Die Gemeinschaft der Benediktiner des Stiftes Kremsmünster machte vor einigen Jahren einen Konventausflug in das ehemalige Zisterzienserkloster Goldenkron in Südböhmen in Tschechien – fr. Alois kommt ja aus Mähren in Tschechien. Die junge Führerin fragte die Mönche: „Sind wirklich alle von Ihnen im Kloster?“ Und P. Johannes zuckte lässig mit den Schultern und sagte zu ihr, als handelte es sich um das Selbstverständlichste auf der Welt: „Ja sicher, wir sind im Benediktinerstift Kremsmünster eingetreten und leben im Kloster oder zeitweise in einer Pfarre.“ Da meinte die junge Frau: „Ist das nicht schrecklich?“

Heute noch in einem Orden zu sein – ist das nicht schrecklich? Auf diese Einschätzung treffen wir leider nicht nur in ehemaligen kommunistischen Landen. Auch bei uns, im angeblich christlichen Tirol. Junge Männer hinter Klostermauern, wo sie den Rest ihres Lebens ziemlich langweilig verbringen - nein danke. Wozu auch. Und schon gar nicht unser Sohn soll sich einfallen lassen, in ein Kloster zu gehen.

Heute ist ein sehr markantes Datum: 2.2.2020. Oder anders: 02.02.2020. Heute wäre ein einprägsamer Hochzeitstermin. Viele sagen oft: Ihr fahrt nun in den Hafen der Ehe ein, wo ihr endgültig abgesichert seid. Aber das Schiff sowohl der ehelichen wie der klösterlichen Lebensform soll nicht im Hafen verankert bleiben und dort womöglich verrosten. Es soll hinausfahren in die Weite, neue Horizonte eröffnen, seine Passagiere über sich selbst hinausführen. 

Vielleicht ist das Klosterleben doch nicht so schrecklich, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn Ordensmann zu sein, bedeutet: im Tiefsten aufzubrechen, auf den Grund zu gehen und sich zu überschreiten. Die Beständigkeit des Ortes, die stabilitas loci, will nur der äußere Rahmen sein für eine Reise nach Innen, auf der es viel zu erleben gibt. Und der ehrlich versuchte klösterliche Lebenswandel eröffnet den Weg zur Freiheit und zum Leben in Fülle. Wer oberflächlich hinschaut, sieht nur Verbote und Einschränkungen. Heute wohl am Deutlichsten beim Gelübde, ohne intime Beziehungen zu leben. Das heißt eben nicht: Ich muss dieses Joch halt auf mich nehmen, die Augen verschließen, um durchzukommen. Der hl. Benedikt spricht bezeichnenderweise von castitatem amare – die Keuschheit lieben. Das bedeutet: Liebesgeschichten begleiten, aber keine Ansprüche anmelden; andere ins Herz schließen, ohne sie festzuhalten; niemanden an sich binden, weil man nur Ihm, nämlich Gott gehören will. Das ist die Vision, das Ziel des Ordenslebens: mit seinem ganzen Tun und Denken hinzuweisen auf jenen Anderen, der uns alle umfängt, der uns trägt und birgt.

Auch das Gelübde der Armut macht Mut, weniger zu wollen, schafft Zugang zu den wirklichen Bedürfnissen; erleichtert die Konzentration auf das Wesentliche. Ein Leben ohne Konsumzwang hat Raum für anderes. Einfachheit befreit.

Ebenso beim Gelübde des Gehorsams entscheiden sich Ordensleute, vor allem auf Gott zu hören, natürlich dann auch auf die Brüder und den Oberen. Gehorsam lehrt genau hinzuhören, mehr und feiner hören können als andere. Es macht wach und schärft die Sinne.

Letztlich sind diese evangelischen Räte oder Gelübde Stützen, um Gott immer mehr im Blick zu haben, für ihn da zu sein, für ihn zu leben, sein Reich bekannt zu machen, sein Reich der Liebe, des Friedens, der Gerechtigkeit, vor allem seine Botschaft, die Glück verheißt, natürlich nicht um einen Nulltarif. So soll das Leben eines Ordensmannes die Menschen aufrütteln und fragen lassen: Was trägt eigentlich im Leben? Was macht Sinn? Was bleibt? Welche Beziehung hält – inmitten aller Brüchigkeit und Vorläufigkeit, inmitten der wunderschönen Momente des Lebens und der gleichzeitig bedrückenden Lieblosigkeit, die wir tagtäglich erleben? Der Ordensmann bezeugt, dass ein Leben mit Gott trägt, ja uns berührt. Wir müssen nur die Panzer unserer eingebildeten Souveränität ablegen, damit innerlich etwas in Bewegung kommt. 

Beziehung mit Gott: Sie allein bleibt. Nichts auf der Welt kann sie erschüttern. Gott bleibt treu. Er bleibt bei uns – bis ans Ende der Welt. Er hat es versprochen. Was versprechen nicht wir Menschen so alles! Vom Eheversprechen bis zum Versprechen einer Profess, bis zu den Versprechungen im Alltag. 

Letztlich geht es in jedem Leben um Beziehung, um Begegnung. Das heutige Fest der Darstellung des Herrn im Tempel zu Jerusalem heißt in der Ostkirche das Fest der Hypapanté – der Begegnung. Ordensleben ist ein Hinweis, dass Begegnung mit Gott einmündet in eine echte, nicht vereinnahmende, in eine offene und liebende, vorurteilsfreie Begegnung mit dem Menschen. Deshalb schreibt auch unser Regelvater, der hl. Augustinus im Prolog seiner Regel: Vor allem, liebe Brüder, soll Gott geliebt werden, sodann der Nächste: denn das sind die Hauptgebote, die uns gegeben sind.

2.2.2020: Dieses Datum wird nicht schwer zu merken sein. Wir werden nie im Catalogus nachschauen müssen, wann fr. Alois die Zeitlichen Gelübde abgelegt hat. Die Zahl ZWEI ist zwar die erste gerade Zahl, aber weil geteilt, unvollkommen. Bei den Kirchenvätern hat die Zahl zwei eine positive Symbolik: zwei Testamente, zwei Gesetzestafeln, zwei Naturen in Christus, zwei Lebensformen - vita activa und vita contemplativa und vor allem die zwei Hauptgebote. Das, lieber fr. Alois, ist jetzt die Hauptaufgabe für die nächsten Jahre: auf der Reise nach innen immer tiefer Gott zu begegnen und diese Gottesbegegnung mit den Menschen zu teilen: mit den Brüdern und den Schwestern, mit Armen und mit Menschen, die auf der Suche sind nach Gott.

Gott stehe dir bei! AMEN.

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