Liebe Andächtige!

In diesem „Jahr der Orden“ (vgl. Kerze aus Wien) ist einer der Höhepunkte der von uns heute gefeierte „Tag des geweihten Lebens“. Johannes Paul II. hatte diesen Tag am Fest der Darstellung des Herrn im Tempel zu Jerusalem im Jahre 1997 eingeführt. Seitdem treffen wir uns jedes Jahr zu einer feierlichen Vesper, zum Austausch und zum gemeinsamen Feiern. Es freut mich, dass heute nicht nur Männer und Frauen aus den vielen Ordensgemeinschaften, aus den Säkularinstituten, den Ritterorden wie aus den spirituellen Bewegungen zu dieser feierlichen Vesper gekommen sind, sondern auch viele Christen, die um die Bedeutung des geweihten Lebens wissen und es wertschätzen.

Dieser Tag wie auch dieses „Jahr der Orden“ sind ein wunderbarer Anlass, dass wir Menschen des geweihten Lebens nachdenken, ob unser Leben dem Evangelium, den evangelischen Räten, dem Charisma unseres Ordensgründers entspricht. Dazu empfehle ich das Sonderheft von der Ordenskorrespondenz zum „Jahr der Orden“ mit den beiden Schreiben von der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und die Gesellschaften apostolischen Lebens, nämlich „Rallegratevi – Freut Euch“ und „Scrutate – Erforscht!“)

Gleichzeitig ist dieses „Jahr der Orden“ ein guter Anlass, zwar nicht mit lauten und schreienden Kampagnen, sondern eher leise auf unsere Präsenz aufmerksam zu machen, um auch junge Mädchen und Burschen einzuladen, sich auf ein geweihtes Leben einzulassen. Wir müssen uns nicht verstecken. Es gibt immerhin über 900.000 Ordensleute weltweit. Davon in Österreich etwa 3.900 Ordensfrauen und 1.950 Ordensmänner sowie zehn Säkularinstitute, die als kontemplative oder aktive Christen mitten in der Welt leben. Durch all diese Gemeinschaften leuchtet das Licht der Gegenwart Gottes. 

Brauchen wir heute noch Menschen des geweihten Lebens in einer Welt der vielen Sicherheiten, in einer Welt, in der der Mensch alle Macht an sich gerissen hat und glaubt, alles selber machen zu können, in einer Welt des religiösen Desinteresses, der Gottlosigkeit, der übertriebenen Individualisierung, in der jeder seinen eigenen Glauben bastelt? 

Ich denke, dass unsere Klöster und Gemeinschaften mehr denn je eine ganz wichtige Rolle haben in dieser unserer Gesellschaft. Denn trotz allem ist und bleibt auch der Mensch von heute ein Suchender. 

• Er sucht mystische, gottverbundene Menschen, die durch ihr Dasein prophetischer Hinweis sind auf die Transzendenz, die durch ihr Leben einen Gott verkünden, der Glück, Heilung und Rettung bringt. Menschen des geweihten Lebens sind so etwas wie Spezialisten Gottes, deren Reichtum Gott ist, bei denen Menschen wieder das Beten lernen können, das Vertrauen und die Hoffnung finden auf einen Erlösergott in vielen dunklen Stunden der persönlichen Krise. 

• Menschen suchen Gottgeweihte, bei denen sie Stille erfahren und in dieser Stille die Gegenwart Gottes. Gerade solche, die für einige Tage in einem Kloster eine Auszeit suchen, brauchen nicht den Tratsch und die Selbstdarstellung, sondern suchen Gott in der Stille. 

• Weiters suchen Menschen Orte, wo sie gehört werden; Ordensleute, die zunächst einmal zuhören, Orte, wo sie sprechen, wo sie sich aussprechen können, in den Dialog treten. Deshalb wird eine rote Couch, die heute auf dem Stiftsplatz steht, in den nächsten Wochen und Monaten auf Tournee gehen, landauf landab, an allen möglichen und unmöglichen Orten, als Symbol, dass wir bereit sind für den Dialog, dass wir bereit sind auch Antworten zu geben. Menschen suchen Ordensleute, bei denen sie ihre seelischen Probleme abladen können, wo sie wissen, dass ihre Anliegen nach oben geschickt werden, in das Herz des himmlischen Vaters. Wie oft erlebe ich Kirchenferne, die sehr dankbar sind, wenn ich ihnen mein Gebet in ihren schwierigen Anliegen verspreche. 

