Heute, am Silvesterabend und morgen am 1. Tag im neuen Jahr wünschen wir uns gegenseitig ein frohes und glückliches Jahr. Wir wünschen uns viel Glück, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Symbolen, mit sogenannten Glücksbringern

• Sehr beliebt sind Marzipanschweine. Das Schwein gilt in europäischen Kulturen seit altersher als Symbol für Wohlstand, da nur die Reichen Fleisch und Fett zu essen hatten. Bei Wettbewerben im Mittelalter bekam der Letzte als Trostpreis ein Schwein. Er hatte damit das Glück „Schwein gehabt zu haben“ (siehe Titelseite des Liedblattes).

• Manchmal klebt am Schwein auch ein vierblättriges Kleeblatt. Ein weiterer Glücksbringer. Ein vierblättriges Kleeblatt ist wie das Glück etwas Außergewöhnliches. Man muss Glück haben, ein solches zu finden. Einer Legende zufolge nahm die biblische Eva ein vierblättriges Kleeblatt als Andenken aus dem Paradies mit. Der Besitzer des vierblättrigen Kleeblattes besitzt demnach ein Stück vom Paradies. Und Paradies wiederum ist Symbol für Glück, für ewige Freude.

• Auch der Schornsteinfeger bringt Glück. Denn es war früher eine Katastrophe für den Haushalt, wenn der Kamin verstopft war oder schlecht zog; da konnte dann das Essen nicht zubereitet werden und es wurde kalt im Haus.

• Und als letztes Beispiel das Hufeisen: Es ist das Schutzsymbol schlechthin. Da das Pferd von jeher als Symbol für Stärke und Kraft galt, war das Hufeisen, welches das Tier schützte, ebenfalls ein Glücksbringer. An einem Türbalken befestigt, soll es das Haus und den Hof beschützen. Und wenn der Teufel in Menschengestalt eintreten will, soll es ihm auf den Kopf fallen. Man sollte es mit der Öffnung nach oben aufhängen, damit das Glück nicht auslaufen kann. Ein nach rechts offenes Hufeisen stellt ein C für Christus dar. 

Auch Hubert, so erzählt ein Witz, hat über der Tür seines Hauses ein Hufeisen angebracht, damit es eben Glück bringen soll. Darauf spricht ihn der Pfarrer an: „Aber, Hubert, du bist doch nicht etwa abergläubisch?“ „Nein, natürlich nicht, aber man sagt doch, dass es auch dann hilft, wenn man nicht daran glaubt.“

Liebe Andächtige! Das alles mögen schöne und alte Symbole sein, die für das neue Jahr Glück verheißen. Aber wir Christen glauben, dass nur einer wirklich Glück in Fülle schenken kann, das ist Gott; das ist seine frohe, glückverheißende Botschaft – auf Griechisch eu-angellion = Frohbotschaft. 

Gerade im Neuen Testament erleben wir immer wieder Momente unendlicher Freude, einer Freude aus dem Glauben an die empfangene Botschaft Gottes. Die Freude ist ja die Sprache des Herzens und der Seele. Und was uns im Innern bewegt, das drückt sich aus in äußeren Bewegungen.

• Maria  eilte voller Freude über das Gebirge zu ihrer Base Elisabeth, als sie vom Engel die Botschaft erfahren hatte;

• Der von seiner Blindheit Geheilte lief zu den Menschen, um seine Freude hinaus zu schreien;

• Maria von Magdala war nicht mehr zu halten ob der Freude über die Begegnung mit dem Auferstandenen. 

In der Heiligen Schrift erfahren wir auch immer wieder, dass Gott unser Glück will; er will, dass wir Menschen Freude erleben. Dazu hat er uns seinen Sohn geschenkt, wie wir jetzt zu Weihnachten gefeiert haben, der uns dieses Glück anbietet in Begegnungen mit Menschen, mit der Natur, aber vor allem und in dichter Weise in den Sakramenten und durch sein Wort, das zu leben wir eingeladen sind. Voraussetzung ist, dass wir uns darauf einlassen: auf seinen Rat, auf seine Gebote, auf sein Liebesgebot. Der Apostel Paulus hat es in der heutigen Lesung in einem Tugendkatalog an die Gemeinde in Thessaloniki so zusammengefasst: „Haltet Frieden untereinander; nehmt euch der Schwachen an; habt mit allen Geduld; gebt acht, dass keiner dem anderen Böses mit Bösem vergelte, sondern tut Gutes! Freut euch zu jeder Zeit!“ (1 Thess 5,13-16). Andere Übersetzung: „Seid allezeit fröhlich!“

Seid allezeit fröhlich: Das und vor allem das möchte ich uns allen für das neue Jahr wünschen: Seid allezeit fröhlich! Denn fröhliche Menschen sind auch glückliche Menschen. Wie hat Papst Franziskus vor einiger Zeit gesagt: „Und dies ist das erste Wort, das ich euch sagen möchte: Freude! Seid niemals traurige Menschen; ein Christ darf das niemals sein!“. Wer von uns Menschen sehnt sich nicht nach Freude? Die Glücksbringer von Silvester sind Ausdruck dafür. 

Leider wird echte Freude in unserer Spaßgesellschaft verflacht und verfälscht. Unsere Wohlstandsgesellschaft ersetzt echte Freude mit vordergründigem Nur–Vergnügen und Lärm; sie muss sich immer neue Sensationen und Megaevents ausdenken. 

Das eigentliche Glück, die Freude im Vollsinn kann nicht gekauft, nicht organisiert, nicht gemanagt werden. Sie ist ein Geschenk.

Echte Freude hat zu tun mit Glück und nicht mit Befriedigung. 

Echte Freude dauert länger als nur ein paar Minuten oder Stunden. 

In der echten Freude lebt der Mensch „über sich hinaus“ und nicht „in sich hinein“.

Echte Freude ist erfüllte Zeit. Vergnügen vertreibt die Zeit.

Echte Freude macht der Dankbarkeit Platz. 

Vergnügen bietet Ablenkung; Freude motiviert. 

Liebe Schwestern und Brüder!

Der erlösende Gott will, dass wir Freude haben. Deshalb sagt Christus: „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird!“ (Joh 15,11). 

Aber diese Freude ist nur möglich, wenn wir in Gott sind. Echte Freude erwächst aus der Nähe Gottes. Denn Gott ist unsere Freude. „Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist unsere Stärke“ (Neh 8,10), heißt es im Buch Nehemia im Alten Testament. Oder wie Papst Franziskus am Sonntag Gaudete (übersetzt „Freuet euch“), also am dritten Adventsonntag gesagt hat: „Mit Jesus ist die Freude bei uns zu Hause“. Und Johann Sebastian Bach erinnert uns daran in seiner wunderbaren Kantate BWV 227: „Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu meine Zier.“ Deshalb möchte ich uns alle einladen zum täglichen Gebet, zum Meditieren der Heiligen Schrift, zu den Gottesdiensten, zu den heiligen Sakramenten. Denn nur in Gott, nur in dieser göttlichen Freude werden wir auch schwierige Momente im Leben bestehen können, werden wir inneren Frieden finden. 

Die Freude in Fülle gibt es jedoch auf dieser Welt noch nicht - nur bruchstückhaft. Aber sie möge so da sein und uns erfüllen als Präludium des ewigen Glücks und der ewigen Freude. In diesem Sinne wünsche ich ein fröhliches und glückliches Jahr des Herrn 2015! So sei es! 

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