Die Überschrift in der heutigen Fastenpredigt heißt „Verwandelt“ und hat 2 Ebenen: verwandelt im Sinne eines Geschenkes (ich bin verwandelt oder ich wurde verwandelt) und 2. im Sinne eines Auftrags: verwandelt! mit Rufezeichen hinten dran.

1.   Verwandelt.

Vor kurzem saß ich im Wartezimmer eines Arztes. Da kommt eine Frau aus dem Behandlungszimmer und sagt halb ironisch, halb erlöst: „Jetzt komm ich aus der Wunderkammer!“

Mit der Sehnsucht der Menschen nach Wunder, nach Erlösung, nach Verwandlung haben wir immer wieder zu tun. Schauen wir zum Beispiel auf die Werbung, die uns Erlösung und Verwandlung verheißt, wenn wir dieses oder jenes Produkt kaufen. Da freut sich unser Reizdarm mit einem bestimmten Medikament, da wird eine glückliche Familie verwandelt in eine noch glücklichere Familie durch einen bestimmten Brotaufstrich, da macht ein schickes Auto den jungen Fahrer noch attraktiver.

Verwandelt werden! Diese Sehnsucht begegnet uns in den alten Märchen, wo der hässliche Frosch auf Erlösung wartet und durch den Kuss der schönen Prinzessin wieder rückverwandelt werden will in den, der er eigentlich einmal war. Oder im Musical „Die Schöne und das Biest“, wo die Liebe den Bann des Hässlichen besiegt und alles verwandelt. Mutabor ist das Zauberwort aus dem Märchen von „Kalif Storch“[1] und bedeutet übersetzt: „Ich werde verwandelt werden“ oder „Ich will verwandelt werden.“

Das Evangelium heute stellt an den Beginn der Fastenzeit auch eine Verwandlung: die Verwandlung Jesu am Berg der Verklärung. Nach dem Thema „Umkehr“ am letzten Sonntag geht es heute um Verwandlung. Jesus wird vor ihren Augen, vor den Augen von Petrus, Jakobus und Johannes, verwandelt. Warum wird Jesus verwandelt? Was will er den Aposteln damit sagen oder erklären? Diese wenn auch nur kurze Verwandlung ist ein Wegweiser. Ein Wegweiser auf dem Weg der Umkehr. Er verweist auf das, was kommen wird und ihren Augen und ihrem Verstand jetzt noch verborgen ist. Das Strahlen und Leuchten, das übernatürliche Weiß seines Gewandes, die Verbundenheit mit Elija und Moses beschreiben das, was in der Auferstehung auf Jesus - und auch auf uns - wartet: ein Eintauchen ins Licht und in die Schönheit Gottes, ein verklärter Leib, eine Verbundenheit mit unsere Verstorbenen! Die Verklärung als Wegweiser sagt: dein Weg der Umkehr zahlt sich aus - es gibt ein Ziel! Die Verklärung, die Verwandlung Jesu ist ein Wegweiser zur Auferstehung! Und erlebbar wird dieses Ziel durch die Beziehung zu Jesus! Diesen Wegweiser erleben 3 Apostel, die eine besondere Freundschaft mit Jesus haben - Petrus und Johannes werden später die ersten Apostel am leeren Grab sein, wo sie dann erst den Wegweiser ganz verstehen. Papst Franziskus ermutigt uns zu dieser Freundschaft mit Jesus, wenn er sagt: „Diese Verwandlung, diese Verklärung unseres Leibes wird in diesem Leben vorbereitet durch die Beziehung zu Jesus in den Sakramenten, besonders in der Eucharistie.“[2] Und er sagt in Bezug auf die Beichte: “Lasst euch von der göttlichen Barmherzigkeit umformen (also verwandeln)!“[3]

Die Szene am Berg Tabor mag anmuten wie eine Werbeeinschaltung in der Fastenzeit, auf dem Weg der Umkehr, eine Verheißung für den Kreuzweg, der bevorsteht, eine Ankündigung, die unsere Sehnsüchte und Wünsche anspricht. Aber es geht um mehr als in der Werbung. Es geht nicht nur um einen Brotaufstrich. Es geht um dein Leben. Es geht um das Leben! Was wird denn unser Ziel sein? Licht statt Dunkel, Gottnähe statt dauernde Suche, Verbundenheit mit denen, die uns vorausgegangen sind und die wir so sehr vermissen… Da verstehen wir Petrus, der gerne so bleiben möchte, der spürt, dass dort seine Heimat ist. In Evangelii gaudium heißt es: „Gott sendet seinen Geist in unsere Herzen, um uns zu verwandeln.“[4] Diese Verwandlung wird jetzt schon vorbereitet, wenn wir den Hl. Geist in uns wohnen lassen, wenn wir Gott dem Vater, Sohn und Hl. Geist 3 Hütten bauen in unserem Herzen. Es wird durch die Verklärung Jesu in den Aposteln und in uns ein ewiges Leben vorbereitet, eine Sehnsucht geweckt, die uns ein „Mutabor!“ flüstern lässt: ein „Auch ich will verwandelt werden!“ Das Wortspiel Berg Tabor - Mutabor - „Ich will verwandelt werden“ gebe ich euch mit als Meditation und als Stoßgebet in diese Fastenzeit. 