• Menschen suchen Ordensleute, bei denen sie anklopfen dürfen und wissen, dass wir mit ihnen das Brot teilen. 

• Menschen suchen Ordensgemeinschaften, Gemeinschaften des geistlichen Lebens, bei denen sie erfahren und spüren, hier leben Frauen, dort Männer zusammen, die aufeinander Rücksicht nehmen, die einander respektieren, gern haben, die alles teilen, die einander verzeihen und nichts nachtragen, deren Gemeinschaftsleben im Evangelium eingetaucht ist. 

• Menschen suchen gottgeweihte Menschen, die ihr Leben hingeben für andere: die nicht auf die Uhr schauen, sondern immer da sind für Menschen in Not, für orientierungslose Jugendliche: Nachdem wir heute das Fest des hl. Don Bosco feiern, darf ich an dieser Stelle wenigstens auf einen Orden konkret hinweisen, nämlich auf die Salesianer. Gesucht werden Menschen, die ihr Leben hingeben, indem sie viel Zeit investieren für Kranke, Leidende und Sterbende und nicht nach zwei Minuten wieder gehen müssen, weil ihre Arbeitszeit zu Ende ist. 

Das alles und vieles andere mehr erwartet die Welt von heute von uns Ordenschristen. Ein solches Leben ist attraktiv und strahlt aus. 

Was aber die Menschen neben der Liebe und Hingabe am meisten fasziniert wie auch suchen– das sagt uns Papst Franziskus fast bei jeder seiner Ansprachen: das ist die FREUDE: „Ich wollte euch ein Wort mitgeben und dieses Wort ist Freude. Überall, wo es gottgeweihte Menschen gibt, herrscht immer Freude!“, so Papst Franziskus in der Ansprache bei einer Begegnung der italienischen Säkularinstitute. Und in seinem großartigen Apostolischen Schreiben evangelii gaudium (Die Freude des Evangeliums) kommt das Wort Freude sehr oft vor.

Aber diese echte Freude – ich meine nicht das oberflächliche Vergnügen und Amüsement - ist nur möglich, wenn wir ganz in Gott verwurzelt sind. Echte Freude erwächst aus der Nähe Gottes. Denn Gott ist unsere Freude. „Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist unsere Stärke“ (Neh 8,10), heißt es im Buch Nehemia im Alten Testament. Oder wie Papst Franziskus am Sonntag Gaudete, also am 3. Adventsonntag gesagt hat: „Mit Jesus ist die Freude bei uns zu Hause.“ Nur in Gott, nur in dieser göttlichen Freude werden wir auch schwierige Momente im Leben bestehen können, werden wir inneren und äußeren Frieden haben. 

Verehrte Ordensleute, liebe Frauen und Männer des geweihten Lebens, liebe Mitchristen!

Gibt es in unseren Konventen, in unseren Gemeinschaften die Freude, ich meine die echte Freude? Ich weiß, dass es viele Sorgen gibt, überalterte, sterbende Klöster, viele Probleme, kranke und psychisch belastete Mitschwestern und Mitbrüder. Aber egal wie groß, egal wie alt unsere Gemeinschaften sind: Wenn Christus in unserer Mitte ist, dann ist auch die Freude unter uns. Dann werden unsere Gemeinschaften die eindrücklichsten Predigten sein für unsere Nachbarn, für unsere Gemeinden, für alle, die zu uns kommen, für viele Menschen, die auf der Suche sind nach der Freude, nach einem erfüllten Leben.

Chiara Lubich, die Gründerin und langjährige Präsidentin der Fokolarbewegung, deren Seligsprechungsprozess vergangenen Dienstag eröffnet wurde, hat einmal sehr poetisch gesagt: „Die Freude des Christen gleicht einem Sonnenstrahl, der auf einer Träne erglänzt, einer Rose, die blutrot auf steinigem Grund erblüht; sie ist die Essenz der Liebe, destilliert aus dem Schmerz. Deshalb ist sie eine einzigartige, übernatürliche Freude, die unwillkürlich anzieht; es ist, als reiße der Himmel auf.“ 

Möge der Himmel auf die Erde, auf unsere Gemeinschaften und Konvente herabsteigen. Dann können wir einstimmen in das Präludium der ewigen Freude in der Ewigkeit. Amen. 

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