Abt Raimund Schreier OPraem

Die Kirche existiert, um zu evangelisieren“, so schreibt der Osservatore Romano über die derzeit in Rom stattfindende Weltbischofssynode. Das Thema dieser Synode lautet: „Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens.“

Im Zentrum der Synodenversammlung steht der griechische Begriff euangelion. Dieses Wort ist schon beim griechischen Dichter Homer bezeugt. Zurzeit Jesu hatte es die Bedeutung von einer heilbringenden Botschaft von Seiten des Kaisers. Die ersten christlichen Schriftsteller, die Evangelisten übernehmen dann diesen Begriff. Lukas z.B. setzt die Geburt des Gottessohnes ganz bewusst in die Weltgeschichte. Er verbindet sie mit dem Edikt von Kaiser Augustus, um zu zeigen, dass Gott in diese Welt hineingeboren wird. Hier kommt die Frohbotschaft, das euangelion also nicht von Seiten des Kaisers, sondern von Seiten Gottes. Diesbezüglich sagt unser Papst: „Da Gott die Stille durchbrochen und gesprochen hat, muss man sich fragen, wie man sein Wort weitergeben und bezeugen kann, das vor allem der Logos ist, das menschgewordene Wort.“

Auf welche Art und Weise, wie können wir heute das Evangelium verkünden? Was heißt heute neue Evangelisierung, die besonders Papst Johannes Paul II. so am Herzen lag? Das ist das Hauptthema der Synode und auch des „Jahres des Glaubens“. Darüber diskutieren jetzt 262 Synodenväter sowie weiter Delegierte aus anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften.

Heute am Kirchweihsonntag, werden wir als Kirche, als Gemeinschaft von getauften Christen erinnert, dass wir alle den Auftrag Jesu haben, das Evangelium weiterzugeben: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen“ (Mk 16,15).
Alle Christen, alle Getauften und Gefirmten sind also aufgerufen, das Evangelium in die Welt, in die spirituelle Wüste von heute weiterzutragen. Aber wie? Ich denke, wir brauchen nicht das Ende dieser Synode abzuwarten. Eines wissen wir ganz sicher, und das seit 2000 Jahren:

1. Vertiefung des Glaubens für die Evangelisierer.
Um das Evangelium verkünden zu können, müssen wir uns zunächst damit auseinandersetzen: Wir müssen es lesen, es meditieren, uns darüber austauschen. Wir müssen uns mit dem Glauben beschäftigen, ihn kennenlernen und ihn feiern. Um das Evangelium weiterzugeben, braucht es Missionare, die von der Liebe Christi entflammt sind, sagt einer der Synodenväter. Und ein anderer meint: „Es braucht heute überzeugte Missionare und Verkünder nach dem Vorbild der Heiligen!“ Und wieder ein anderer: „Wir brauchen Evangelisierer mit eigener, tiefer Glaubenserfahrung; Heilige, Propheten, Männer und Frauen, die vom Heiligen Geist erfüllt sind! Die Verkünder selber also müssen sich immer wieder in ihrem Glauben vertiefen.

2. Diesen Glauben müssen wir wieder mehr bekennen.
Wer bekennt sich als Christ, wenn über die Amtskirche, über den Papst schlecht geredet wird? Wer bekennt sich als Mitglied der katholischen Kirche in einer Diskussion, in der es um christliche Werte wie Ehe und Familie geht, auch auf die Gefahr hin ausgelacht oder gar aus dem Freundeskreis ausgeschlossen zu werden? Wer hat den Mut, offen über seinen Glauben zu reden: Warum bin ich Christ? Warum ist das Evangelium der Kompass meines Lebens? Bei einem Fest zum Auftakt des Jahres des Glaubens in der Diözese Graz Seckau hat der prominente Schiweltmeister Michael Walchhofer zum Thema „Einfach gerne katholisch“ ein tolles Bekenntnis abgelegt: „Der Glaube hat mir Rückhalt gegeben“. Am Start jedes Rennens habe er stets ein kurzes Gebet gesprochen.

3. Verkündigung durch das Leben.
Wer ist bereit, auch Leid, Demütigung, Nachteile auf sich zu nehmen, um des Evangeliums willen - so wie Christus, der leidende Gottesknecht, von dem wir in der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja gehört haben? Wer ist bereit, auf Macht zu verzichten, auf Karriere, nicht immer im Mittelpunkt sein zu müssen? Im heutigen Evangelium geht es um die vordersten Plätze: Wer darf im Reich Gottes neben Christus sitzen? Wer hat Ansehen bei Gott, bei den Menschen? „Bei euch soll es nicht so sein“, sagt Jesus auf die Frage, wer zur Rechten oder Linken im Reich Gottes sitzen darf: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“.
Das hat uns Jesus ganz konkret gezeigt in einer ganz feierlichen Geste bei der Abendmahlfeier, nämlich in der Fußwaschung. „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen…“. Konkret vorgelebte Dienste für die anderen sind die beste Predigt, die beste Verkündigung des Evangeliums. In der solidarischen Nächstenliebe, in sozialen Projekten können Christen zeigen, dass sie auf der Seite der Armen stehen, mit ihnen leiden, ihnen helfen. So können sie das Antlitz des himmlischen Vaters offenbaren, es verkünden. Das ist Verkündigung ohne Worte!
Das Evangelium glaubwürdig machen
Vor einiger Zeit fand eine internationale Jugendtagung statt. Es gab große Überlegungen, wie das Evangelium am besten verbreitet werden könne. Die jungen Menschen sprachen von Propaganda, von literarischen Möglichkeiten und vielem mehr, wozu dieses Jahrhundert entsprechende Mittel bietet. Da meldete sich ein junges Mädchen aus Afrika zu Wort und sagte: „Wir schicken in die Dörfer, die wir für das Evangelium gewinnen möchten, keine Schriften. Wir schicken eine gläubige Familie dorthin, damit die Dorfbewohner sehen, was christliches Leben ist
.“ (Kurzgeschichten 3, Willi Hoffsümmer, S 53, Nr. 67). Verkündigung ohne Worte!

Und eine Legende erzählt: Als Christus zum Himmel aufgefahren war, fragten ihn die Engel, wie es denn nun mit seinem Reich auf der Erde weitergehen solle.
„Ich habe doch meine Jünger auf Erden
“, antwortete Christus.
Aber die Engel sahen, wie schwach und verzagt die Jünger waren und fragten erschrocken: „Herr, hast du denn wirklich keinen anderen, keinen besseren Plan?“
Und Christus entgegnete: „Nein – einen anderen Plan habe ich nicht.“
(Kurzgeschichten 3, Willi Hoffsümmer, S 54, Nr. 69).

Es liegt an seinen Jüngern, es liegt an uns, das Evangelium weiterzugeben:
• Indem wir uns immer mehr in diese Frohbotschaft vertiefen,
• indem wir das Evangelium bekennen, und
• indem wir es leben und es damit verkünden ohne Worte!

Amen.

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