Lesung: Eph 2,4-10 (Wir waren tot infolge unserer Sünden; aus Gnade sind wir gerettet)

Evangelium: Mt 9, 14-15 (Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, damit die Welt durch ihn gerettet wird)

Verehrte Mitbrüder! Brüder und Schwestern! Liebe Kinder!

„Es war einmal ein Mann“, so erzählt eine Geschichte der Weisheit Asiens, „es war einmal ein Mann, den ängstigte der Anblick seines Schattens so sehr, dass er beschloss, ihn hinter sich zu lassen. Er sagte zu sich: Ich laufe ihm einfach davon. Aber der Schatten folgte ihm mühelos. So war er überzeugt: Ich muss schneller laufen. Also lief er schneller und schneller, lief so lange, bis er tot zu Boden sank.“

Es war einmal ein Mann ... Ein Mann, eine Frau. Sie. Du. Ich. Jeder hat seinen Schatten, nicht nur, wenn die Sonne scheint. Er gehört einfach zum Menschen, der Schatten folgt ihm auf dem Fuße.

Unsere Schatten haben verschiedene Gestalt:

Manche sehen sich ganz in den Schatten gestellt. Sie haben es schwer mit sich und der Welt. Sie leiden daran, dass sie so sind, wie sie eben sind, nicht so gewachsen wie andere, nicht so gescheit, nicht so gesund ... sie werden schwer damit fertig, dass sie seit Jahren auf der Stelle treten.

Manche sitzen abends allein in ihren vier Wänden, ohne einen Menschen, den sie ansprechen können, ohne jemanden, für den sie da sein können oder der sie braucht. Wie wichtig ist es, gebraucht zu werden!

Manche leiden an einer schweren Krankheit. Sie sind körperlich, aber auch seelisch fertig. Krankheiten haben immer auch Auswirkungen auf unsere Seele. Krankheiten verdunkeln unser Herz.

Zu unseren Lebensschatten gehört auch der Schatten der Schuld: Da geht einer fort und vergeudet alle seine Chancen, wie es der sog. „Verlorene Sohn“ im Lukasevangelium tut. Er verpfuscht sein Leben und kommt mit sich und der Welt überhaupt nicht mehr zu Rande. Er landet ganz tief unten bei den Schweinen. Man kann wortwörtlich sagen: „Er hat sein Leben versaut“.

Monsignore Josef Stock

Schatten werden sichtbar, wenn wir in die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts schauen: 1914, 1918, 1938 oder 1945, das Jahr der ersten Atombombe über einer von Menschen bewohnten Stadt. Mit ihrem grellen Licht hat sie die Welt in eine noch nie da gewesene Dunkelheit gestürzt. Die allermeisten unter uns sind Menschen dieses besagten 20.  Jahrhunderts: Menschen nach Mauthausen, nach Hiroshima und nach Tschernobyl. Wir sind auch Menschen der neueren Zeiten, der nie endenden Flüchtlingsströme, des Ausländerhasses, der Krisen und Kriege in vielen Teilen der Welt. Wer zahlt am meisten drauf? Wie immer – die Frauen und die Kinder!

Wir sind auch Menschen nach dem 11. September 2001, als an jenem Dienstag von Terrorkommandos entführte Flugzeuge in die beiden Riesentürme des World Trade Centers von New York einschlugen. Dieser terroristische Massenmord kostete 3.000 Menschen das Leben.

Wir sind auch Menschen nach den unerklärbaren und fanatischen IS-Anschlägen wie u. a. in Paris, London oder Berlin. Und die sind gar nicht so lange her. Den aktuellen Skandal menschlicher Erniedrigung und grausamer Zerstörungswut erleben wir in Ostghuta, in Syrien. Unerhörtes menschliches Elend – wie ein Keulenschlag in das Gesicht der Menschheit. Auch das sind Schatten, die uns berühren. 

Und wir leiden auch, dass die christlichen Kirchen gespalten sind, dass der Strom der geistlichen Berufungen zum Dienst in der Kirche beinahe versiegt ist und die Welt, konkret auch Europa, immer mehr das christliche Antlitz verliert.

Es war einmal ein Mann, der seinem Schatten davongelaufen ist, bis er tot zu Boden sank. Muss die Schattengeschichte so enden, dass man sich totläuft?

Wo ist einer, der unsere Schatten aufnimmt? Hier sind wir mit unserer menschlichen Geschichte am Ende. Hier beginnt die Geschichte Gottes. Hier beginnt die Erlösungsgeschichte mit Jesus. Er hat sich unserer Sache angenommen, er hat sich unserer Schuld angenommen. Er hat sich nicht aus dem Staub gemacht, sondern ist eingetreten in diese unsere Welt, hat sein Leben mit uns geteilt und hat auch den Tod erlitten – brutaler und schmerzvoller als man ihn sich für einen Erlöser hätte vorstellen können. Jesu erlösender Tod am Kreuz: da werden wir unsere Schatten los. Allein sein Kreuz stellt alles in den Schatten!

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