Der Wappenspruch des Ritterordens lautet: „Gott will es.“ Ein Motto, das in unserer geläufigen theologischen Kommunikation fast wie ein Meteorit daherkommt. Eine Behauptung und zugleich auch eine Herausforderung, unser Leben der spannenden Frage auszusetzen, was denn Gott wirklich will. Natürlich haben wir darüber nie eine hundertprozentige Gewissheit, aber die Frage ist heilsam verunsichernd. Sie bewahrt uns davor, in eine gefährlich Logik von Besitz, Ansehen und Macht zu verfallen. Also stellen wir uns der Frage:

1. Was will Gott wirklich?

„Deus lo vult!“ So lautete gemäß der Überlieferung die Antwort der Menschenmenge auf den Aufruf von Papst Urban II. zur bewaffneten Wallfahrt nach Jerusalem, später als der 1. Kreuzzug bezeichnet. Es war am 27. November 1095. Die Idee vom gerechten Krieg hat sich in ein extrem tragisches Kapitel der Kirchengeschichte pervertiert. Die hohen Ideale der Befreiung der Heiligen Stätten wurden zum Vorwand für brutale Plünderungszüge und menschenverachtende Gemetzel – eine Hypothek, die wir als Christenheit durch alle Jahrhunderte bis heute mitschleppen. Was will denn Gott wirklich? Mit Sicherheit nicht den Krieg! Die Idee vom „gerechten Krieg“ ist längst schon obsolet geworden, vor allem angesichts der Vernichtungspotentiale, die die moderne Kriegsführung mit sich bringt.

„Jeder Krieg ist eine Niederlage für die ganze Menschheit.“ Mit dieser Absage schickte Johannes Paul II. die sogenannten „Theologen“ und Berater von George Bush nach Hause, die ihn von der Gerechtigkeit eines präventiven Verteidigungskrieges gegen den Irak überzeugen wollten. Kriegshetze theologisch motiviert – mit Sicherheit nicht! Gott will das nicht! Welches Unheil weltweit durch einen politisierten und fanatisierten Islam angerichtet wird, steht uns abschreckend deutlich vor Augen. All das im Namen des Allmächtigen. Eine Perversion Gottes! Und aktuell? Wir sind einer realen Kriegsgefahr wieder ganz gefährlich nahe gekommen. Die Ölanlagen brennen, Schuldzuweisungen lassen nicht auf sich warten, die Kriegstreiber wittern ihr Geschäft.

„Gott will, dass alle Menschen gerettet werden!“ Dieser Grundsatz aus dem Brief des Paulus an Timotheus hat eine enorme Strahlkraft. Er trägt die ganze Universalität des Heils in sich, die Jesus als menschgewordener Gott repräsentiert. Für alle ist Er gekommen und für alle hat Er sein Leben „investiert“. Welch berührende Weitherzigkeit des jungen Christentums! Paulus klärt ganz energisch, dass es nicht nur eine Rettung für die „Erleuchteten“ gibt – das wäre die Position der gnostisch-esoterischen Sekte, und auch nicht nur eine Rettung für die Frommen und Guten, was eine Verdammnis der Ungläubigen und Sünder als Kehrseite hätte. Gott will, dass alle Menschen zum Heil finden! Unser gesamtes Beten muss diese universelle Dynamik, diesen unbegrenzt gütigen Herzenswunsch Gottes widerspiegeln. „Betet für alle Menschen!“ Jedes kleinkrämerische und parteiische Ausschließen entspricht nicht dem Willen Gottes. Christlich beten ist radikal solidarisch.

2. Was Gott mit Sicherheit nicht will

Die Gegenfrage wird in den Texten des heutigen Sonntags auch deutlich beantwortet. Die Ansage des Propheten Amos gegen die frömmlerischen Reichen entbehrt nicht der Provokation. Gott will mit Sicherheit nicht die Ausbeutung der Armen. Jede Form der Korruption, des Kalküls zur Entrechtung und Versklavung der Armen erregt seinen Widerspruch. Gott durchschaut die vordergründige Frömmigkeit, das äußerliche Einhalten des Gesetzes, dem die wahren Absichten der wirtschaftlich Potenten nicht entsprechen. Die Logik des Mammons, die Logik des Besitzens und der Vermehrung des Eigentums kann leicht in eine unstillbare Gier treiben und die Seele des Menschen verderben. Jesus fasst seine Ermahnung zusammen: „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“ Wir dürfen also unsere Seele nicht verkaufen, unser eigentliches Leben, das wirkliche Glück!

