Datum: Mittwoch, 8. April 2020
Ort: Stift Wilten, Innsbruck

Liebe Freunde unseres Stiftes,

als kleiner Ministrant und auch dann als Mesner in meiner Heimatkirche in Völs konnte ich die heiligen Tage der Karwoche kaum erwarten. Ich war mit den Vorbereitungen so stark beschäftigt, dass mein Vater manchmal meinte, ich könnte doch gleich in der Kirche unten bleiben und dort übernachten. Die wunderbaren Rituale dieser Tage, die Gesänge, die Texte, die Einfachheit wie auch die Feierlichkeit, die vielen Symbole von Licht und Nacht, vom Leben und von der Auferstehung haben mich immer fasziniert. Auch dann als Priester und als Abt. Und so müssen wir in diesem Jahr aufgrund der Pandemie auf all diese Feiern verzichten. Etwas in unserem Menschenalter noch nie Dagewesenes!

Dieser Verzicht auf die höchsten Feiern im liturgischen Jahr könnte uns aber vielleicht noch besser auf das Wesentliche aufmerksam machen. Ich denke, dass all diese Rituale ganz wichtig sind für die Erfahrung der Heilsgeheimnisse Christi. Manchmal besteht aber auch die Gefahr, dass wir das Innerste, den innersten Punkt übersehen. Vielleicht möchte Gott uns jetzt wieder bewusst hinführen auf das, was wir da feiern.

So könnten wir einmal am Karfreitag den Kreuzweg beten – wenn möglich und wenn erlaubt auch zu einer Wallfahrtskirche in unserer Nähe. Vielleicht spüren wir im kleinen Kreis der Familie noch tiefer, was Jesus da auf sich genommen hat. Ich kann mir manchmal diese Schmerzen einer Geißelung oder Kreuzigung gar nicht vorstellen. Dabei werden dann unsere Schmerzen und Sorgen etwas kleiner, und wir werden dankbarer. Und es fällt uns leichter, zu verzeihen und Frieden zu stiften.

Aber vor allem in der Osternacht und am Ostersonntag kann uns die Erfahrung der Hauskirche öffnen für das große Geheimnis des Lebens, das Gott uns geschenkt hat: Wir werden direkt vor Ort – nämlich daheim - dankbar für das Geschenk der Ehe, das Geschenk der Kinder und Enkelkinder. Wir werden dankbar für die Gesundheit, dankbar für das Land, in dem wir leben dürfen, dankbar für die wunderbare Schöpfung Gottes. In diesen Tagen meiner Rekonvaleszenz durfte ich es erfahren: die Dankbarkeit für die ersten Sonnenstrahlen in unserem Garten, für das saftige Grün des Grases, die Gänseblümchen und die langsam sprossenden Bäume. Wir werden dankbar für alles, womit Gott uns beschenkt hat und vieles – so merken wir jetzt – müssen wir nicht haben. Zünden wir beim Ostermahl in der Familie unsere Osterkerze an, und danken wir dem Auferstandenen für sein großes Geschenk der Erlösung, für seine Verheißung, dass auch wir auferstehen dürfen – jetzt schon mitten im Leben, aber auch dann am Ende der Zeiten.

Seien wir gewiss! Auch wenn wir uns jetzt nicht treffen, keinen gemeinsamen Gottesdienst feiern können – der Auferstandene ist mitten unter uns, auch auf Entfernung. Er hat es uns versprochen.
In den Apostolischen Konstitutionen, der wichtigsten juristisch-liturgischen Sammlung der frühen Christenheit, heißt es: „Wenn es (wegen der Ungläubigen) nicht möglich ist, sich in einem Haus oder in einer Kirche zu versammeln, so soll jeder bei sich zuhause Psalmen singen und die Schrift lesen, vornehmlich zu zweit oder dritt, denn ‚wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!“ (Constitutiones Apostolicae, Lib. VIII 34, PG 1,1138). Und der lateinische Kirchenschriftsteller Tertullian schreibt in „De fuga in persecutione“ (Über die Flucht bei der Verfolgung): „Kannst Du an den einzelnen Versammlungen nicht teilnehmen? Für dich ist Kirche auch dort, wo ihr nur zu dritt seid.“ (Tertullian, De fuga, XIV, PL 2,142).
Wenn wir also jetzt aufgrund der Pandemie uns nicht in unseren Gotteshäusern versammeln können, dann seien wir uns sicher, dass der Auferstandene mitten unter uns in unserer Hauskirche, dass unser Beisammensein in der Familie Kirche ist.

Diese neue Erfahrung wünsche ich uns allen.
Ich wünsche uns viel Gesundheit und die Freude der Auferstehung!

Abt Raimund

Hier finden Sie die liturgischen Texte zu den Feiertagen

Gründonnerstag

Karfreitag

Karsamstag

Osternacht

Ostersonntag

Anrufung des Auferstandenen

 

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