Zum Abschluss des Kalenderjahres darf ich mit einem Witz beginnen: Der Pfarrer ist auf Urlaub; und so zelebriert ein Gastpriester. Seine Predigt ist sehr langweilig, und der Geistliche findet und findet kein Ende. Schließlich fällt ihm doch auf, dass die Gemeinde langsam unruhig wird. Deshalb fragt er einen Gottesdienstbesucher in der ersten Reihe, ob er eine Uhr dabei hätte.

„Nein“, bedauert dieser, „aber in der Sakristei hängt ein Kalender.“

Nun, liebe Andächtige, ich hoffe, dass Sie mich während meiner Predigt heute Abend nicht auf einen Kalender in der Sakristei verweisen werden. 

Aber tatsächlich hat der Kalender am Jahresende eine große Bedeutung. Denn wir hängen oder stellen ab heute Nacht oder ab morgen neue Kalender auf. Wir beginnen ein neues Kalenderjahr. Das kirchliche hat ja im Advent schon begonnen.

Zu diesem Jahresbeginn gibt es viele Rituale: Wir feiern, wir stoßen um Mitternacht mit einem Glas Wein oder Sekt an, wir tanzen, es läuten die Glocken, wir wünschen uns „ein gutes neues Jahr“, und viele haben sich für das neue Jahr schon Vorsätze gemacht, was sie anders oder besser machen möchten. Das funktioniert fast nie. Denn schon am nächsten Tag haben wir das alles vergessen und es geht weiter wie bisher.

Sie kennen die Don Camillo-Filme, in denen der Pfarrer Don Camillo immer wieder mit dem Gekreuzigten in der Kirche spricht. Ich möchte heute abend wie Don Camillo Christus selbst fragen: „Herr, was sagst denn du uns am Anfang eines neuen Jahres?“

Ich glaube gehört zu haben, dass er uns als Überschrift auf jeden Kalender, ja für jeden Tag des Jahres ein Wort mitteilt: es ist das wichtigste Wort für unser christliches Leben: JESUS. Der Herr am Kreuz hat mir in etwa so geantwortet: „Beginne das Jahr in meinem Namen. Beginne jeden Tag in meinem Namen. Denn ich bin für dich Mensch geworden. Ich bin für dich am Kreuz gestorben und für dich auferstanden, um dich zu retten, dich zu erlösen. Durch mich bekommt das Leben Sinn, wird es sinnvoll. Durch mich spricht der Vater. In mir wird der Vater zum Greifen nahe. Durch mich bekommt er ein menschliches Gesicht.“

JESUS. Das ist die Überschrift jedes neuen Jahres, ja jedes neuen Tages für uns Christen. Und dieser Name ist Programm. Denn „Jesus“ heißt wörtlich übersetzt: „Gott hilft“ oder „Gott ist Hilfe“.

Wie wir im Evangelium gehört haben, hat Jesus –wie damals im Judentum üblich – am achten Tag nach der Geburt bei der jüdischen Beschneidung einen Namen bekommen, nämlich JESUS. 

Mit diesem Namen leuchtet der neue Anfang Gottes mit jedem Menschen auf. Der Jesuit Alfred Delp schreibt am 1. Jänner 1945 mit gefesselten Händen im Gefängnis: Jesus. Diesen Namen des Herrn und meines Ordens will ich groß an den Anfang des Neuen Jahres schreiben… Letztlich aber soll der Name eine Leidenschaft bezeichnen: des Glaubens, der Hingabe, des Strebens, des Dienstes.“

Früher sagte man oft „Anno Domini – im Jahr des Herrn“. Über dem neuen Jahr also steht nicht eine Idee, eine Parole, ein Vorsatz, sondern eine Zusage, ein Versprechen von Gott her, steht ein Name: der Name JESUS CHRISTUS. Und ER gibt uns die Zusage: „Ich, der Herr, helfe dir und begleite dich durch dieses neue Jahr. Ich segne und behüte dich. Ich lasse mein Angesicht über dir leuchten“.

Schreiben auch wir auf unseren Kalender über jedes Monat, über jede Woche und jeden Tag: Anno Domini oder Anno Jesu Christi - im Jahr des Herrn oder im Jahr Jesu Christi: Ich beginne das Jahr, nein, jeden Tag im Namen des Herrn, im Namen dieses Jesus Christus. Beim Aufstehen in der Früh mache ich seit meiner Kindheit immer ein Kreuzzeichen und bete als erstes: „Im Namen meines gekreuzigten Heilandes beginne ich diesen neuen Tag!“ So kann Christus an den kommenden 365 Tagen bei uns sein. Denn ER ist ja in diese unsere Welt herabgestiegen, er hat einen Namen bekommen und hat uns versprochen immer mitten unter uns zu sein, um uns zu helfen, als gute Christen zu leben: Jesus – Jeschua – Gott hilft! 

Der Name „Jesus – Gott hilft“, könnte uns auch Anlass sein, unseren Namenstag wieder neu zu entdecken. Schreiben wir an den entsprechenden Tagen des Jahres unsere Namenstage in den Kalender hinein: unsere eigenen, die Namenstage unserer Partner, unserer Kinder und Freunde. Denn der Namenstag erinnert uns, dass wir Getaufte sind, getauft auf den Namen Jesus von Nazareth.  

Der Namenspatron, die Namenspatronin erinnert uns dann durch sein/ihr vorbildliches Leben, diesem Jesus Christus ähnlich zu werden, eben ein anderer Christus, der wie ER den Menschen die wunderbare Botschaft bringt: Gott liebt uns unendlich. Selbst wenn viele Menschen uns ablehnen, uns hassen: Gott liebt mich – so wie ich bin. 

Wir sollen ein Christ sein, der wie Er Gutes tut, das Böse meidet, der Frieden stiftet, der verzeiht, der alle Menschen liebt, Sympathische und Unsympathische, Freund und Feind, natürlich in verschiedener Intensität; der alle respektiert; der Freude ausstrahlt; der teilt – ob Spirituelles oder Materielles; der andere tröstet in ihrer Traurigkeit und Depression; der anderen Hoffnung schenkt, wenn sie resignieren; der wie Jesus anderen hilft ganz gemäß dem Namen Jesu: Jesus - Gott hilft.

Vor allem sollen wir ein Christ sein, der liebt - wie Gott uns liebt. Denn Gott ist Liebe, sagt uns der Apostel Johannes.

Dazu ein Wort von Meister Eckhart:

„Ein Weiser wurde gefragt,
welches die wichtigste Stunde sei, die der Mensch erlebt,
welches der bedeutendste Mensch sei, der ihm begegnet,
und welches das notwendigste Werk sei.
Die Antwort lautete:
Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart,
der bedeutendste Mensch ist immer der, der mir gerade gegenübersteht,
und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.“ 

Verehrte Festgemeinde! Damit Sie nicht auf die Uhr schauen oder mir gar die Uhr zeigen, möchte ich die Predigt beenden mit einem Sprichwort, das uns kurz und prägnant in Erinnerung ruft, auf wen wir unser Leben in diesem Jahr bauen dürfen: 

Mit Gott fang an,
mit Gott hör auf,
das ist der schönste Lebenslauf.“

AMEN.

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