Abt Raimund bei der Predigt in der Jesuitenkirche

Liebe Andächtige!

Die Sommermonate und die Urlaubszeit sind Zeiten im Leben, in denen wir uns mit allen Sinnen nach dem vielen Schönen in dieser Welt ausstrecken. Da haben wir mehr als sonst wirklich Zeit, unserem Bedürfnis nach Schönheit und Harmonie nachzugehen.

Die Sehnsucht nach Schönem liegt tief im Menschenherzen verborgen. Und deshalb dürfen wir immer, aber besonders eben in diesen kostbaren Auszeiten das Leben leben, weil uns das Schöne geschenkt ist.

 Wir dürfen auch schöne Feste erleben so wie heute: Die Schönheit einer feierlichen Liturgie, wunderschöne sakrale Musik, den Duft und die Schönheit von Kräutern, schöne Trachten und Gewänder, auch schönes Wetter, einen schön gestalteten Festakt in der Hofburg.

 All diese Schönheiten lassen uns hier auf Erden ein Stück Himmel erfahren, lassen uns glücklich werden. Nicht umsonst haben besonders die Menschen des Barock Kirchen gebaut mit strahlendem Gold, mit singenden Engeln, mit Bildern und Fresken, deren Farben heute noch aufleuchten wie damals. Sie wollten nach einer Woche härtester Arbeit am Sonntag oder am Feiertag ein Stück Himmel erfahren. Deshalb all dieser Prunk und diese Schönheit, die uns Menschen hineinschauen lässt in den Himmel.

Wenn Sie in den Prunkräumen der Hofburg die Ausstellung „Das Letzte im Leben“ anlässlich des 250-Jahr-Gedenkens des Todes von Kaiser Franz Stephan besuchen, dann finden Sie dort genau diese barock-tirolerischen Vorstellungen von dem, was nach dem „Letzten im Leben“ kommt: „Ein Himmel voll Freude und Licht!“

Wenn wir heute die Aufnahme Mariens in den Himmel feiern, dann lässt auch Maria uns hineinschauen in den Himmel, wo uns ewiges Glück und ewige Schönheit erwarten. Deshalb wird Maria, die als erster Mensch mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, besungen als die „wunderschön prächtige“, wie wir gleich bei der Gabenbereitung singen werden; „du Schönste aller Frauen“ – heißt es in vielen Marienliedern; oder ich denke an eine zutiefst himmlisch klingende Motette von Anton Bruckner „Tota pulchra es Maria“ – „Ganz schön bist du Maria“.

Was macht die Schönheit Mariens aus?

Papst Franziskus schreibt in seiner letzten Enzyklika „Laudato si“ im Artikel 241 über Maria: „In den Himmel erhoben, ist sie Mutter und Königin der ganzen Schöpfung. In ihrem verherrlichten Leib, vereint mit dem auferstandenen Christus, hat ein Teil der Schöpfung die ganze Fülle ihrer Schönheit erreicht. … Darum können wir sie bitten, dass sie uns hilft, diese Welt mit weiseren Augen zu betrachten.“

Im biblischen Kontext meint Schönheit vor allem die innere Schönheit eines Menschen, so wie der Prophet Samuel über David sagt, den er im Auftrag Gottes salben soll: „Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz“ (1 Sam 16,7).

Bei einer Erscheinung in Medjegorje soll Maria gesagt haben: „Ich bin schön, weil ich liebe.“Das macht ihre Schönheit aus: ihre Liebe.

Darin liegt auch die Schönheit der Kirche: in der Nächstenliebe, lateinisch caritas, in der Aufmerksamkeit auf den Hunger und Durst der Menschen. Gerade in diesen Wochen erleben wir geradezu eine riesige Völkerwanderung. Diese Menschen, die ihr Zuhause verlassen mussten, sind meist Entwurzelte, Rechtlose, materiell Arme, von den Narben des Krieges Gezeichnete. Deshalb findet die Caritas-Sommersammlung 2015 rund um den Hohen Frauentag unter dem Motto statt: „Zukunft ohne Hunger“. Die Kirche wird und ist schön, wenn sie sich zur Anwältin dieser Flüchtlinge, dieser von Hunger und Armut bedrohten Menschen macht, wenn sie Nächstenliebe übt. 

Auch unser Land Tirol ist ein wunderschönes Land. Herr Landeshauptmann hat vor kurzem gesagt: „Tirol ist ein Traum!“ Wir dürfen hier in einem Stück Paradies auf Erden leben. Aber es ist schön auch deshalb, weil es schöne Menschen gibt, vor allem innerlich schöne, weil sie sich einsetzen für einen Verein, für ein Dorf, für eine Pfarre, für NGOs, für Menschen in Lebensgefahr. An der inneren Schönheit dieser Menschen dürfen wir uns heute erfreuen, ihnen danken und sie ehren.

Liebe Andächtige!

Erfreuen wir uns an der Schönheit von allem, was uns umgibt. Sie ist ein Vorgeschmack der ewigen Schönheit des Himmels, auf den uns das heutige wunderschöne Marienfest hinweist. Amen.

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