Liebe österliche Gemeinde,
meine lieben Wiltener Schützen!

Die Standarte in der Kirchengeschichte
Man schrieb den 28. Oktober des Jahres 312. An der Milvischen Brücke im Norden von Rom kommt es zum Entscheidungskampf zwischen Kaiser Konstantin Augustus und seinem Rivalen Maxentius. Maxentius hat dreimal so viele Soldaten als Konstantin. Es sind über 40.000. Im Heer Konstantins gibt es schon viele christliche Soldaten. Denn er, der Kaiser baut im Gegensatz zu seinen Vorgängern auf den Christengott, nachdem er in einer Vision das Kreuz gesehen hat mit den Worten: In diesem Zeichen siege – in hoc vinces! Auf den Feldstandarten seiner Legionen ist nicht mehr der römische Adler angebracht, sondern das Christusmonogramm, die ersten beiden griechischen Buchstaben des Namens Christus: Chi und Rho. Die beiden Buchstaben werden manchmal interpretiert als lateinische Lettern X und P und damit als Abkürzung für Pax, was nicht ganz falsch ist, weil Christus der Friede ist. Konstantin siegt über Maxentius, und so wird seitdem das Kreuz nicht mehr zum Skandal des Glaubens, sondern zum Siegeszeichen, weshalb wir auch im Lied singen: Heil’ges Kreuz, du Siegeszeichen bzw. Heil’ges Kreuz sei unsre Fahne, die uns führt durch Kampf und Not.
Das Christentum wird als Staatsreligion anerkannt. Damit wird das Kreuz bei allen Prozessionen vorangetragen als Siegeszeichen. An einer Längs- und Querstange, die an ein Kreuz erinnern, lässt man dann ein Ziertuch anbringen, ein quadratisches Fahnentuch. Damit wird die Kreuzesfahne bzw. Standarte vor allem in der christlichen Ikonographie Attribut des Osterlammes, des Auferstandenen – wie wir auf dem Hochaltar bei der gotischen Figur sehen. Es wird Attribut des Bannerträgers Michael, heiliger Könige, einer hl. Ursula, eines hl. Georg oder des hl. Mauritius und vieler anderer Heiliger. Die Kreuzesfahne hängt später dann an Gotteshäusern, wird getragen als Bruderschafts- oder Vereinsfahne und damit Zeichen des Sieges über den Tod bzw. Zeichen der Identität zu einer Gemeinschaft.

1) Neue Standarte: Bekenntnis zu Gott
Wir stehen in der 50-tägigen Osterzeit, heute am letzten Tag der Osteroktav, dem sogenannten Weißen Sonntag. Papst Johannes Paul II. nennt ihn auch den „Sonntag der Barmherzigkeit“. Am Vorabend dieses Sonntags stirbt er. Damit hat er im Leben wie im Sterben ein ganz deutliches Zeichen gesetzt und der Welt zugerufen: Gott ist ein barmherziger Gott, ein Gott, der ein unendlich liebendes Herz hat für uns Menschen. Er hat seinen Sohn gesandt, um uns Menschen im Kreuz und in der Auferstehung von Tod und Sünde zu erlösen. Deshalb bekennen wir bei jeder hl. Messe: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Seine unendliche Liebe hat das Böse, hat den Tod besiegt und möchte, dass auch wir Liebende werden, ein Herz haben für die Menschen. „Omnia vincit amor “, sagt schon der römische Dichter Vergil – „alles besiegt die Liebe “. Damit drückt er schon das aus, was Christus nicht nur in Worten, sondern durch sein Handeln sagen wird: Wenn du liebst, wirst du immer siegen.
Liebe Wiltener Schützen! Eure Standarte zeigt das Fresko von Kaspar Waldmann beim Annenaltar in unserer Stiftskirche: Die hl.Mutter Anna hält ihre schützende Hand über Innsbruck. Wir sehen Wilten, wo die bayrische Besatzung ihre Lager aufgeschlagen hatte und nun am Fest der hl. Anna, also am 26. Juli 1703 aus Innsbruck abzieht. Gott hat die Gebete erhört. Als vor über 1700 Jahren die römischen Soldaten mit ihren Standarten wahrscheinlich schon mit dem Christusmonogramm über den Bergisel nach Veldidena kamen, haben sie so Christus bezeugt und hier wohl auch eine römische Missionsstation gegründet. So wird auch Eure Standarte ein klares Bekenntnis sein: Auf die Fürsprache der Heiligen sind wir in besonderer Weise mit Gott verbunden, den wir bekennen und dessen Botschaft wir im Leben bezeugen wollen. Dazu möchte ich einen Satz unseres seit heute seligen Papstes Johannes Paul II. zitieren, den er am 10.9.1983 im Wiener Praterstadion gesagt hat: „Habt keine Angst, euch in eurem Milieu als Christen zu bekennen. Ich bin überzeugt, dass ihr keine Kirche wollt, die die Forderungen Jesu verkürzt oder die Schätze des Glaubens zu billigen Preisen veräußert “. Und am 21. Juni 1998 sagt er beim Seligsprechungsgottesdienst auf dem Heldenplatz in Wien: „Man kann uns Christen vieles nehmen. Aber das Kreuz als Zeichen des Heils lassen wir uns nicht nehmen. Die Kirche von heute braucht keine Teilzeitkatholiken, sondern Vollblutchristen “.
Ein solches Zeugnis ist für mich der Allianzvertrag zwischen den Diözesen Salzburg und Innsbruck und den Gemeinden Tirols, in dem mehr als 14.000 Tiroler Schützen ihre Hilfe für kirchliche, kulturelle und soziale Belange als Beitrag zur 200-Jahrfeier der Freiheitskämpfe von 1809 anbieten.
Schützen zeigen Flagge für die Botschaft des auferstandenen Christus.
Eure Standarte ist also ein Bekenntnis zu Gott und seiner Botschaft von Kreuz und Auferstehung.

