Im Juli des letzten Jahres stand in den Printmedien folgende Nachricht: „Mit das Schlimmste, das im Archiv passieren kann: Wasser zerstört wertvolle Handschriften. Im Wiener Curhaus hat im dortigen Archiv der Wiener Dommusik ein lange tropfender Wasserhahn rund 350 Musikstücke teilweise zerstört.“ Gerade in unserem kulturell so hochstehenden Land, besonders im Land der Musik, ist das sicher etwas sehr Schmerzliches. Fast genau ein Jahr später stand zu lesen: „Das nach einem Wasserschaden in Mitleidenschaft gezogene Musikalienerbe der Dommusik ist jetzt gerettet.“  Gott sei Dank, sage ich als Liebhaber der Musik. 

Aber: Wesentlich schlimmer und eine wirkliche Katastrophe sind für mich Nachrichten wie: „Jedes Jahr sterben 100 Tausende Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, die durch mangelnde Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung verursacht werden. Rund 2,2 Milliarden Menschen haben laut einem UNO-Bericht kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung – das ist jeder dritte Mensch auf der Welt …“.

Ich wünsche mir, ich weiß, dass das nicht in vollem Umfang realisierbar ist – aber wünschen darf man sich vieles – ich wünsche mir, dass ein Jahr später, also nächstes Jahr in den Nachrichten man lesen kann: Problem Wassernot und Millionensterben von Menschen durch Mangel an Wasser gelöst – ähnlich den Nachrichten vom Musikalienerbe.

Schwestern und Brüder! 

Das liegt auch an uns, dass die Zeitungen nach und nach von der Rettung dieser weltweiten Not berichten könnten.

1. Wasser ist Leben.

Nun zunächst müssen wir sagen: Wir Tiroler sind mit gutem Quellwasser mehr als verwöhnt. Und gerade jetzt an diesen außergewöhnlich heißen Sommertagen schätzen und genießen wir frisches, kühles Wasser, um unseren Durst stillen zu können. 

Um dieses lebensnotwendige Gut wusste der Mensch immer schon. Bekannt dafür ist vor allem das antike Rom. Im dritten Jahrhundert standen dort Fernwasserleitungen, sogenannte Aquädukte von etwa 500 km Länge zur Verfügung, um den Wasserbedarf zu decken.

Und bei vielen Kriegen geht es heute noch um das Wassermonopol, um die Existenz von ganzen Völkern. 

Wasser bedeutet Leben. Insofern dürfen wir Tiroler einmal Danke sagen, dass Gott uns diesen großen Reichtum an Wasser zur Verfügung stellt, „Schwester Wasser, gar nützlich, demütig, kostbar und keusch“, wie Franz von Assisi in seinem Sonnengesang schreibt. 

Aber neben dem Dank ergeht an uns auch der Appell des Teilens. Am heutigen Marienfeiertag stellt uns die Kirche Maria als erste Christin vor Augen. Sie hat ihr Leben geteilt. Denken wir an die wunderbare Szene aus dem heutigen Festevangelium: Maria geht zu Elisabeth, sie kommt ihr zu Hilfe. Maria macht sich auf den Weg, um ihrer Kusine Elisabeth, die ein Kind erwartet, beizustehen. Man muss sich das vorstellen. Die Mutter Gottes, selber schwanger, unternimmt einen Vier-Tage-Fußmarsch über das Gebirge, von Nazareth bis En Kerem. Das sind etwa 150 km. Maria geht dorthin, wo sie gebraucht wird. Sie denkt zuerst an die anderen. 

Diesen Appell der Solidarität mit allen Hilfesuchenden, besonders mit allen Dürstenden, richtet heute unsere Caritas an uns: 

Und zwar mit einer schönen Glasflasche mit der Aufschrift „Durststiller“. Mit dem Kauf einer solchen Flasche zu € 10,-- oder einer Spende für die Sommersammlung können wir besonders in der Sahelzone der dortigen Bevölkerung sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen. 190 Brunnen wurden bereits durch die Tiroler errichtet, und wir müssen weiterbauen. Ca. € 10.000,-- kostet ein solcher Tiefbrunnen. Er kann über Jahre und Jahrzehnte die Menschen dort mit Wasser versorgen. Rund um die Brunnen entstehen dann auch grüne Oasen und Gemüsebauflächen. Helfen wir unseren dürstenden Mitmenschen und leben wir unser Christsein durch das Teilen.

Nach den anschließenden Ehrungen in der Hofburg, wo Tiroler und Südtiroler BürgerInnen für ihr ehrenamtliches Wirken und ihr Teilen von Zeit und Talenten vom Land ausgezeichnet werden, können Sie eine solche Flasche in der Hofburg erwerben. Unser Körper braucht Wasser zum Überleben. Wasser ist Leben.

2. Auch unsere Seele braucht Wasser zum Überleben.

So hat das Wasser in den Religionen große Symbolkraft. Auch bei uns Christen. Denken wir an das Taufwasser, das Weihwasser, Heilquellen bei Wallfahrtsorten zurückgehend auf das Wort Jesu: „Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen“ (Joh7,37f). Übrigens kommt das Wort Wasser in der Bibel 617 Mal vor. Jesus stillt unseren tiefsten Lebensdurst, den Durst nach Leben. Es ist das Wasser, das die ermüdete, überdrüssige und erschöpfte Seele erfrischt. Wenn wir also Jesus in den Sakramenten und vor allem in seinem Wort in uns aufnehmen, dann wird er für uns zum heilenden und erfrischenden Wasser. 

Deshalb: Nehmen wir jeden Tag die Heilige Schrift zur Hand! Lesen wir einige Sätze, kurze Abschnitte, um unsere Seele zu erfrischen. Nehmen wir einen Satz aus dem Evangelium oder sonst einen Abschnitt der Bibel mit in den Tag als Durststiller für unsere Seele. Und mein Leben und das Leben unter uns wird zum Jungbrunnen. 

Wir müssen es ja nicht so wörtlich nehmen wie ein Jugendlicher, der einmal von der Bibelstunde nach Hause gekommen ist und seiner Mutter ganz begeistert von der Heiligen Schrift erzählt hat. Und er schlägt ihr vor, sie sollten doch in Zukunft in Bibelzitaten miteinander reden. Die Mutter ist einverstanden. Am Morgen kommt die Mutter ins Schlafzimmer ihres Sohnes und weckt ihn mit den Worten: Mein Sohn, ich sage dir, steh auf! Darauf der Sohn: Frau, meine Stunde ist noch nicht gekommen. 

Nur mit der Heiligen Schrift kann Christsein konkret werden in unserem persönlichen Leben und in unserem Miteinander.

Liebe Andächtige! Maria, die erste Christin, sie ist unser Modell und unsere Fürsprecherin, damit unser Christsein gelingen kann: 

So sei es.

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