Mitten auf der Kreuzung stoßen in der Silvesternacht zwei Autos zusammen. Ein Polizist kommt und zückt seinen Notizblock. Darauf der eine Fahrer: Aber, Herr Wachtmeister, man wird doch noch aufs Neue Jahr anstoßen dürfen!

Nun ich hoffe, dass Sie heute Abend als Zeichen des gegenseitigen Glückwunsches noch anstoßen werden, aber nicht mit den Autos, sondern mit Sekt- oder Weingläsern – kann auch nicht alkoholisch sein. Und es ist schön, wenn wir das alte Jahr mit Familie, mit Freunden beschließen, vielleicht einiges rückblickend erzählen – hoffentlich viel Gutes und Schönes und uns für das Neue Jahr vor allem viel Segen und Glück wünschen.

Es ist eine alte Weisheit, die uns unser Glaube in Erinnerung ruft: Der Schlüssel zum Glück, der Schlüssel zur Lebensfreude, ist die Dankbarkeit. Was christliches Leben heißt, ist in dem einen Wort DANK zusammengefasst. Deshalb feiern wir jeden Tag Danksagung – Eucharistie. Alles, was wir im Leben brauchen und was für uns gut ist, wird uns in jedem Augenblick geschenkt vom Leben oder von Gott, der ja das Leben ist. Wir vergessen so oft, wie sehr unser Leben von Gott getragen ist, schon dadurch, dass wir leben und atmen können. Nehmen wir die vielen kleinen Geschenke des Lebens an. Daran immer wieder zu denken, macht das Danken aus. Denken ist ja sprachlich verwandt mit danken. Wer nachdenkt, wer zurückdenkt, wer bedenkt, der erinnert sich an Erlebtes, der beginnt zu danken. 

Lassen wir in diesem kommenden Jahr jedes Gebet einmünden in ein Dankgebet. Ein Weiser hat einmal gesagt: Je näher ein Betender zu Gott kommt, umso mehr wird er ein Dankender. Der Dank kennt nämlich eine Dimension, die wir nicht übersehen dürfen, die aber stets im täglichen Einerlei ins Vergessen gerät. Jeder Dank, und wenn er noch so klein und unscheinbar ist, hat ein Echo im Himmel, in Gott. Deshalb sollte jedes Bittgebet, jede Klage, jedes Loblied enden im Dank.

Danken wir heute Abend für alles, was Gott uns in diesem Jahr an großen und kleinen Geschenken, an Schönheit und Freude gegeben hat: eine Familie, Freunde, erfüllende Beziehungen, inneren und äußeren Frieden, genügend zu essen und zu trinken, ein Dach über dem Kopf und über der Seele. Jeder möge diese Danklitanei in einigen stillen Minuten fortsetzen – vielleicht noch in dieser Nacht. Wenn ich zu denken beginne, nachzudenken, dann muss ich automatisch danken. 

Danken wir aber auch für die Wunden und Verletzungen. Sonst wäre ich vielleicht satt und unempfindlich geworden. Ich würde den Menschen in seiner Not neben mir übersehen. Manchmal werde ich gefragt: Alles o.k.? Ich sage: nein. Es ist nicht alles in Ordnung, nicht perfekt. Aber wir sind ja noch nicht im Paradies, wo alles o.k. sein wird. Seien wir dankbar für das, was schön ist, aber auch für das Schmerzliche. Es hilft uns dankbare Menschen zu bleiben. Danken wir, dass unser Leben im Großen und Ganzen gelungen ist. Danken wir für Freud und Leid. Wer nämlich dankt, verabschiedet sich von einer Haltung des Forderns und Einklagens von Ansprüchen, die längerfristig nur zur Unzufriedenheit und Verbitterung führt. Danken entspannt. Danken hilft, das Leben anzunehmen, wie es ist. Danken schafft Freude.

Und danken wir für den Glauben, der uns geschenkt ist. Danken wir für die humanen Ressourcen des Christentums, für die lebendigen Gemeinschaften, die es unter zwei Milliarden Christen gibt. Leider sind viele in Bezug auf den christlichen Glauben gleichgültig oder gar Gegner geworden – vor allem in Europa. Viele achten nur auf Fehler, Wunden, Strukturprobleme unserer Kirche und nicht auf ihre Schönheit, auf die Kraft zur Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Wer als Christ entsprechend einem Wort von Saint-Exupery mit den Augen des Herzens auf unsere Kirche blickt, der wird sie auch lieben können, und er wird ein christliches Selbstbewusstsein ausprägen, das nicht arrogant oder niveaulos simpel, sondern gut begründet ist und Kirche als einladende Heimat offenhält.

Danken wir jeden Tag, öfters am Tag.

Weil eben Dankbarkeit der Schlüssel zur Lebensfreude ist, braucht es die Dankbarkeit täglich.

Ein jüdischer Rabbi wurde einmal gefragt, warum die Israeliten bei ihrem Zug durch die Wüste immer nur so viel Manna fanden, dass es für einen Tag reichte. Warum kam nicht Manna für ein ganzes Jahr auf einmal herab. Der Rabbi antwortete mit einem Gleichnis: „Ein König hatte einen Sohn. Er setzte ihm seinen Unterhalt für das ganze Jahr fest, und der Sohn grüßte das Angesicht seines Vaters nur einmal im Jahr. Da machte sich der Vater auf und setzte den Unterhalt des Sohnes für jeden Tag einzeln fest. Dafür begrüßte der Sohn das Angesicht des Vaters von nun an täglich.“ Und der Rabbi fuhr fort: „Der Dank gerät leicht ins Vergessen, wenn er nicht täglich geübt wird! 

Liebe Andächtige! „Sagt Gott, dem Vater jederzeit Dank für alles“,erinnert uns der Apostel Paulus. Und bei jeder hl. Messe ruft uns der Priester auf: „Lasset uns danken, dem Herrn, unserm Gott“.

Die Dankbarkeit wird uns zu zufriedenen, glücklichen und frohen Menschen machen. Schließen wir das Jahr 2019 mit Dankbarkeit ab und beginnen wir das neue Jahr 2020 mit Dankbarkeit. Deshalb: Lasset uns jetzt danken, dem Herrn, unserm Gott! AMEN.

 

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