Vor einigen Tagen hatte ich in der Innenstadt zu tun und bin bei der Spitalskirche vorbeigekommen. Das Kirchenportal war weit offen. Diese Einladung ohne Worte habe ich gerne angenommen für ein kurzes Innehalten und Beten. Dabei habe ich beim vorderen rechten Seitenaltar einen Dankpostkasten entdeckt. Darunter lagen Dankkarten mit der Einladung, jeden Tag einem wichtigen und wertvollen Menschen Danke zu sagen. Die Dankkarte kann man auf dem Postweg mit einem Dank versenden. Auch kann man einen Dank an Gott schreiben und diesen in den dort aufgestellten Postkasten werfen.

Diese Dankeskarte haben Sie am Beginn der heutigen Messe bekommen und können Sie gerne mit nach Hause nehmen. Danke! Dank je wel, Shukran, gracias, merci, evcharistó, grazie, thank you, dziekuje, kösönöm, hvala, dekuji, obrigada…!

 „Aus dem Staunen entspringt der Dank“, sagt der große Theologe des 20. Jahrhunderts, Romano Guardini. Wenn wir in diesen Wochen der Pandemie das gelernt haben, dann haben wir das Wesentlichste unserer christlichen Spiritualität wiederentdeckt. Wir mussten jetzt auf vieles verzichten. Vielleicht hat uns das den Geschenkcharakter des Lebens wieder aufgezeigt. Letztlich ist uns alles geschenkt: jeder Tag, jeder Atemzug, jede solidarische Geste, jede Versöhnungsinitiative. Auch das hohe Gut der Gesundheit ist ein großes Geschenk. Das wurde uns in den letzten Wochen deutlich vor Augen geführt. Das lässt uns tief dankbar werden. Erst als kranke Menschen entdecken wir oft, wie selbstverständlich wir aufstehen, uns bewegen und dabei vergessen zu danken. Auch die Tatsache, dass wir jeden Tag auf dem Tisch genügend zu essen haben, dass wir in einer wunderbaren Schöpfung leben dürfen, sollte uns wieder mehr dankbar werden lassen. Im Dank bekommt das Leben eine neue Qualität. Ich möchte Sie einladen, beim Hinausgehen das Hirtenwort der österreichischen Bischöfe zum Pfingstfest 2020 mitzunehmen. Das erste Kapitel ist dem Geist der Dankbarkeit und der Demut gewidmet. Dabei schenken sie vielen Menschen, die in dieser Zeit der großen Krise die Infrastruktur unseres Landes aufrechterhalten haben, einen Blumenstrauß-Dankeschön.

Die kürzeste Formel des Christentums, sagt der Benediktiner und Bestsellerautor David Steindl-Rast, ist die Dankbarkeit. Dank fasst in kompaktester Form zusammen, was christliches Leben heißt. Dankbarkeit neigt vom Prinzip her zur Religiosität, zum Gebet.

Ein Weiser hat einmal gesagt: Je näher ein Betender zu Gott kommt, umso mehr wird er ein Dankender. Wir müssen wieder mehr Menschen des Dankes werden, sonst verkümmert unser Leben mit seinen Tagen und Jahren. Der Dank kennt nämlich eine Dimension, die wir nicht übersehen dürfen, die aber stets im täglichen Einerlei ins Vergessen gerät. Jeder Dank und wenn er noch so klein und unscheinbar ist, hat ein Echo im Himmel. Und deshalb sollte jedes Gebet, jede Klage, jedes Loblied enden mit dem Dank. Deshalb ist der Mittelpunkt aller christlichen Rituale und jeglicher Liturgie die Danksagung, die Eucharistie.

Wir feiern heute Fronleichnam – aus dem mittelhochdeutschen übersetzt: der Leib des Herrn.

Wir danken Gott für dieses große Geschenk der hl. Eucharistie, auf das wir jetzt solange verzichten mussten. Jesus schenkt sich uns in seinem Brot des Lebens. Er verschenkt sich selbst.

Wir danken und wir bitten Gott, dass er uns durch diese hl. Kommunion verwandelt in einen anderen Christus, der - wie er - als dankbarer und liebender Mensch ein wenig versucht, diese Welt der Gleichgültigkeit und des Egoismus zu verwandeln.

Deshalb lasset uns danken dem Herrn, unserem Gott! AMEN.

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