Als Ende Feber die Gefahr des Corona-Virus immer deutlicher wurde, haben die Bischöfe als erstes angeordnet, sich beim Friedensgruß keine Hände zu reichen und das WEIHWASSER in den Weihwasserbecken zu entfernen. Die Gefahr der Ansteckung, der Infizierung über das Wasser sei viel zu hoch. Seitdem sind die Weihwasserbecken in unseren Kirchen leer. In den nächsten Tagen bekommen wir als Ersatz einen berührungslosen Weihwasserständer.

Wozu gibt es überhaupt dieses Ritual?  Warum tauchen wir unsere Finger in das Weihwasser, um uns zu bekreuzigen? Warum machen in noch einigen christlichen Familien die Eltern mit Weihwasser ein Kreuz auf die Stirn ihrer Kinder – vor dem Schlafengehen, vor einer Reise?

Das Weihwasser erinnert uns an unsere TAUFE. Bei der Taufe wurden wir mit Wasser übergossen auf den Namen des dreifaltigen Gottes. Wann immer wir also Weihwasser nehmen, erinnern wir uns, dass wir Getaufte sind. In besonders schweren Stunden der Anfechtung und des Zweifels soll sich der Reformator und frühere Augustinereremit Martin Luther mit folgenden Worten immer wieder Mut gemacht haben: „Baptizatus sum – ich bin getauft“. Und er hat diese Worte auf eine Tafel geschrieben, damit er immer wieder daran erinnert wird. Er wollte damit sagen: Gott hat mich in der Taufe als sein Kind angenommen. Gott liebt mich unendlich. Nichts kann mich von ihm trennen – außer ich selbst.

Außerdem werden wir beim Eintauchen in das Weihwasser erinnert an das Taufgelübde, das wir in jeder Osternacht und auch an manchen Sonntagen erneuern: Ich widersage dem Bösen! Und: Ich glaube. Ich glaube an den dreifaltigen Gott.

Die HEILIGEN haben uns das Getauftsein, das Eingetauchtsein in Gott vorgelebt. Sie haben das Taufbekenntnis existentiell buchstabiert – manchmal bis zum Tod. Ich denke da an einen Pfarrer Otto Neururer, der am 30. Mai 1940, also vor 80 Jahren im KZ Buchenwald zu Tode gefoltert wurde. Aus Treue zum dreifaltigen Gott, der in sich Liebe ist, reine Liebe, hat er einer jungen Frau in der Pfarre Götzens abgeraten, einen aus der Kirche ausgetretenen und geschiedenen SA-Mann zu heiraten. Pfarrer Neururer wurde daraufhin von der Gestapo verhaftet und ins KZ gebracht. Er habe sein weniges Brot geteilt und habe Mitgefangene aufgerichtet. Dann kam ein Mithäftling, der getauft werden wollte. Aber der verbotene Glaubensunterricht flog auf. Pfarrer Neururer hat seinen vermummten Schergen verziehen, und er hat sie gesegnet, als sie ihn an den Füßen mit dem Kopf nach unten aufhängten. 34 Stunden habe das Martyrium gedauert.

Der inzwischen selige Tiroler Pfarrer Otto Neururer hat sein Taufgelübde existentiell buchstabiert, bis zum letzten Atemzug. 

So auch ein hl. Norbert von Xanten, der Gründer unseres Prämonstratenserordens. Er lebte etwa 900 Jahre früher als Pfarrer Neururer. Auch er wurde immer wieder verfolgt und attackiert. Zweimal entkam Norbert knapp einem Mordversuch. Und beide Male hat Norbert seinen Attentätern verziehen.

Norbert war mit seinem Mitbruder Hugo von Fosses in Belgien und Frankreich als Wanderprediger unterwegs. Dabei versuchten sie die gegnerischen Parteien zu versöhnen. Ganz beeindruckend sein Einsatz für Versöhnung in Fosses. Der tödliche Hass und die Fehde hatten in dieser Gegend bereits 60 Menschenleben gefordert. Alle Friedensbemühungen waren bisher erfolglos. Als zufällig einer vorbeikam, dessen Bruder in derselben Woche getötet worden war, konnte Norbert tatsächlich sein Herz rühren und ihn von seinem Haß und seinen Rachegedanken befreien. Außerdem half dieser Mann dann Norbert auch bei der Versöhnung anderer Verfeindeter. Nach der Feier einer hl. Messe und eindringlichen Worten der Predigt konnte Norbert die Streitenden zur Versöhnung bewegen. 

Liebe Andächtige! Die Heiligen haben uns gezeigt, was es heißt, als Getaufter zu leben. Ahmen wir sie nach! Nehmen wir immer wieder geweihtes Wasser – vor allem zuhause - zur Erinnerung an unser Getauftsein, unser Eingetauchtsein in Gott und bekennen wir uns – wie wir es gleich gemeinsam tun – zum dreifaltigen Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. AMEN.

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