Eminenz, verehrter Kardinal,
Exzellenzen, liebe Ordensgeschwister,
meine lieben Kandidaten und Kandidatinnen,
Schwestern und Brüder im Glauben! 

Ein Religionslehrer fragt in einer Volksschulkasse die Kinder: Wer von Euch weiß, wie die vier Evangelisten heißen? Ein Kind zeigt auf und sagt: Die vier Evangelisten sind folgende drei, Petrus und Paulus.
Auf den Deckenfresken im Presbyterium sind sie abgebildet – die vier Evangelisten: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
Auf der Titelseite unseres Feierheftes sehen wir den heutigen Tagesheiligen, den Evangelisten Matthäus, der von einem Engel inspiriert, sein Evangelium niederschreibt. Dieses wunderbare Bild stammt vom großen Genie Michelangelo Merisi da Caravaggio, gestorben im Jahre 1610. 

In der frühen Kirche war das Matthäusevangelium das beliebteste und wurde am häufigsten beim Gottesdienst vorgelesen. Denn die frühe Kirche hat verstanden, dass für Matthäus die konkrete christliche Gemeinde der Ort ist, an dem Jesu Wirken weitergeht. Und vor allem geht es Matthäus darum, dass Glaube und ethisches Handeln eins werden.

1) Glaube – Vertrauen.
Das lateinische Wort „credo – ich glaube“  kommt von den beiden Worten „cor = das Herz“ und „dare = geben“.  Wenn ich jemandem das Herz schenke, dann vertraue ich ihm. Vertrauen ist eines der zentralen Themen des Matthäusevangeliums: das Vertrauen in den himmlischen Vater, dessen Söhne und Töchter wir sind. Heute werden viele Menschen durch Ängste bestimmt und gelähmt. Der Jesus des Matthäusevangeliums will uns ermutigen, so wie er auf den himmlischen Vater zu vertrauen, in dessen guter Hand wir sind. Deshalb dürfen wir bei jedem Nachtgebet, bei der Komplet beten: Herr, auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben.

Natürlich kann auch uns Christen Schlimmes widerfahren: Auch wir können wie Jesus in Einsamkeit geraten, in Verlassenheit, in Verzweiflung, in die Angst und Ohnmacht des Sterbens. Aber selbst dort sind wir von Gottes guter Hand umfasst. Lebe also aus dem Vertrauen, nicht aus der Angst! Du bist nicht allein. Christus, der Immanuel, er geht mit dir, er ist bei dir. Er kommt dir entgegen, wenn du wie Petrus in den Wellen und Wogen deines Lebens unterzugehen drohst. Er geht mit dir, wenn du in deinem Schmerz nicht mehr weiterweißt.

Vor allem das Kreuz ist die Einübung in das Vertrauen. Jesus hat sich sterbend in die Arme des liebenden Vaters fallen lassen.

Das fürchterliche Erdbeben im Jahre 1989 kostete in Armenien 30.000 Menschen das Leben. Auch das Gebäude einer Volksschule stürzte ein und begrub alle Schüler unter sich. Einer der Väter rannte sofort dorthin, sah fassungslos die Trümmer und dachte an sein Versprechen, das er einmal dem Sohn gegeben hatte: „Was auch immer passiert, ich werde für dich da sein!“ So ging er zu der Stelle, wo die Klasse seines Sohnes war und fing mit der Arbeit an. Immer und immer wieder bekam er von anderen Eltern zu hören: „Es hat keinen Zweck. Unsere Kinder sind tot.“ Doch er ließ sich nicht beirren. Auch als die offiziellen Bergungsarbeiten eingestellt waren, grub er Stunde für Stunde, Tag und Nacht weiter. Nach 38 Stunden härtester Arbeit hörte er eine schwache Stimme. So rief er den Namen seines Sohnes: „Armand!“ Und er hörte den erlösenden Satz: „Papa, hier bin ich!“ Nach der Rettung sagte der Sohn: „Ich habe den anderen gesagt: Habt keine Angst, mein Vater hat mir versprochen, was immer sein wird, er wird für mich da sein. Mein Vater holt uns hier raus!“ Der Sohn samt 13 seiner Mitschüler wurden damals „wie durch ein Wunder“ dank seines Vaters gerettet.

