Hand aufs Herz! Haben Sie heute Abend bei der weihnachtlichen Bescherung Ihre Liebsten beschenkt und haben Sie selber Geschenke bekommen? Haben Sie sich sehr gefreut über die Geschenke? Oder waren Sie enttäuscht, weil Sie sich mehr oder etwas anderes erwartet haben oder gar etwas Teureres?

Schenken hat zu Weihnachten Hochkonjunktur.

Aber wir müssen sagen: Natürlich führt die stark marktwirtschaftliche Komponente im Weihnachtsrummel leider vom eigentlichen Sinn des Festes weit weg; und doch sind Schenken und Beschenktwerden ein Grundbedürfnis des Menschen.Den Brauch, Geschenke zu überreichen, kennt man in allen Kulturen seit ewigen Zeiten. Menschen brauchen Zeichen, Konkretes, Fassbares – auch um einander Wertschätzung, Liebe, Anerkennung, Freundschaft auszudrücken.

Was hat das Schenken aber mit dem Fest der Weihnacht zu tun?

In dem bekannten Weihnachtslied von Nikolaus Hermann aus dem Jahre 1560 hören wir die Antwort: „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich, in seinem höchsten Thron, der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn, und schenkt uns seinen Sohn“. Gott schenkt uns seinen Sohn. Dankbar besingen wir in diesem Lied dieses große Geschenk. Weil Gott uns so sehr liebt, kommt er als Kind in diese Welt. Gott schenkt uns seinen Sohn, um uns seine Botschaft zu überbringen: die Botschaft, dass wir uns beschenken lassen dürfen, und dass wir den Auftrag haben, andere zu beschenken.

Deshalb ist Weihnachten bei den Menschen so beliebt: Nicht nur wegen der Romantik, wegen der Kindheitserinnerungen, nicht nur wegen der hoffnungsvoll ersehnten Geborgenheit in der Familie, der Gefühle von Beheimatung, wegen der schönen Rituale, sondern vor allem, weil Menschen sich beschenken. 

Weihnachten ist das Fest der Geschenke. Heute Nacht sollten wir ganz still werden und nachsinnen, mit wie vielen Geschenken wir umströmt werden – auch ohne Weihnachtspapier, Schleife und Goldbänder. Und wir werden merken: Wir sind tausendfach Beschenkte. Das ist nicht selbstverständlich. Diese Geschenke liegen nicht in Regalen des Supermarktes, nicht im Juwelierladen und nicht auf der Bank. Sie liegen auf dem Gabentisch des Lebens:

Das Geschenk der Gesundheit: Wir denken manchmal daran, wenn wir ein Spital verlassen.

Das Geschenk der Freundschaft: Eines der größten Geschenke.

Das Geschenk der Liebe: Augustinus sagt: „Liebe kann man nicht schenken, wenn man sie nicht hat; und man hat sie erst, wenn man sie schenkt“.

Das Geschenk der Harmonie, des familiären Glücks, des erzieherischen Gelingens;

das Geschenk der Vergebung: darin steckt das Wort geben, schenken. Man gibt dem anderen etwas, was man eigentlich von ihm zu erwarten hätte.

Das Geschenk der Zeit: Eine Zeitspende ist manchmal wertvoller als eine Geldspende.

Das Geschenk des offenen Ohres, das Geschenk eines guten Rates, das Geschenk einer Begleitung, das Wort oder Zeichen des Trostes, das Geschenk des Lächelns, das Geschenk des gedeckten Tisches, des frischen Quellwassers, des Sattseinkönnens, das Geschenk der Natur, der göttlichen Schöpfung. Das Geschenk einer Skitour in den verschneiten Bergen, das Geschenk eines schönen Konzertes; das Geschenk eines schöpferischen Einfalls für Künstler und Schriftsteller; das Geschenk des eigenen Lebens nach einer Schrecksekunde, in denen die Autobremsen quietschten und irgendein Steuer im letzten Moment vor der Katastrophe noch herumgerissen wurde.

All diese Geschenke liegen auf dem Gabentisch des Lebens. Vielleicht könnte uns dieses Nachdenken auch helfen, zu einer Art existentieller Dankbarkeit zu finden.

Doch hinter all dem weihnachtlichen Schenken und Beschenktwerden tut sich noch eine tiefere Dimension auf: Die Botschaft, dass das ganze Universum vom Geheimnis des sich verschen-kenden Gottes durchwaltet wird.

Liebe Andächtige! Die meisten von uns haben jetzt am Heiligen Abend Geschenke bekommen, kleine Überraschungen. Heute Nacht entdecken wir die größte Überraschung, das größte Geschenk, das Gott uns gibt: Es ist sein Präsent: nämlich seine Präsenz, seine Gegenwart mitten in unserer oft trostlosen Welt. Wir sind nicht allein. Er ist bei uns. Er ist der Gott Emmanuel, der Gott-mit-uns.

Für dieses große Geschenk bleibt uns nur Danke zu sagen. Deshalb feiern wir Mitternachtsmette. Dankend und preisend stimmen wir also ein in die Dankgesänge: Gratias agamus Domino Deo nostro! Lasset uns danken, dem Herrn, unserm Gott.  AMEN.

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