Datum: Freitag, 27. März 2020

5. Sonntag der österlichen Bußzeit LJ A (29. März 2020)

Evangelium des Johannes 11, 1 - 45

In jener Zeit 

1  war ein Mann krank, Lázarus aus Betánien,
dem Dorf der Maria und ihrer Schwester Marta. 

2  Maria war jene, die den Herrn mit Öl gesalbt
und seine Füße mit ihren Haaren abgetrocknet hatte; 

deren Bruder Lázarus war krank. 

3  Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: 

Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank. 

4  Als Jesus das hörte,
sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. 

5  Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lázarus. 

6  Als er hörte, dass Lázarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.
7  Danach sagte er zu den Jüngern:
Lasst uns wieder nach Judäa gehen. 

8  Die Jünger sagten zu ihm:
Rabbi, eben noch suchten dich die Juden zu steinigen und du gehst wieder dorthin?

9  Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht; 10  wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist. 

11  So sprach er. 

Dann sagte er zu ihnen:
Lázarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken. 

12  Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden. 

13  Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf. 

14  Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lázarus ist gestorben. 15  Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen. 

16  Da sagte Thomas, genannt Dídymus – Zwilling –,  zu den anderen Jüngern:
Lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben! 

17  Als Jesus ankam,
fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen. 

18  Betánien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt. 

19  Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. 

20  Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen

Maria aber blieb im Haus sitzen. 

21  Marta sagte zu Jesus:
Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. 22  Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. 

23  Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. 

24  Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird 

bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. 

25  Jesus sagte zu ihr: 

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, 26  und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das

27  Marta sagte zu ihm:
Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. 

28  Nach diesen Worten ging sie weg,
rief heimlich ihre Schwester Maria
und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen. 

29  Als Maria das hörte,
stand sie sofort auf und ging zu ihm. 

30  Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte. 

31  Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen. 

32  Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: 

Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. 

33  Als Jesus sah, wie sie weinte 

und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. 

34  Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? 

Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! 

35  Da weinte Jesus. 

36  Die Juden sagten:
Seht, wie lieb er ihn hatte! 

37  Einige aber sagten:
Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? 

38  Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt
und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. 

39  Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. 

40  Jesus sagte zu ihr:
Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? 

41  Da nahmen sie den Stein weg. 

Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. 

42  Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. 

43  Nachdem er dies gesagt hatte,
rief er mit lauter Stimme: Lázarus, komm heraus! 

44  Da kam der Verstorbene heraus;
seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: 

Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen! 

 

45  Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

Anregung:

-       Ich lese allein – oder mit anderen – das Evangelium. Die dick gedruckten Wörter helfen dabei, Abschnitte besonders zu beachten.

 

-       Ich mache mich mit den handelnden Personen vertraut: 

Jesus – Marta – Maria – die Jünger – die Juden im Haus der Maria und Marta – Lazarus 

 

Ich achte auf ihre Fragen, Einwände, Sorgen ...

Ich achte auf ihre Gefühle ... welche sind mir vertraut?

 

 

 


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Liebe WeggefährInnen im Glauben,
 
 

Quarantäne.

Isolation.

Ausgangssperre.

Wie werden wir damit zurechtkommen?

 

In Seniorenheimen, in denen das Coronavirus aufgetreten ist dürfen Bewohner*innen als Schutzmaßnahme ihre Zimmer nicht mehr verlassen.

Kontakte mit Angehörigen oder SeelsorgerInnen sind nur telefonisch möglich.

 

Niemand weiß, wie lange die Corona-Epidemie dauern wird.

 

Sterbenskrank war er. Damals gab es kein Handy, um den Freund zu benachrichtigen.

Als er endlich eintraf war er schon vier Tage im Grab. Seine Schwestern und ihre Nachbarn

machten dem Freund Vorwürfe, warum er nicht früher gekommen sei. Denn er hätte ihren Bruder heilen können, glaubten sie.