Diese Heiligen Worte des heutigen Sonntags fordern heraus. Sie sind an Aktualität kaum zu überbieten. Nicht der Besitz oder Eigentum an sich werden in Frage gestellt – das würde auch der christlichen Soziallehre in ihrer langen Tradition widersprechen, sondern der maßlose, unverantwortbare Umgang damit. Eigentum verpflichtet. Gott will mit Sicherheit nicht, dass die wenigen Reichen, die Profiteure der absurd beschleunigten und von Profitgier gepeitschten Geldwirtschaft, international agierende Großkonzerne und wie sie alle heißen mögen, die großen Massen der Weltbevölkerung ausbeuten. Im lokalen, sagen wir im kleinen Umfeld unseres Landes, hat dieses Übel auch einen Namen: Es wird mit Bauland und Wohnraum spekuliert. Eine Preistreiberei, die ganze Familien und die finanziell Schwächeren in extrem prekäre Lagen bringt.

Gott will mit Sicherheit nicht, dass wir unsere Erde, die Schöpfung Gottes mit einem Höllentempo ausbeuten und in die finale Erschöpfung treiben. Kinder und Jugendliche wecken uns nun auf. Sie halten uns mit Recht vor, dass wir zwar von unserer Weltverantwortung wissen, aber daraus keine Konsequenzen ziehen, bzw. gezogen haben. Im Kokon der praktischen Verdrängung der Fakten und Ausreden, ließ es sich gut leben. Jetzt ist damit Schluss. Wir haben noch ein Zeitfenster von zehn Jahren, um die verheerenden Folgen des Klimawandels auf ein Ausmaß zu reduzieren, das auch zukünftigen Generationen noch eine Lebenschance einräumt. Gott will, dass wir dem Leben dienen und mit Aufmerksamkeit unsere „gemeinsames Haus“ (Papst Franziskus) bewohnen. Am kommenden Freitag werde ich mit vielen jungen Leuten bei „Fridays for Future“ teilnehmen, lernend.

3. Was tun, um das eigentliche Leben zu gewinnen?

Jesus macht uns im heutigen Evangelium einen Gauner zum Vorbild. Ganz eigenartig und doch so klar. Zum zeitgeschichtlichen Hintergrund: Der Verwalter musste das Vermögen eines Eigentümers, der sich meist im Ausland aufhielt, bestmöglich mit Verpachtung bewirtschaften. Je mehr er von den Pächtern an Abgaben und somit Ertrag herauszog, umso besser für den Besitzer und ihn selbst. Im konkreten Fall wurde der Verwalter beim Grundbesitzer angeschwärzt. Warum, bleibt offen. Dieser Verwalter verteidigt nun nicht seine Arbeit, sondern dreht den Spieß um: Die Pächter, die durch das System meist die Leidtragenden waren, macht er mit dem fremden Vermögen zu seinen Freunden. Zumindest erhofft er sich, ihre Gunst für sein „Leben danach“ zu gewinnen. Er ist tatsächlich klug.

Gott hat uns alle mit „Vermögen“ ausgestattet. Das meint die vielen Lebenschancen, die wir haben, inklusive der materiellen Güter und Optionen in unserer Wohlstandsgesellschaft, aber auch das geistige, humane Vermögen. Der Vorwurf Gottes könnte lauten: „Du hast alles, was ich in Dich investiert habe, Deine Liebenswürdigkeit, Deine Großherzigkeit, Deine Fähigkeiten vertan.“ Was ist also zu tun? Kehr um! Lern von der Klugheit des „ungerechten“ Verwalters! Er hat sich nicht als Opfer ins Selbstmitleid geflüchtet. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, wie man sagt. Ein reales Bekenntnis könnte lauten: „Ich habe mich verlaufen, meine Herzensenergie in Dinge investiert, die es nicht wert sind. Meine Seele klebt an Vergänglichem. Ich fühle mich unglücklich und leer.“ 

Der kluge Verwalter hat eine radikale Entscheidung getroffen. Alle vorhandenen Mittel setzte er ein, um die Menschen, die er vorher „ausgesaugt“ hat, zu entlasten. Ist das nicht vorbildlich? Alles investieren, um Freiheit zu ermöglichen, alles einsetzen, um möglichst vielen Menschen in meiner Umgebung, Lebenschancen einzuräumen. Das ist ein revolutionäres Programm. Es könnte nach der Bekehrung des Herzens auch die „Bekehrung der Geldtasche“ bedeuten. Wo und wie wir unser Geld einsetzen, sagt viel über uns aus. Die Chance, Gutes zu tun, hat jeder von uns. Und wir können vor allem auch einander durch eine Bitte um Vergebung, durch ein tröstendes Wort und durch eine gelebte Aufmerksamkeit entlasten. Auch das ist eine Klimaveränderung, die Gott will.

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