Eine wahre Geschichte, die uns ahnen lässt, wie sehr Gott uns liebt und sich an seine Zusage hält: Siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28,20).

Das Kreuz ist ein Zeichen tiefsten Gottvertrauens. Lassen wir unser Ego los; lassen wir uns in die liebenden Arme des himmlischen Vaters fallen! Nur so können wir zu einer mystischen Gotteserfahrung kommen. Das ist gelebter Glaube, Gottvertrauen. 

2) Ein weiteres zentrales Thema bei Matthäus ist die ethische Dimension.
Jesus geht es nicht um ein Ethos des Buchstabens, sondern des Herzens. Es geht ihm um eine Ethik, die sich im konkreten Tun ausdrückt. Einer Rede Jesu bei Matthäus folgt immer ein Handlungsgeschehen. Den Worten Jesu folgen immer Taten. Lest einmal das Matthäusevangelium unter diesem Aspekt! Den Worten Jesu folgen immer Taten.  

Diese ethische Herausforderung zeigt sich auch hier in ganz dichter Weise im Kreuz, dem Zeichen der hingebenden Liebe. Auf der Rückseite des Feierheftes findet ihr eine Kreuzesdarstellung von einem bekannten Tiroler Künstler, Georg Eigentler. Er hat es mir vor kurzem für ein Brautpaar gemalt. Die Idee dazu stammt aus dem 12. Jahrhundert. Damals haben die Künstler Christus am Kreuz meist auch als Auferstandenen, als Erhöhten dargestellt. Es wird erzählt, dass irgendwann bei einem solchen Kreuz die Arme des Gekreuzigten abgebrochen sind. Eines Tages kniet ein frommer Christ vor diesem geschnitzten Gekreuzigten ohne Arme. Und im Gebet hört er, wie eine Stimme zu ihm spricht: Ich habe keine anderen Hände als die deinen. Diese Worte hat dann der Beter auf den Querbalken geschriebenUnser Künstler hat dieses Thema aufgegriffen. Auch er hat diese Worte in den Querbalken hineingeschrieben: Ich habe keine anderen Hände als die deinen. Ich brauche deine Hände, um Gutes zu tun.

Mit deinen Händen kannst du notleidenden Menschen helfen – dem Nachbarn, ganz besonders unseren Mitchristen im Heiligen Land. Mit deinen Händen kannst du teilen; mit deinen Händen kannst du arbeiten, um deine Familie zu erhalten; mit deinen Händen kannst du schreiben – aufmunternde, freundliche Worte; mit deinen Händen kannst du spielen; mit deinen Händen kannst du den Computer, das iPhone betätigen, um so mit vielen Menschen in Verbindung zu kommen; mit deiner Hand kannst du andere trösten; du kannst zärtlich sein; deine Hand kannst du zur Versöhnung reichen; mit der Hand kannst du jemanden grüßen; mit deiner Hand kannst du jemandem auf die Schulter klopfen und ihm sagen: Ich stehe hinter dir, du kannst dich auf mich verlassen. Mit deinen Händen kannst du viel Gutes tun.

Kein anderer Evangelist hat die Botschaft Jesu so sehr als ethische Herausforderung verstanden wie Matthäus. Das Verhalten von uns Christen muss unseren Glauben widerspiegeln, muss Christsein glaubwürdig und schmackhaft machen, muss zeigen, dass durch Jesus etwas Neues gekommen ist, das die ganze Welt verwandeln und heilen könnte.  

Schwestern und Brüder, vor allem meine lieben neu investierten Damen und Ritter!
Der Kardinal-Großmeister hat euch bei der Investitur ein Kreuz überreicht. Dieses Kreuz, das ihr jetzt öfters tragen werdet, wie auch jedes andere Kreuz sagt uns:
1) Vertraue auf den himmlischen Vater! Hab Gottvertrauen, was immer kommen mag!
2) Ich habe keine anderen Hände als die deinen, um Gutes zu tun, um konkret zu lieben! Glaube ohne Werke überzeugt nicht.
Festlich Versammelte! Wir alle sind von Gott gesandt. Wir sind wie ein Matthäus auch Apostel, d.h. Gesandte, um diesen Glauben durch unser ethisches Tun glaubwürdig zu vermitteln.

 

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