wird mir Friede geschenkt, Zufriedenheit, Trost, Kraft, Orientierung fürs Leben. Und dann erleben wir auf einmal, dass das Beten sinnvoll, dass ein Gottesdienst ermutigend, dass das Lesen der Bibel hilfreich ist. Der Glaube braucht die Erfahrung im Alltag, das Wagnis des Sprungs auf Jesus hin.

2)  Vorbilder im Alltag.

Auf der Suche nach dem Glauben helfen mir aber ganz besonders Vorbilder im Glauben: das sind die Heiligen und Seligen, Christen, die den Glauben wirklich in die Tat umgesetzt haben oder umsetzen.

Umbeim Bild des Fallschirms zu bleiben: Wenn ich Zweifel habe, ob der Fallschirm wirklich aufgeht und mich hält, dann werden andere, die schon vor mir gesprungen sind, sagen: Wir haben es schon selbst erfahren. Es funktioniert!

Ein jüngstes Beispiel solch eines vorgelebten Glaubens ist der Gendarm in Frankreich, der sich freiwillig in die Hände eines islamistischen Attentäters übergeben hat, um eine Frau aus der Geiselhaft zu befreien. Erinnert uns das nicht an einen heiligen P. Maximilian Kolbe, diesen polnischen Priester, der freiwillig für einen Familienvater in den Hungerbunker gegangen ist?

„Gendarmsein war für ihn identisch mit Beschützen. Man wird sein Opfer unmöglich begreifen können, wenn man es von seinem tiefen Glauben loslöst“, sagte seine Frau nach seiner Ermordung. Arnauld Bertrame hat den katholischen Glauben im Alter von 33 Jahren neu entdeckt und empfing als 36-jähriger die Erstkommunion und Firmung. Er sollte im Juli kirchlich heiraten. Der Priester, der ihn begleitete, bezeugt die tiefe und menschenfreundliche Spiritualität dieses Gendarmen. Dieser Held sei auf dem Weg der Nachfolge Christi gestorben – so Papst Franziskus. Sein Glaube war nicht sein privates Hobby als moderner Mensch. Er hat diesen Glauben, der uns Christen weltweit (=katholisch) verbindet, gelebt bis zur Hingabe seines Lebens für einen Mitmenschen.

Ein Europa wurde einmal auf den christlichen Werten aufgebaut. Wenn diese Werte verschwinden, dann verschwindet auch jegliche Solidarität, jegliche Rücksichtnahme, jedes gelungene Miteinander. Man kann nicht alles durch Gesetze regeln. Es braucht auch Handschlagqualität. Es braucht auch das gegenseitige Vertrauen, damit Zusammenleben friedlich und bei Rückschlägen versöhnend gelingen kann.

Bitten wir um diesen Glauben an Jesus Christus, der am dritten Tag auferstanden ist von den Toten, aufgefahren in den Himmel, wo er uns erwartet für ein Leben in ewigem Glück und in ewiger Freude. Amen.

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