Triduum Edith Stein-Gedenkjahr 2012

Verehrter Ordensvikar Prälat Steidl,
liebe Mitbrüder, vor allem liebe Mitbrüder aus dem Karmel,
liebe Andächtige,
liebe Zuhörerinnen und Zuhörer von Radio Maria!

Ein feierliches Triduum beschließt das Jubiläum der Jüdin, Philosophin, Karmelitin, Märtyrerin und Patronin Europas Edith Stein, mit Ordensnamen Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz. Am 12. Oktober letzten Jahres haben wir ihres 120. Geburtstages gedacht; am 9. August heuer ihres 70. Todestages und am 1. Mai des 25. Jahrestages ihrer Seligsprechung. Gottesdienste, Vorträge, Besinnungstage, Exerzitien, Symposien in Salzburg und Graz sowie eine internationale Wallfahrt mit Besinnungstagen in Ausschwitz, dem Ort ihrer Hinrichtung waren auf dem Jubiläumsprogramm.
In diesem Jahr haben wir diese große europäische Heilige näher kennengelernt. Nach einer Predigt am Hohen Frauentag habe ich aus Reaktionen vieler Mitfeiernder gehört, dass sie außer dem Namen Edith Stein nichts über sie wüssten. Wir beschließen dieses besondere Gedenkjahr. Wir beschließen jedoch nicht das weitere Kennenlernen und Verehren der hl. Sr. Benedicta a cruce. Im Gegenteil: Sie führt uns hinein in ein neues Jahr, in das vom Papst Benedikt XVI. ausgerufene Jahr des Glaubens. Eine wunderbare Vorsehung! Ich möchte fast sagen: Sie hat uns vorbereitet auf dieses Jahr des Glaubens und uns hoffentlich Mut gemacht, uns immer mehr und immer tiefer auf unseren Glauben einzulassen.

In diesem Jahr des Glaubens wird es in unserer Diözese Innsbruck einen Gesprächs- und Glaubensvertiefungsprozess geben. Viele Gemeinden werden sich in Exerzitien im Alltag und bei anderen Gelegenheiten mit dem Glauben auseinandersetzen, das Credo in Meditationen und im Gespräch durchbuchstabieren, den Glauben also wieder mehr kennenlernen und ihn bekennen. Wir werden den Glauben feiern; aber vor allem werden wir ihn leben. „Je fester einer im Glauben steht, desto mehr Früchte der Liebe werden an einem sichtbar“, sagt dazu die hl. Edith Stein.
Deshalb müssen wir in diesem kommenden Jahr mehr und intensiver um diesen Glauben bitten. Wir dürfen nicht aufhören zu beten, den Himmel zu stürmen um den Glauben an den himmlischen Vater, um Gottvertrauen. In vielen ihrer Texte und Gebete spricht Edith Stein von diesem Vertrauen auf Gott.
Wir haben eben im Hymnus einen schönen Text von ihr gesungen, den Sie auch auf der letzten Seite des Liedheftes finden, das Sie gerne mit nach Hause nehmen können, um weiterhin diesen Text zu meditieren:

Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen
leg ich meinen Tag in deine Hand.
Sei mein Heute, sei mein gläubig Morgen,
sei mein Gestern, das ich überwand.
Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen,
bin aus deinem Mosaik ein Stein.
Wirst mich an die rechte Stelle legen.
Deinen Händen bette ich mich ein
.

In diesem Gebet hören wir das Vertrauen des Gotteskindes, das sich ganz in die Hände des Vaters fallen lässt. „Herr, auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich meinen Geist“, so beten wir bei jeder Komplet, bei jedem Nachtgebet der Kirche. Oder denken wir an den Psalm 131: „Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir. Israel, harre auf den Herrn von nun an bis in Ewigkeit! “ Gebet ist sprechender Glaube, ist Äußerung des Glaubens, ist Glaubensatem. Gebet ist ein Vertrauensakt an den persönlichen Gott.

Eines Nachts brach in einem Haus ein Brand aus. Während die Flammen hervorschießen, stürzen Eltern und Kinder aus dem Haus. Entsetzt sehen sie dem Schauspiel des Brandes zu.
Plötzlich bemerken sie, dass der Jüngste fehlt, ein fünfjähriger Bub, der sich im Augenblick der Flucht vor Rauch und Flammen fürchtete und in den oberen Stock kletterte. Man schaut einander an. Keine Möglichkeit, sich in etwas hineinzuwagen, das immer mehr zu einem Glutofen wird.
Da öffnet sich oben ein Fenster. Das Kind ruft um Hilfe. Sein Vater sieht es und schreit ihm zu: „Spring!“
Das Kind sieht nur Rauch und Flammen. Es hört aber die Stimme des Vaters und antwortet: „Vater, ich sehe dich nicht!“ Der Vater ruft ihm zu: „Aber ich sehe dich, und das genügt, spring!“ Das Kind springt und findet sich heil und gesund in den Armen seines Vaters, der es aufgefangen hat.


Jeder von uns kann sich im kommenden Jahr des Glaubens diese Frage stellen: Wie steht es mit meinem Gottvertrauen, mit meinem Vertrauen gegenüber meinem himmlischen Vater? Wie weit geht meine Hingabe an Ihn? Empfinde ich die ruhige Geborgenheit dessen, der sich ihm ganz überlässt, oder regen sich tief in mir viel Unruhe, viel Angst und viel Furcht, weil ich Gott noch nicht restlos angenommen habe? Setze ich nicht mehr Vertrauen auf meine eigene Leistung?
Edith Stein zitiert in ihrer Schrift „Das Gebet der Kirche“ die hl. Teresa von Avila, deren Biographie, die sie in einer einzigen Nacht durchgelesen hatte, ja Anlass war, Christin und dann Karmelitin zu werden. Teresa von Avila als große Reformatorin ihres Ordens – es war die Zeit der Reformation, des großen Glaubensabfalles der Kirche, wie sie schreibt, -setzt ihre große Hoffnung auf das unablässige Gebet, auf das Gebet „für die, welche die Kirche beschützen, wie die Prediger und Gelehrten…“. „Ach, liebste Schwestern“, schreibt Teresa von Avila weiter, „helft mir den Herrn bitten; denn zu diesem Zweck hat er euch hier versammelt, dies ist euer Beruf“ (Teresa von Avila, Weg der Vollkommenheit, 3. Kapitel).

Die tieffromme Ordensfrau, die im Schweigen des Karmel sich ganz Gott hingibt, appelliert heute an uns: Erneuert Euer inneres Leben in diesem Jahr des Glaubens und betet mit großem Gottvertrauen: Deinen Händen bette ich mich ein! Amen.

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