2) Bekenntnis zur Heimat
Die andere Seite der Standarte zeigt die Wappen von Österreich, von Tirol, von Innsbruck, von Wilten und das Grabmal von Erzherzog Maximilian III., dem Deutschmeister in unserem Innsbrucker Dom: Somit ist Eure Standarte auch ein öffentliches Bekenntnis zur Heimat.
Heimat “, so sagt wiederum Papst Johannes Paul II. am 26. Juni 1988 am Bergisel, „nach der sich jeder von uns sehnt, wächst dort, wo Menschen einander gut sind und füreinander eintreten, wo sie einander ertragen auch in ihren Schwächen.“
Liebe Schützen! Ihr setzt Euch ein für die Heimat gerade dadurch, dass Ihr Mitmenschen in sozialen Hilfsprojekten Heimat vermittelt, das Gefühl, dass sie nicht vergessen, nicht allein sind. Ihr setzt Euch ein für unsere Heimat, indem Ihr Euch bekennt zu den Werten und zur Kultur unseres Landes, indem ihr Kirchen zu erhalten helft, aber noch wichtiger, indem ihr versucht, selbst Kirche zu sein. Damit schafft Ihr religiöse Beheimatung. Und Ihr ehrt die Toten unserer Heimat, die ihr Leben gegeben haben für unser Land.
Zur Beheimatung gehört auch die Kameradschaftspflege, die gerade bei euch Wiltener Schützen wie auch bei der Gilde und bei der Wiltener Musikkapelle einen hohen Stellenwert genießt. Im Segensgebet über die Standarte wird es heißen: „Segne diese Standarte und schließe alle, die diesem Zeichen folgen, zu einer Gemeinschaft des Friedens und der Hilfsbereitschaft zusammen.“ Die Segnung gilt ja vor allem den Menschen, die sich zu einem Verein, zu einem Bund zusammen-geschlossen haben und sich zum Ideal der Gemeinschaft und der Kameradschaft bekennen. Auf den heutigen Fahnen und Transparenten stehen nicht gerade Werte wie Solidarität oder Kameradschaft, sondern eher: Ich will! Ich fordere! Ich als Ego möchte mich verwirklichen. Ich habe ein Recht auf das und jenes!

Liebe Schützen! Das also ist die Botschaft Eurer neuen Standarte, die Euch nach einer 400-jährigen Geschichte in die weitere Zukunft begleiten wird:
• Sie ist Zeichen und Bekenntnis zum gekreuzigten und auferstandenen Christus
• und sie ist Zeichen und Bekenntnis zu Heimat und damit Kameradschaft.
Schauen wir immer wieder auf dieses Zeichen und tragen wir es mit Ehrfurcht und innerer Überzeugung durch unser Land. AMEN.

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