Gut-Hirten-Sonntag! Heutzutage ist es nicht mehr leicht von Jesus als dem Guten Hirten zu sprechen. Schafe oder Lämmer wollen wir nicht sein und schon gar nicht als Herde betrachtet werden. Diese Bilder einer fernen Nomadenkultur sind uns ohnehin fremd. Als Jesus im Bild des Guten Hirten über sich selbst sprach, konnte er davon ausgehen, dass seinen Hörern der kraftvoll innige Psalm 23 gegenwärtig war: 

„Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir…“ (Verse 1-4). Gott ist der „Hirte Israels“ (Psalm 80). Im Gegensatz zu Königen und Herrschern wird nur eigentlich Gott diesem Titel gerecht. Auf seine umfassende Sorge dürfen wir unbedingt vertrauen.

In der frühchristlichen Kunst, nämlich in den Katakomben von Rom finden wir zuallererst das Bild des Hirten mit dem Schaf auf der Schulter. 140 Mal finden wir dieses Bild an den Grabstätten der Christen des 3. und 4. Jahrhunderts. Im Mausoleum der Kaiserin Galla Placidia in Ravenna ist es erstmals als Wandmosaik gestaltet. Auch in der modernen Kunst wird dieses Motiv nicht selten dargestellt. 

Einen Satz aus diesem wunderbaren Psalm möchte ich uns mitgeben für die kommende Woche: auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir (Ps 23,4). Immanuel Kant sagt: Nichts ist so trostvoll wie diese vier Worte: Du bist bei mirDieses Wissen, dass der Gute Hirte uns versprochen hat immer bei uns zu bleiben, uns weiterhin zu leiten auf unseren Pfaden, das ist der größte Trost. Das lateinische Wort für trösten heißt ja consolari und das bedeutet wörtlich, mit dem sein, der allein ist (con = cum = mit, solus = allein). Wir sind nicht allein: Gott ist bei uns.

Diese vier Worte – du bist bei mir - werden uns immer aufrichten und wenn unsere seelische oder körperliche Not noch so groß ist. Diese vier Worte – du bist bei mir - kennen wir auch aus unseren menschlichen Beziehungen: gerade jetzt in dieser Zeit der Pandemie. Wie sehr sehnen wir uns nach Begegnung, nach körperlicher Nähe und Umarmung. Vertrauen wir auf den Guten Hirten! Nur bei ihm lernen wir die Hingabe, die Nächstenliebe, das Einfühlungsvermögen. So können auch wir Hirten nach seinem Herzen werden: Ob als Papst, als Bischof, als Pfarrer, als Eltern, als Erzieher und Lehrer, als Leiter in einem Unternehmen, als Politiker.

In dieser Krisenzeit haben wir das Geschenk der Hauskirche, dürfen wir uns noch mehr Zeit nehmen für Kontemplation, für das persönliche Gebet. Ich darf Euch in den kommenden Wochen auf verschiedene Formen des Gebetes hinweisen. Heute besonders auf das Gebet der Psalmen. Sie sind schon 3000 Jahre alt. Wir finden sie im Alten Testament. In verschiedenen Situationen unseres Lebens sprechen sie von Dank und Lob, von Klage und von Bitte. Beten wir immer wieder aus dem Buch der Psalmen. In der kommenden Woche besonders den Psalm 23:„Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir.

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