Die jungen Priester wissen nicht, wie sie die Predigt anfangen sollen. Und die alten wissen nicht … wie sie aufhören sollen.

Vor so vielen geistlichen Menschen über Geistliches zu predigen: das ist nicht so einfach.
Sie kennen das vielleicht selbst: in der Familie und in der Gemeinschaft vom eigenen Glauben zu sprechen, das ist heikel. Ich will es trotzdem versuchen. 

Vor ein paar Jahren habe ich einen guten Freund von mir besucht, Benno Elbs in Feldkirch. Wir haben hier in Innsbruck unsere Studienzeit gemeinsam verbracht.
Er hat mir sein Büro gezeigt: da gibt es ein sehr schönes Kreuz, und auf einer Wand hängt ein ansprechendes modernes Gemälde. Und auf der dritten Wand, direkt vor ihm, hängt ein kleiner Bilderrahmen mit einer Urkunde. 

Man muss hingehen und entdecken, was das für eine Urkunde ist. Es ist nicht die Ernennung zum Bischof, sondern seine Taufurkunde.
Ich bin dann nach Hause und  habe gleich meine Taufurkunde gesucht … und nun hängt sie auch bei mir in meinem Büro im Jesuitenkolleg.
Jeder Besucher kann sie sehen.

Diese Taufurkunde ist gleichsam die Bestätigung des Anfangs meines Christ-Seins. So wie mein Reisepass meine Staatsbürgerschaft bestätigt.
Beide Urkunden zusammen zeigen uns: wir sind Bürger zweier Welten. Als Christin und Christ können wir uns nicht auf die Staatsbürgerschaft reduzieren lassen, so dankbar wir auch für unser geordnetes und sicheres Gemeinwesen sind.

Gerade als Christen haben wir ein Gespür für das Größere: für unser Land, für Europa, für die Welt. Gerade als Ordensleute pflegen wir den internationalen Austausch und lassen uns nicht durch nationalistische Parolen beeindrucken.

In Wien habe ich vor drei Jahren eine afghanische Familie bei der Straßenbahn-Station getroffen. Es hat geschneit, sie haben sich verfahren. Es war vor Weihnachten 2015.
Seit dieser Zeit bin ich mit dieser Familie in Verbindung. Irgendwann haben sie gefragt: Wer ist Jesus? Was bedeutet das Kreuz? Können wir auch Christen werden?

Ich habe immer eher kurz geantwortet und bin dann zu anderen Themen gekommen. Erst als sie zum dritten Mal gefragt haben, habe ich ihnen den barmherzigen Samariter zum Lesen gegeben.
Da stehen die wesentlichen Dinge drinnen, die eine Christin und ein Christ wissen muss. 

Um es kurz zu machen: Eltern und vier Kinder wurden nach einem Jahr Katechumenen-Unterricht getauft.
Die älteste der Kinder geht jetzt ins Gymnasium Friesgasse, erste Klasse, ist dort die Klassensprecherin und ministriert.

Wenn Erwachsene getauft werden, dann ist das immer eine spannende Sache. Bei einer Taufe ist mir etwas aufgegangen, als wir den Taufritus besprochen haben. 

Dort gibt es vor der Taufe eine wichtige Frage:
„Widersagst du dem Bösen, um in der Freiheit der Kinder Gottes zu leben?“ – Das wird der Täufling gefragt, bei der Kindertaufe die Eltern und die Paten.

Das bedeutet, dass wir als Christinnen und Christen zuerst lernen müssen, gut Nein zu sagen, bevor wir unser Ja sagen.
Und es braucht viele kleine Neins, um ein großes Ja zu sagen.

In der Tauffeier bekommen wir ein weißes Kleid angelegt oder übergezogen.
Dieses weiße Kleid ist dasselbe weiße Kleid wie bei der Erstkommunion, bei der Hochzeit, bei der Priesterweihe. Es ist immer unser Taufkleid.

Darum ist mir die Albe das wichtigste Gewand als Priester. Jeder von uns hier könnte eine Albe tragen, weil wir alle getauft sind – aber wir haben nicht so viele J. 

Die Albe des Priesters ist der sichtbare Ausdruck der Verbundenheit mit allen Getauften.
Alle anderen Kleider bezeichnen Ämter und Dienste – das Taufkleid aber deutet hin auf Christus, den wir alle in der Taufe angezogen haben, wie Paulus sagt.

Das Konzil spricht in der Kirchenkonstitution Lumen Gentium Nr. 10 davon, dass durch die Taufe „die Getauften zu einem geistigen Bau und einem heiligen Priestertum geweiht“ werden.
Die Taufe ist also die Begründung für das gemeinsame Priestertum.

Und von der Taufe her würde ich auch denken, wenn wir über neue kirchliche Strukturen nachdenken.
Viele unserer Ämter in der Kirche müssen nicht durch Priester und Bischöfe besetzt werden ...
getauft sollen unsere Amtsträger sein. 

Und an diese Taufe erinnere ich mich, wenn ich mich segne mit dem Weihwasser – das ist immer die Erinnerung an meine Taufe: so hat es begonnen, mein Christ-Sein.

Vielleicht wollen Sie heute beim Nachhause-Kommen auch schauen, wo Ihre Taufurkunde ist.
Ihren Tauftag in den Kalender schreiben.
An ihre Patin oder ihren Paten denken.
Und vielleicht wollen Sie Ihre Taufurkunde sogar einrahmen und aufhängen.

So hat unser Christsein begonnen, mit unserer Taufe.

Mögen wir gestärkt weiter unseren Weg gehen. Amen.

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