Da weinten sie alle; auch der Freund. Doch bei ihm regte sich auch Wut und Zorn. Er lief zum Grab und brüllte

herzergreifend laut „Lazarus, kaum heraus aus dem Grab!“

 

Damals öffnete sich das tödliche Gefängnis und das Leben kehrte zurück.

Damals kamen viele zum Glauben, betont das Evangelium.

Sie hatten erfahren, dass GOTT den Tod besiegt.

 

Was werden wir in diesen schwierigen Zeiten erfahren?

Vielleicht Dankbarkeit, Achtsamkeit und neue Formen der Solidarität.

 

Bleiben wir miteinander verbunden und halten wir durch!

 

Das wünschen sich und Euch Albert du Petra Maria.




Einfach weiterdenken... 

Als Jesus ankam, fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen.

Die Zahl vier bedeutet „wirklich gestorben“. Für die vier steht im Hebräischen der Buchstabe „DALETH“; er gleicht einer „offenen Tür“. Dazu die Botschaft „Es gibt einen Ausgang, jetzt kann Neues beginnen!“

 

Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

Marta und Maria denken dasselbe. Vorwurf und Enttäuschung in einem. Andere sagten „hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?“

 

Einer der 99 Namen Gottes im Islam heißt „der Verweigernde“. In seiner Auslegung schreibt David Steindl-Rast „Wie oft haben wir im Nachhinein sehen können, wie gut es für uns war, dass uns verweigert wurde, was wir uns erhofften und worum wir beteten.“ (Tyrolia-Verlag, S. 46)

 

Jesus sah, wie Marta weinte ... Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lázarus ... da weinte Jesus ... war er im Innersten erregt und erschüttert ... brüllte (griechisch „ekraugase“) Jesus mit lauter Stimme: Lázarus, komm heraus!

Selten werden so viele Gefühle in einem Evangelientext benannt wie hier. Liebe, Zorn, Wut sind eng miteinander verknüpft. Sie sind Energien, die andere aus dem Gefängnis des Todes herausrufen können. 

Und Gefängnisse gibt es genug: Nicht nur die Ausgangsbeschränkungen und Isolationsmaßnahmen während der Corona-Epidemie; das Elend der Flüchtlinge zwischen der Türkei und Griechenland darf nicht vergessen werden. 

Dazu eine Nachricht aus Deutschland - Aus: Die ZEIT Nr. 13/2020 - über eine zornige Pfarrerin: Um Haltung ging es der evangelischen Pastorin Annette Behnken, als sie kürzlich ein provokantes Wort zum Sonntagsprach. Wie geht ein Christ damit um, dass Menschen in Griechenland ins Meer geprügelt und Kinder mit Tränengas beschossen werden? Das fragte Behnken die TV-Zuschauer am Abend des 7. März, nun ja, indirekt. Sie kleidete ihre Verzweiflung in, nun ja, sehr provokante Worte. Man müsse die „Parlamente stürmen, in denen Neofaschisten sitzen und uns in Schreckstarre verfallen lassen“, sagte Behnken. Ihre Meinung zu Europa? „Mit Verlaub, ich könnte kotzen.“ Vieles an Behnkes Ansprache war eine Überraschung: Das Vokabular ist weder kirchentypisch noch Hausgebrauch in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

 

Behnken ist mit Jesus am Grab des Lazarus in guter Gesellschaft.

 

Werden „wir“ trotz Corona-Virus noch „zornig“ genug bleiben, damit die „Flüchtlinge“ eine menschenwürdige Behandlung erfahren?

 

 

 

quarantäne

eingeschlossen

abgeschottet

eingewickelt und gebunden

isoliert und doch verbunden

jeden abend brennt die kerze

zieht ein netz sich übers land

und die unsichtbare macht der liebe

ruft auch dich zu neuem sein

anders freilich als bisher

steht ent-bindung uns bevor

haltet durch und habt vertrauen

öffnet herz und hirn und ohren

traut dem leben mehr denn je

hört nicht auf euch zu entrüsten

für die vielen in den lagern

denn gemeinsam kann’s gelingen

neues wird

es ist schon da

 

petra unterberger



 

  

 

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