Liebe Andächtige,

vor einigen Tagen ist eine Oma, sie ist noch aktive Ärztin hier in Innsbruck, zu mir gekommen. Sie brauchte dringenden seelsorglichen Beistand. Ihre drei Enkelkinder, die im Burgenland wohnen, sind für ein paar Ferientage nach Innsbruck zu ihr gekommen, auch, um ihren 75. Geburtstag zu feiern. Der älteste, der 19-jährige Jonas – ich habe den Namen aus Datenschutzgründen geändert – hat an einem Abend gesagt, dass er etwas Halsweh und Gliederschmerzen spüre. Die Oma hat noch in seinen Mund geschaut, Jonas hat dabei mit dem Handy hineingeleuchtet. Beide waren der Meinung, er hat wohl etwas zuviel gefeiert, nachdem er vor kurzem die Matura mit Auszeichnung bestanden hatte.

In der Früh ging Oma noch nachschauen, ob er zum Frühstück komme. Aber Jonas schlief noch fest. Und so fuhr sie in ihre Arztpraxis. Am späteren Vormittag hat dann die 13-jährige Schwester die Oma angerufen, dass sie Jonas aufwecken wolle, er sich aber nicht rühre. Oma fuhr sofort nach Hause. Jonas war tot. Eine Herzmuskelschwäche, wie man nachträglich festgestellt hat, die niemand bemerkt hatte. Oma musste nun ihren Sohn, den Vater des Kindes und ihre Schwiegertochter anrufen und diese schreckliche Mitteilung machen. Unermesslicher Schmerz, Weinen, Schreien. Oma suchte Halt und Trost bei Psychotherapeuten. Aber es half ihr nichts. Also suchte sie einen Seelsorger. Und so landete sie bei mir.

Ihre wichtigste Frage: Werde ich Jonas wiedersehen? Und: Gibt es eine Auferstehung?

Sie war sehr beruhigt, als ich ihr antwortete: Ohne Auferstehung gäbe es kein Christentum. Paulus schreibt ja in seinem 1. Brief an die Korinther: „Ist Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube“ (1 Kor 15,14).

Diese Auferstehung Christi feiern wir vor allem zu Ostern. Wir feiern sie auch an jedem Sonntag. Und wir feiern sie heute: am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Maria, die Mutter Jesu, ist mit Leib und Seele von Christus in den Himmel aufgenommen worden. Der 15. August ist das große österliche Fest ihrer Heimkehr. Einige mittelalterliche Theologen nannten dieses größte aller Marienfeste „das Osterfest des Sommers“.

Festlich Versammelte! Das österliche Geheimnis der Auferstehung ist und bleibt ein Glaubensgeheimnis.

Wir können es nicht wirklich begreifen, höchstens erahnen. Wir können dieses Mysterium nur feiern – vor allem in der heiligen Messe, in der wir Tod und Auferstehung Christi feiern. 

Geheimnisse kann man nicht wirklich begreifen, nur erahnen. Ich möchte es mit einem Glas Wein vergleichen – wir werden heute ja noch öfters dieses sehr schöne und sinnvolle Ritual des Anstoßens mit Weingläsern erleben dürfen. Herr Landeshauptmann! Jetzt schon danke für die Einladung! Wenn man mit einem Glas Wein anstoßen möchte, greift man es mit spitzen Fingern am Fuß und fasst nicht mit der Hand um den Glasbauch. Denn sonst wird das schöne Klingen beim Anstoßen beeinträchtigt und oftmals auch der Glanz des Glases getrübt. Also: Es gibt Geheimnisse, wie eben die Auferstehung, die ihren Glanz und ihren Klang verlieren, wenn man sie unbedingt „begreifen“ will. Man kann sich ihnen nur vorsichtig tastend annähern.  

„Et resurrexit tertia die“ - „er ist am dritten Tage auferstanden“ wird der Chor gleich im Credo singen. Das ist für mich der wichtigste Satz in unserem Glaubensbekenntnis, wie auch: „Et exspecto resurrectionem mortuorum – Wir erwarten die Auferstehung der Toten“.

Durch die Auferstehung hat Christus den Tod bezwungen. Der Tod ist nicht das Ende dieses irdischen Lebens. Es gibt ein Leben nach dem Tod, ein ewiges Leben. Leider glauben viele Menschen, auch Christen, nicht mehr an dieses große Mysterium. Das hat nämlich gewaltige Konsequenzen für unser Hier und Jetzt: 

Ich finde es einen wunderbaren Brauch, wenn das Land Tirol an diesem Osterfest des Sommers Menschen ehrt, die ihre Zeit, ihre Talente an andere Menschen verschenken, die das Leben anderer unter Einsatz ihres eigenen Lebens retten, die auf so manches verzichten, um Familienbetriebe, um Traditionen und die Kultur unseres Landes zu erhalten. 

Deshalb, liebe Andächtige, ist dieser Auferstehungsglaube von so großer Bedeutung:

So feiern wir also jetzt in großer Dankbarkeit und Freude die Auferstehung Jesu sowie die Hoffnung auf unsere eigene Auferstehung, indem wir im Credo bekennen: Er ist am dritten Tage auferstanden. Und: Wir erwarten die Auferstehung der Toten.

Maria assumpta, Maria, schon in den Himmel aufgenommen, bitte für uns. AMEN.

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