Regens Roland Buemberger in der Stiftskirche Wilten

2.   Verwandelt! mit Rufenzeichen, als Auftrag.

Durch das Erlebnis am Berg Tabor wird nicht nur Jesus, sondern werden auch die Apostel verwandelt. Sie gehen verwandelt hinunter. Aber es ist ein Verwandelt-Sein, das nicht nur auf sich bezogen sein darf. Nicht sie sollen die Superstars sein, weil sie etwas Elitäres gesehen haben. Darum das Schweigegebot Jesu. Es ist ein Verwandelt-Sein, um andere zu verwandeln. Mit Jesus erlebst du eine Verwandlung, die dich in den Dienst nimmt.

Ist nicht die Mitte der Eucharistie und der heiligste Augenblick der Messe - die Wandlung?! Das „Gehet hin in Frieden!“ am Ende jeder Messe ist ein Auftrag: lebe das Wunder der Wandlung, das du in dieser Messe gefeiert und empfangen hast!

Im Film „Wunder“[5], der aktuell in den Kinos läuft, wird die Geschichte des 10jährigen Buben Augi erzählt, der mit schweren Missbildungen im Gesicht auf die Welt gekommen ist. Nach zig Operationen schaut er besser, aber immer noch verunstaltet aus. Als er in die Schule kommen soll, traut er sich nicht, den Leuten ins Gesicht zu schauen, er schaut immer nur auf ihre Schuhe. Er hat Angst davor, wenn ihn die Leute anstarren oder sich vor seinem Gesicht fürchten. Der schönste Tag im Jahr ist für ihn Halloween, wenn er den ganzen Tag verkleidet sein kann. Er sagt: „Das ist der einzige Tag, an dem ich erhobenen Hauptes durch die Welt gehen kann!“ Welche Sehnsucht nach Verwandlung! Was sich in seinem Leben alles verwandelt - schauen Sie den Film oder lesen Sie das Buch: „Wunder“. Die Sehnsucht nach Verwandlung wird zum Auftrag!

Liebe Schwestern und Brüder!

Es gibt in den Peripherien des Lebens Außenseiter, die sich so sehr Verwandlung wünschen. Es gibt in unserem Leben Sehnsüchte nach Klärung, nach Licht und Veränderung, die von der Werbung und von den Angeboten des Konsumierens nicht erfüllt werden können.

Wie sehr brauchen wir diese Verwandlung, die von Gott her kommt! Und wie sehr braucht es uns als verwandelte Apostel, damit auch wir die anderen verwandeln. Damit auch wir die Frösche wachküssen, die auf den ersten Blick hässlich ausschauen, damit sie der sein können, der sie eigentlich sind. Damit Menschen durch unser Verwandeln mit Würde und erhobenem Haupt durch das Leben gehen können. Dieses Verwandelt-Werden braucht die Geduld und die Hoffnung des Weizenkorns. das Nicht-Verstehen wie es Abraham ging im Land Morija, braucht die Wolkenschicht, durch die uns erst der Hinweis näherkommen kann: „Auf ihn sollt ihr hören!“[6] Jesus ermutigt uns: „Ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln!“[7]

Verwandelt - ein Geschenk und ein Auftrag:
Verwandelt werden und verwandeln.

So können wir das Motto unseres Bischofs heute erweitern mit der Zusage und dem Auftrag dieses 2. Fastensonntags: Geht - heilt - verkündet -  verwandelt!

Amen.


Quellen:

[1] Wilhelm Hauff, Die Geschichte von Kalif Storch, 1826.

[2] Papst Franziskus, Ansprache am 04.12.2013, Vatikan

[3] vgl. Radio Vatikan, 15.11.2016

[4] Evangelii gaudium 112

[5] Stephen Chbosky, Wunder, USA 2017, vgl. Roman „Wunder“ von Raquel J. Palacio, 2012.

[6] Mk 9,7

[7] Joh 16,20

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