Requiem für Altbürgermeister Romuald Niescher

Zwei große Persönlichkeiten:
Johann Baptist Fenner von Fennberg und Raul Niescher

Liebe Trauergemeinde,

Bei der Renovierung unserer Stiftskirche in den Jahren 2005-2008 haben wir bei den archäologischen Ausgrabungen hier in der Nähe des Johannesaltars das Grab eines Ehepaares entdeckt. Ihre Namen sind jetzt in einer Bodenplatte eingeschrieben: Es ist dies Johann Baptist Fenner von Fennberg und seine Frau Anna Katharina. Beide sterben innerhalb einer Woche im Jahre 1743.

Hier finde ich die erste Parallele zu unserem heimgegangenen Raul Niescher: Zwar nicht innerhalb einer Woche, aber nach nur zwei Monaten folgt er seiner so geliebten Frau Trude nach.

Das Ehepaar Fenner von Fennberg hatte eine ganz tiefe Beziehung zum Stift Wilten: Ihr einziger Sohn Thomas wird Chorherr bei den Prämonstratensern hier in Wilten. Und die Eltern Fenner sind ganz große Gönner und Stifter und beschenken ihren Sohn und damit das Stift mit gottesdienstlichen Gewändern, mit Kelchen und einer ganz großen Monstranz.

Auch Raul hatte eine tiefe Beziehung zum Stift Wilten: Er hatte hier zwar keinen Sohn, aber zwei Schwäger, zwei Brüder seiner Frau Trude, die als Prämonstratenser gewirkt haben: einer ist schon gestorben, Herr Bernhard, und einer lebt noch, Herr Friedrich im hohen Alter von 90 Jahren. Und hier in dieser Stiftskirche haben Raul und Trude geheiratet und auch ihre Hochzeitsjubiläen gefeiert.

Auch Raul hat seine Familie alles bedeutet. Sein großes und sehr kostbares Geschenk war trotz seiner Fülle von Aufgaben und Verpflichtungen die Zeit, die er seiner Familie gewidmet hat. So ist er nahezu jeden Tag mittags nach Hause gefahren, um mit seiner Frau und seinen Kindern Romuald, Matthias und Barbara das Mittagessen einzunehmen, um wenigstens kurz bei seinen Kindern zu sein. Auch schwärmen seine Kinder und Enkel heute noch von den Urlauben, vom Bergwandern und vom lustigen und immer humorvollen Beisammensein mit ihrem Vater und Opa. 

Und eine weitere Parallele: Fenner von Fennberg war sehr religiös.

Johann Baptist wollte eigentlich bei den Jesuiten eintreten. Aber die haben ihn nicht genommen, weil er den Wein nicht vertragen hat. Sie haben richtig gehört: Weil er den Wein nicht vertragen hat, konnte er auch nicht die hl. Messe zelebrieren. Das war sicher keine Parallele zu Raul. Dann wollte Johann Baptist Laienbruder werden. Aber die Jesuiten haben gemeint: er sei sehr intelligent: also solle er studieren gehen und einen anständigen Beruf ergreifen. Er hat Jus studiert und wurde später Salinendirektor und dann auch – wir würden heute sagen – Landesforstdirektor - für ganz Tirol. Damit ist er in alle Täler unseres Landes gekommen und musste zu seinem Erschrecken feststellen, dass die Tiroler Bevölkerung damals kaum ein Gebet konnte, kein Vaterunser und kein Ave Maria, ja dass das Glaubenswissen so gut wie verloren war. Daraufhin hat Fenner von Fennberg mit seinem eigenen Geld wie auch mit Hilfe des Brixner Bischofs und des Kaisers in Wien Volksmissionare bei den Jesuiten gesucht, die das ganze Land über Jahrzehnte missioniert und vor allem die Herz-Jesu-Frömmigkeit verbreitet haben. Fenner von Fennberg hat also als Ehemann und als verantwortungsbewusster Laie und in der Funktion eines öffentlichen Amtes versucht, unser Land wieder zu christianisieren.

Unser lieber Altbürgermeister und in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens äußerst engagierter Politiker Raul hat sein Christsein öffentlich bekannt und bezeugt. Als eloquenter Redner, als Moderator von Diskussionen, in denen er einerseits gut zuhörte und auf die Argumente der anderen einging, hat er mit Überzeugung und auch mit einer Portion Humor die christliche Botschaft verkündet. Die religio, über die Xerxes vor allem bei den Verbindungen gesprochen hat, war Teil seines Lebens, angefangen vom regelmäßigen Sonntagsbesuch der hl. Messe mit seiner Familie bis zum Tischgebet bei offiziellen Festtafeln.

Sein politisches und gesellschaftliches Engagement – eines seiner Lieblingsworte, über die seine Kinder heute noch schmunzeln – sein leidenschaftliches, verbindliches und innovatives Eintreten für viele Institutionen, Verbände, Vereinigungen und Verbindungen werden Berufenere noch berichten.

Romuald Niescher war ein Mann von Kultur und Stil, von Lebensfreude und Energie, von Kreativität und Überraschungen, von glaubwürdiger Religiosität. Er war vielen Menschen gegenüber herzlich, sehr persönlich und zugleich eine politische Person, die Innsbruck verkörpert hat.

„Selig die Toten, die im Herrn sterben, von jetzt an; ja spricht der Geist, sie sollen ausruhen von ihren Mühen; denn ihre Werke begleiten sie“ (Offb 14,13). Dieses Wort aus der Geheimen Offenbarung des Johannes, die wir in der Lesung gehört haben, wünsche ich unserem lieben heimgegangenen Raul: Er möge jetzt bei Gott ausruhen dürfen von seinen vielen Mühen, seinem unbeschreiblichen Einsatz für die Familie, für unsere Stadt wie für viele Menschen dieses Landes. Seine Werke werden ihn begleiten.

Und so kommt uns, wie bei jedem Sterben und bei jedem Begräbnis die Frage: Was wird nachher sein? Gibt es eine Auferstehung oder ist dieses Leben mit dem Tod zu Ende?

Viele Menschen haben heute Angst vor dem Tod und sie verbannen ihn in die Keller der Krankenhäuser. Der Psychologe C.G. Jung sagt einmal: Ob es ein Leben nach dem Tod gibt, kann ich als Psychologe nicht wissen. Aber als Psychologe weiß ich um die Weisheit der Seele. Und die Weisheit der Seele weiß um ein Leben nach dem Tod. Als Psychologe aber ist es mir klar, dass es gut ist, auf die Weisheit der Seele zu horchen. Denn wenn ich gegen die Weisheit der Seele lebe, dann werde ich ruhelos und rastlos und neurotisch. Also ist es zumindest gesund, an ein Leben nach dem Tod zu glauben. Und ich setze auf diese Karte. Ich traue den Aussagen Jesu. Und ich traue seiner Zusage an den Schächer: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein“ (Lk 23,43).

Liebe Trauergemeinde! Wir verabschieden uns von einer großen Persönlichkeit und von einem überzeugten und praktizierenden Christen. Sein Leben ist ein ganz deutlicher Hinweis auf eine Auferstehung. Denn Raul wusste: Bei aller Schönheit und allem Glück dieses Lebens, das auf dieser Erde nie vollkommen sein wird, gibt es ein Leben nach dem Tod in ewigem Glück, in der ewigen Geborgenheit Gottes, die wir ihm von Herzen wünschen und erbitten. Möge Christus auch zu ihm sagen: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein! Amen. 

Abt Raimund Schreier OPraem

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