Datum: Mittwoch, 5. August 2020

19. Sonntag im Jkr. A (7. August 2020)

Evangelium des Matthäus 14, 22 - 33

22  Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. 

23  Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort. 

24  Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. 

25  In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See. 

26  Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. 27  Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! 

28  Petrus erwiderte ihm und sagte: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme! 

29  Jesus sagte: Komm! 

Da stieg Petrus aus dem Boot
und kam über das Wasser zu Jesus. 30  Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich! 

31  Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? 

32  Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. 

33  Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du. 


 

Liebe Weggefährten im Glauben!

 

Das Evangelium des Matthäus erzählt von stürmischen Erfahrungen der Jesus Jünger*innen.

„Aus-gesetzt“ erleben sie sich, hin und her gerissen.

Für sie kommt die Rettung von Jesus.

ER begibt sich mitten in ihre Stürme und Ängste.

 

Immer noch und immer wieder wagen Menschen auf der Flucht lebensgefährliche

Bootsfahrten über das Mittelmeer.

Lampedusa ist einer der Hoffnungsorte, wo Leuteaus Afrika auf Rettung hoffen. 

Doch unendlich viele werden enttäuscht. Die Staaten der EU finden bislang keine menschenwürdige Lösung. 

Und Österreich verweigert sich auch. 

 

Doch da gibt auch mutige Leute*. 

Eine Initiative im Tiroler Außerfern findet

die Haltung Österreichs beschämend und fordert die Bundesregierung zum Umdenken auf.

Sie wollen erwirken, dass sich Österreich den 11 EU-Staaten anschließt, die bereit sind alleinstehende

Frauen mit Kindern und unbegleitete Minderjährige aufzunehmen. 

 

Möge diese Initiative zum politischen Umdenken beitragen!

 

Das wünschen Albert und Petra Maria.

 

 

 

 

Einfach zum weiterdenken... 

Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, drängte er die Jünger*innen, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren ... Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.

Welch ein Kontrast für die Jünger*Innen! 

Zuerst die erstaunliche Speisung der vielen, dann Gegenwind und hin und her geworfen von den Wellen, viele Kilometer vom sicheren Land entfernt. Auch die Gemeinde des Matthäus war der hellenistischen und römischen Umwelt ausgesetzt.

Was Matthäus mit äußeren Bildern beschreibt gibt es auch als innere seelische Erfahrungen: Manchmal zeigen sie sich Traumbildern, wenn Wellen und Stürme uns bedrohen.

„Aus-gesetzt-sein“ kann eine äußere und innere Lebenserfahrung sein.

Wo sind Menschen in der Welt „aus-gesetzt“?

Welchen Kräften und Umständen bin ich zurzeit selber „aus-gesetzt“? 

Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten.

„Geh ich zeitig in die Leere, komme ich aus der Leere voll.“  dichtete Bert Brecht. Nirgendwo beschreibt das Evangelium, wie Jesus gebetet hat. Er „setzte sich aus“ - dem Allein-sein, der Stille, der Nacht. Im „Allein-sein“ war es ihm möglich „All-eins-sein“ zu erfahren. Ob es ihm vielleicht in der dunklen Nacht ähnlich ergangen war wie den Jünger*innen auf dem stürmischen See? Möglich ist es. Beten ist mitunter auch eine stürmische Erfahrung. Doch dieses nächtliche Beten ließ Jesus auch „leicht“ werden.

In der vierten Nachtwache - kurz vor Sonnenaufgang - kam er zu ihnen; er ging auf dem See.

Jesus erlebte sich „getragen“ und „leicht“. So konnte ER sich dem Sturm „aus-setzen“.

Übrigens: Der auferweckte Jesus ist auch „leicht“. ER kommt durch verschlossene Türen. Dieses „Leicht-sein“ ereignet sich durch das Verbunden-sein mit GOTT/ dem Göttlichen.

Kenne ich selber das „Leicht-sein“?

Was „trägt mich“?

Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! 

Eine ungewohnte Begegnung versetzt die Jünger*innen in Angst. Sie schreien. Mit einem nächtlichen Sturm auf dem See hatten sie offensichtlich gerechnet. Mit dem Kommen von Jesus auf keinen Fall. Die Ähnlichkeit mit den österlichen Erfahrungen fällt auch hier auf. Gegen die Angst ist nur ein Kraut gewachsen - Vertrauen.

Petrus sagte: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme! 

Exemplarisch wagt einer auszusteigen und spürt zuerst getragen zu sein. Doch sobald er den Blick von Jesus los auf die Wellen lenkt droht er unterzugehen. Zum Glück ergreift ihn die rettende Hand*. 

Vertrauen und Bedrohung sind oft nah beieinander. 

Und als sie – Jesus und Petrus - ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.

Eine Gemeinschaft kann durch einzelne in Frieden kommen. Der „leicht gewordene“ Jesus und der „mutige“ und „Angst erfahrene“ Petrus beruhigen die Stürme – außen und innen.

 

erkennst du sie

die nackte angst

immer wieder neu verkleidet

bricht sie ein

ins gute leben

flackert auf in wut und zorn

oder zeigt sich

glanzvoll und heroisch

manchmal zitternd klein

und schmächtig

oder kontrollierend stark

die nackte angst

immer wieder neu verkleidet

bricht sie ein

immer wieder brüchig

mein vertrauen ins sein

 

petra unterberger

 

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