Während der Adventzeit haben unsere jungen Mitbrüder – im kleinen Speisesaal Adventkalender aufgehängt und jeden Tag ein Türchen geöffnet. Dahinter gab es meist eine Süßigkeit. Man merkt, auch Kleriker bleiben Kinder Gottes. 

Vom Türenöffnen ist gerade in der Adventzeit oft die Rede. Da singen wir das berühmte Adventlied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, oder wir beten häufig den Psalm 24„Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch, ihr uralten Pforten; denn es kommt der König der Herrlichkeit“. Und dann gibt es in unserem Alpenraum den beliebten Brauch des Anklöpfelns: eine Gruppe von Sängern klopft an die Türen der Häuser und singt adventliche Weisen – eine Erinnerung an die Herbergssuche von Josef und Maria. 

À propos Haustüre: Auch die werden oft geschmückt mit Tannenzweigen, Adventkränzen, mit weihnachtlichem Dekor. Damit wird die Bereitschaft zum Empfang und die Gastlichkeit besonders hervorgehoben: ein zeichenhaftes „Herzlich willkommen“

 

Auch der Papst hat anlässlich des außerordentlichen Jubeljahres ein besonderes Tor geöffnet: die heilige Pforte im Petersdom in Rom. Und er hat eingeladen, auch in den Diözesen Tore von besonderen Kirchen als heilige Pforten für dieses „Jahr der Barmherzigkeit“ zu öffnen.

Tore hatten schon im alten Orient eine große Bedeutung. Sie waren zum Schutz vor räuberischen Überfällen möglichst schmal und niedrig gehalten. Tore sind ja die verwundbarsten Punkte der Stadt. Man öffnet zurückhaltend. Man ist in Abwehrstellung. Die Zeiten waren ungut, unsicher, gewalttätig.

Heute noch sind Türen wichtig für die Sicherheit der Bewohner, für die Abgrenzung zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre. Offene Türen bedeuten „willkommen“ und geschlossene Türen sagen, dass niemand zu Hause ist oder eben Gäste nicht willkommen sind.

Auch viele sprichwörtliche Redensarten haben die Tür zum Thema:

„Sich eine Tür offen halten…“: sich einen Ausweg sichern.

„Jemandem stehen alle Türen offen“: Er wird überall gern gesehen, hat einzigartige Verbindungen.

„Hinter verschlossenen Türen“: geheim, unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandeln.

 „Jemandem die Tür vor der Nase zuschlagen“: Jemanden grob, unhöflich abweisen. 

„Vor der eigenen Tür kehren“: Zunächst einmal die eigenen Angelegenheiten in Ordnung bringen. 

„Zwischen Tür und Angel“ wird schnell etwas vereinbart, besprochen.

Die Türen haben also für unser Leben eine große Bedeutung.

In der Heiligen Schrift kommt die Metapher „Tür“ oder „Tor“ etwa 650mal vor. So mahnt vor allem das Neue Testament zur Umkehr, um nicht einmal endgültig vor einer geschlossenen Türe stehen zu müssen. Und diese Tür zur Wohnstätte Gottes wird als sehr eng beschrieben. Den Zugang zu ihr vermittelt allein JESUS CHRISTUS, der von sich selber sagt: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden…“ (Joh 10,9). Christus also ist die Tür zum „Leben in Fülle“, wie Johannes sagt. Und der Auferstandene, der außerhalb des Stadttores gekreuzigt wurde, geht durch verschlossene Türen hindurch, um sich als Lebendiger zu zeigen.

Wenn wir heute Nacht und in der kommenden Weihnachtszeit öfters Krippendarstellungen betrachten und anschauen, dann sehen wir im Zentrum jeder Krippe die Grotte mit Maria, dem Jesuskind, mit Josef, mit Ochs und Esel. Aber es gibt keine Türe. 

Eine Grotte hat keine Türe. Sie ist offen. Hier können alle hineingehen; alle sind willkommen: ob arm oder reich, ob aus Nah oder Fern, ob schlicht oder weise, ob weiß oder schwarz. Die eigentliche Tür ist das Kind in der Krippe, das dann als Erwachsener sagen wird: „Ich bin die Tür“. Wenn du zu mir kommst, dann werde ich dir den Weg zu einem glücklichen und erfüllten Leben weisen; ich werde dir Orientierung geben und dir helfen, dass auch du die Türen deines Herzens öffnest für Menschen, die zu dir kommen, weil sie von dir Hilfe brauchen, Trost, einen guten Rat. Und du wirst entdecken, dass jeder Mensch eine Tür ist, bei dem wir anklopfen dürfen.

Eine wahre Weihnachtsgeschichte, die mir Brigitte in einem E-Mail erzählt hat, zeigt die Konkretheit von offenen Türen: 

Ich habe meine persönliche Weihnachtsgeschichte heuer bereits erlebt. Ich engagiere mich als Freiwillige in einem Männer-Flüchtlingsheim mit ca. 350 Bewohnern. Dieses Heim dient als erste Anlaufstelle und Puffer, bis eine bessere Unterkunft zur Verfügung gestellt werden kann. Unlängst erhielten wir vom Stift Wilten eine Großspende für neue Winterschuhe. Natürlich Riesenandrang bei der Kleiderkammer. Ein junger Syrer stand in der Schlange und hat mir - weil viersprachig - seine Hilfe angeboten. Nach einigen Stunden gemeinsamer Arbeit machten wir Pause und ich fragte ihn, was er aus der Kleiderkammer benötigt, schließlich ist er ja selbst auch angestanden.
Er sagte mir, er verzichtet auf seine neuen Winterschuhe, hätte aber trotzdem gerne welche in Gr. 45. Auf meine Frage, wofür er die Schuhe denn benötigt, erzählte er mir, er hätte einen Obdachlosen hier in Innsbruck kennengelernt und diesem würde er gerne Winterschuhe bringen. Ich wäre gerne dabei gewesen, wenn ein 20jähriger syrischer Flüchtling, der selbst sehr wenig hat, einem einheimischen Obdachlosen, der noch weniger besitzt, Schuhe schenkt.

Liebe Andächtige!

So kann jeder Mensch zur offenen Tür werden für die anderen - wie das Kind in der Krippe. Öffnen wir gerade in dieser Nacht die Türen unserer Herzen, damit Christus bei uns einziehen kann. Dann werden wir auch offen sein für den Nächsten. Deshalb die große Bitte dieser hl. Nacht, wie wir es auch in einem Weihnachtslied singen: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist“. So sei es!

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