Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Ich bin seit knapp einem halben Jahr in Fulpmes. Ich leite dort das Schülerheim Don Bosco mit 165 Jugendlichen und unterrichte an der HTL Fulpmes. Ich möchte zwei Eindrücke aus meinem Alltag erzählen:

(1) An einem Abend bin ich mit einem engagierten, 18-jährigen Schüler in der Heimbar gesessen. Er ist in der Schülervertretung und auch Teil des sehr aktiven Heimbar- Teams. Es war ein super Gespräch und wir haben über Gott und die Welt geredet. Ein Ausspruch von ihm ist mir in Erinnerung geblieben: „Die Gesellschaft lebt von Menschen, die mehr tun als sie müssen“. Und er ist einer von diesen Menschen! Die Gesellschaft wird von Menschen getragen, die ein Plus für die anderen sind: Sie bringen ihre Talente ein, schauen nicht jede Minute auf die Uhr, geben mehr als sie empfangen. Für ein gutes Miteinander brauchen wir viele Menschen, die so ein Plus für andere sind.

(2) Etwas Zweites: Vor einigen Jahren war es dem HTL-Direktor bei Umbauarbeiten ein Anliegen, modernere Kreuze in den Klassenräumen anzubringen. Es gab dann mehrere Entwürfe bis zur fertigen Entwicklung. Eines dieser Kreuze habe ich nun mitgebracht. Aus einer gewissen Entfernung schaut dieses Kreuz auch wie ein Plus aus. Zwei Eindrücke aus meinem Alltag, in beiden geht es um ein Plus, um ein Mehr.

(3) Wir feiern heute den Tag des gottgeweihten Lebens und Ordensleute aus der ganzen Diözese sind zusammengekommen. Einige leben seit über 50 Jahren ein gottgeweihtes Leben, andere – wie ich – 10 Jahre, andere sind hellhörig für den Ruf Gottes für ihr Leben.

Eine Frage, die wir uns immer wieder neu stellen sollen, ist: Was war bzw. ist meine Faszination für meinen Weg mit Gott? Was war bzw. ist meine Motivation für das Ordensleben? Welchen Ruf Gottes habe ich wahrgenommen?

Ich denke, eine Motivation von uns allen war, so ein Plus, ein Mehr, einzubringen – in Kirche und Gesellschaft: In der Sorge um alte, kranke und junge Menschen, in der Seelsorge, in der Bildung, im stellvertretenden Gebet für andere. „Unsere Gesellschaft lebt von Menschen, die mehr tun als sie müssen“,hat einer meiner Schüler gesagt. Ich denke, dass ist unser aller Antrieb und Inspiration.

(4) Jene, die näher sitzen, haben sicherlich gesehen, dass auf dem Kreuz der Schule etwas oben steht. Es ist eine berühmte Bibelstelle auf Englisch und beginnt mit: „The Lord is my shephard“. Es sind die ersten Verse von Psalm 23:

Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen und
führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Meine Lebenskraft bringt er zurück.

Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit,
getreu seinem Namen.
Auch wenn ich gehe im finsteren Tal,
ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. (Psalm 23,1-4)

Ja, wir sind immer zuerst Empfangende. Gott wird uns in diesem Psalm als großzügiger Geber vorgestellt. In einem Schulgebäude begegnen einander verschiedene Religionen und Sichtweisen. Angesichts der heutigen Pluralität in der Gesellschaft wollte der HTL-Direktor ein dezentes Kreuz in den Klassenzimmern, und zugleich eine klare, einladende Botschaft: „Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.“Diese Botschaft rufen wir in die heutige Welt hinaus. Nicht aufdringlich, aber klar und glaubwürdig, mit unserem Leben und wenn nötig auch mit Worten.

(5) Die Botschaft „Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.“ ist uns allen zugesagt. Dieses Bewusstsein ist wichtig um dann auch Hirt/Hirtin für andere zu sein. Das Plus ist auch ein Kreuz. Das Kreuz ist für uns Christen Zeichen der Erlösung, aber auch der Hingabe und des Leids. Sich für andere einzusetzen, ein Plus für andere zu sein, bedeutet auch ein Kreuz auf uns zu nehmen und die Mühen des Alltags zu tragen.

(6) Heute ist das Fest des heiligen Don Bosco, meines Ordensgründers. Auch Don Bosco war zuerst ein Empfangener. In allen Sorgen und Herausforderungen hat er ein Leben lang die Nähe Gottes gespürt. Dann konnte er seine reichen Talente für andere einsetzen. Im Leben vieler Jugendlicher war Don Bosco ein großes Plus. Lasst auch uns Tag für Tag ein Plus in Kirche und Welt sein. Amen.

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