Liebe Andächtige!

„Ich kann also nie mehr rennen, laufen, Sport treiben? Nie wieder Tennis spielen, mit meinen Freunden in die Berge und ans Meer gehen? Mama! Mit 17 sterben - ist das gerecht?“ , so fragt Chiara Luce Badano aus Norditalien ihre Mutter.
Chiara Badano ist ein gut aussehendes, sportliches Mädchen. Sie träumt davon, Kinderärztin in Afrika zu werden oder Flugbegleiterin. Eines Morgens befällt sie ein stechender Schmerz in der Schulter: Chiara hat einen der aggressivsten Tumore, die man kennt: Knochentumor an der siebten Rippe links mit Metastasen in den angrenzenden Weichteilen.

Mit ihren Eltern und Freunden beginnt ein Weg mit vielen Niederlagen, aber auch großen Entdeckungen. Die größte: „Gott ist da und liebt mich unglaublich. Mit ihm will ich meinen schwierigen Lauf zu Ende bringen.“ , sagt Chiara.
Klinikpersonal, Klassenkameraden und viele andere sind erstaunt über die Gelassenheit und Ausstrahlung der jungen Kranken trotz starker Schmerzen. Sie erhält den Beinamen Luce – Licht. Sie strahlt Licht aus - schon als Kind, als Jugendliche, aber ganz besonders in der Zeit des Sterbens. Ihre Kusine Glenda erzählt: „Als ich ins Zimmer trat, lächelte sie mir entgegen… sie strahlte dieselbe Freude aus wie früher.“ Oft hat sie gesagt: „Jeder Augenblick ist kostbar und darf nicht vergeudet werden. Wenn er gut gelebt wird, hat alles einen Sinn. Alles relativiert sich. Auch in schrecklichsten Momenten, wenn wir es Jesus schenken.“
Eine gute Freundin aus Sassello, ihrem Heimatort, erzählt: „Mit Chiara habe ich die schönsten Augenblicke meines Lebens erlebt. Während ihrer Krankheit war sie es, die mich stützte, sie fand die richten Worte und Zeichen, um mir Mut zu machen.“ Auch Bischof Maritano, der Chiara gefirmt hatte, besuchte sie mehrmals an ihrem Krankenbett. Er berichtet: „Chiara sprach nicht über sich und ihre Krankheit. Sie wollte kein Mitleid. Sie fragte mich, wie es in der Diözese gehe. Ich gewann den Eindruck einer außergewöhnlichen geistigen Reife. Für sie war es wichtig, sich Gott anzuvertrauen und seinen Willen zu tun. In ihrer fortschreitenden Erkrankung zeigte sie eine große innere Kraft. Sie hat wirklich ein Beispiel christlicher Hoffnung gegeben.“
Kurz vor ihrem 19. Geburtstag, am 7. Oktober 1990 stirbt Chiara Badano. In den letzten Stunden sagt sie unter anderem zu ihrer Mutter: „Weißt du, Mama, was ich gemacht habe? Ich habe gesungen. Ich habe gesungen: Hier bin ich, Jesus, auch heute, vor dir, ganz neu. So wie du mich willst.“ Und dann kurz vor dem Tod - sie hatte kaum mehr Kraft zu sprechen: Chiara versucht zu lächeln, legt der Mutter die Hand auf den Kopf und zerzaust deren Haare. Und dann sagt sie: „Ciao; sei glücklich, denn ich bin es.“ Und dem Vater schenkt sie noch einen liebevollen Blick. Ein kurzes, aber sehr intensives Leben eines jungen Mädchens. Am 25. September 2010, also vor über einem Monat nur, 20 Jahre nach ihrem Tod, hat die katholische Kirche Chiara Luce selig gesprochen. Freunde sagen: Chiara hinterlässt eine Spur von Licht.

Das ist ja das Geheimnis des Festes Allerheiligen: Selige und Heilige leuchten als Vorbilder. Sie zeigen uns, wie geglücktes Menschsein gelingen kann. Sie sind uns Meister in der Kunst des Lebens, in der ars vivendi. Leben in Glück: dazu braucht es eine Portion Gelassenheit, das Leben im Augenblick, den Blick in die Weite, den Blick auf das Wesentliche, auf das Wichtige im Leben.
Und diese Seligen und Heiligen sind uns Meister in der Kunst des Sterbens, in der ars moriendi. Wir Menschen haben Angst vor dem Sterben, Angst vor dem Tod. Särge dürfen beim Begräbnis nicht in die Erde hinunter gelassen werden. Wir wollen ja nicht zuschauen, wie der Tote begraben, beerdigt wird, d. h. zur Erde zurückkehrt. Wir wollen der Realität des Todes ausweichen. Und doch: Christliches Sterben ist auch etwas Schönes: Es ist eine Geburt ins ewige Leben, ins Leben mit unaufhörlichem Glück, in die ewige Geborgenheit Gottes.

Wenn wir heute auf dem Friedhof stehen, an dem Ort, der am meisten Frieden ausstrahlt, dann werden wir erinnert an die Kunst des Lebens und die Kunst des Sterbens. Schauen wir auf die großen Vorbilder, die Seligen und Heiligen. Sie helfen uns, gut zu leben und auch gut zu sterben. Amen.

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