Liebe Mitbrüder,

verehrte Mutter, Frau Voracek, liebe Verwandte und Freunde unseres Kandidaten Vitus, liebe MitarbeiterInnen,

Schwestern und Brüder, lieber Vitus!

„Maria“, sagt Jesus nach seiner Auferstehung zu Maria Magdalena  (Joh 20,11-18). Dieses eine Wort, das von Herzen kommt und zu Herzen geht. Das ist alles. Keine Belehrung, keine feierliche Erklärung in Sachen Auferstehung, schon gar nicht ein Appell, sondern ganz einfach: „Maria“, du, dich rufe ich beim Namen, du bist mein. Da gehen ihr die Augen auf. Sie ist gefunden von dem, den sie sucht. So wird Ostern, so geschieht Auferstehung. Ein wunderbares Beispiel für viele biblische Geschichten, in denen der Name eine ganz große Rolle spielt – gerade für uns Prämonstratenser, die wir ja ein österlicher Orden sind, in weiß gekleidet – wie die Engel in weißen, leuchtenden Gewändern, die den Auferstandenen verkünden.

Was den Namen betrifft, so finden wir die Schlüsselszene im Buch Exodus: Mose begegnet Jahwe im brennenden Dornbusch. Und Gott sendet ihn zum Pharao, um sein geknechtetes Volk Israel aus Ägypten zu befreien. Mose fragt: „Wenn ich zu den Israeliten komme und ihnen sage: Der Gott eurer Vorfahren hat mich zu euch gesandt, und sie sagen zu mir: Was ist sein Name?, was soll ich ihnen dann sagen? Da sprach Gott zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und er sprach: So sollst du zu den Israeliten sprechen: Ich-werde-sein hat mich zu euch gesandt“ (Ex 3,13f). „Ich werde sein, der ich sein werde“, ist der Name Gottes, jener Name, der von den jüdischen Menschen aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen wird. Der hebräische Wortlaut dieses Namens kann ganz verschieden übersetzt werden und damit unterschiedliche Bedeutungen haben, also nicht nur „Ich werde sein, der ich sein werde“, sondern auch „Ich bin da, der ich da bin“. Es ist der Gott, der für sein Volk ganz da ist, der es befreit und es begleitet. 

Auch wir haben bei der Taufe einen Namen bekommen, der – wenn möglich – auch Lebensprogramm sein kann, dessen Patron uns Vorbild ist und durch unser Leben führt. Früher konnte man sich auch bei der heiligen Firmung einen Namen aussuchen. Und es ist ein schöner und sinnvoller Brauch, beim Eintritt in einen Orden einen neuen Namen zu wählen, der auch die Besonderheit dieses neuen Schrittes zum Ausdruck bringt.

Lieber Vitus!

Bei uns ist es Tradition, dass der Kandidat dem Abt drei Namen vorlegt, der dann einen davon aussucht – oder auch nicht. Sie haben mir sogar vier Namen von Heiligen vorgeschlagen, deren Lebenszeugnisse in Ihrer Biographie eine große Rolle spielen. 

Diese vier großen Heiligen sind auch Vorbilder für unser prämonstratensisches Leitbild:

  1. Da ist die Missio, die Actio. Gerade der hl.Vitus war hier starker Zeuge, der sich geweigert hat, vom Christentum abzulassen und sich immer als Christ bekannt hat. Die Evangelisierung, unser persönliches Zeugnis wird in einer säkularen Gesellschaft immer notwendiger.
  2. Communio: Das ist jegliches Bemühen um Gemeinschaft, um ein gutes und friedliches Miteinander, um gewaltlose Kommunikation. Kaiser Karl I. hat sich darum bemüht oder auch ein hl. Wenzeslaus. Es ist und bleibt unser tägliches Bemühen: Nicht unser Ich durchsetzen zu wollen, sondern das, was der ganzen Gemeinschaft dient, was allen dient. Erst dann gibt es Frieden und gibt es in den eigenen Herzen Zufriedenheit.
  3. Caritas: Die Nächstenliebe, die Hingabe an die anderen: hier wird vor allem der hl. Aloisius Ihr großes Vorbild bleiben, der nicht auf seine eigenen Vorteile geschaut hat, sondern auf das, was die anderen brauchen. Auch Wenzeslaus hat alles getan, damit Unschuldige verschont bleiben. Gerade dieses gegenseitige Helfen in einer Kommunität haben Sie als Grund angegeben, sich unserer Prämonstratensergemeinschaft anzuschließen.
  4. Die Martyría, die Hingabe an die anderen. Das zeigt uns der Märtyrer Wenzeslaus. Das Urbild jeglicher Hingabe ist aber Christus am Kreuz. Das Kreuz war der erste Altar, an dem Christus sein Leben gegeben hat für andere – so Papst Franziskus. Und dazu gehört auch die Contemplatio, dazu gehört das Gebet, das Chorgebet, die Feier der heiligen Eucharistie, die gerade uns Prämonstratensern aufgetragen ist, so feierlich als möglich zu begehen.

Diese vier großen Heiligen werden Ihre Vorbilder bleiben – ganz besonders jetzt im beginnenden Noviziat, in dem Sie sich einüben in ein Prämonstratenserleben, in ein Leben der Hingabe und Nächstenliebe, in ein Leben des Zeugnisgebens, in ein Leben der Gemeinschaft, in ein Leben des Gebetes.

Eigentlich müssten Sie alle vier Namen bekommen. Den ersten haben Sie ja bereits, den Taufnamen. Nachdem das aber zu lang dauern würde, wenn wir Sie jedes Mal mit allen vier Namen rufen müssten, habe ich nur einen Namen ausgewählt.

So wünsche ich Ihnen die Gaben des Heiligen Geistes, die Sie in Ihren Einkleidungsexerzitien bereits vertieft haben, damit der Geist Gottes Ihnen helfe, ein guter Prämonstratenser und später ein eifriger Priester des hl. Norbert zu werden. Amen.

Newsletter

Wenn Sie unseren regelmäßig erscheinenden Newsletter abonnieren wollen, geben Sie bitte hier Ihre Daten ein:

Anschrift

Stift Wilten
Prämonstratenser-Chorherren
Klostergasse 7
6020 Innsbruck
Tirol, Österreich
Telefon: +43 512 583048

email


Klosterladen

An der Pforte unseres Stiftes finden Sie unseren Klosterladen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch auch auf unserer facebook-Seite


Volltextsuche

Stift Wilten, Innsbruck

powered by webEdition CMS