Liebe Sonja, verehrte Trauergemeinde!
Vor etwa fünf Jahren haben Helmut und Sonja in einem kleinen Kreis ihr Goldenes Hochzeitsjubiläum gefeiert. Wir sind nach Rom gefahren und haben in der größten der über 40 Marienkirchen Roms, in Santa Maria Maggiore die heilige Messe gefeiert.
Diese wunderbare Kirche auf dem Esquilin besitzt prachtvolle Mosaiken aus dem fünften Jahrhundert. Diese Mosaiken auf den beiden Längsseiten des Kirchenschiffes bilden sozusagen eine Prozession der Menschheit zum Erlöser hin. In der Mitte über dem Triumphbogen, am Zielpunkt der Wege, an dem eigentlich die Geburt Christi dargestellt sein sollte, finden wir stattdessen nur einen leeren Thron. Auf dem Fußschemel das Buch der Offenbarung. Die vermutete Darstellung der Geburt Christi finden wir genau unter dem Triumphbogen, nämlich in der Krypta, die ursprüngliche Nachbildung der Höhle von Bethlehem, in der Christus zur Welt kam. Hier wurde und wird auch die Reliquie verehrt, eine Futterkrippe, in die das Jesuskind hineingelegt worden sei. Der Thron oben ist – wie gesagt - leer. Denn der Herr ist hinuntergestiegen in den Stall, in die Wirklichkeit des Menschen. Er hat die Bühne der Menschheit betreten. In Bethlehem hat sich der göttliche Logos inkarniert: Das Wort Gottes ist Fleisch geworden.

Wir haben eben bei der Verkündigung des Evangeliums eine der Lieblingsstellen von Helmut Wlasak gehört, nämlich den Johannesprolog: Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott…Und das Wort ist Fleisch geworden. Ist es eine Vorsehung, dass wir ausgerechnet in dieser Weihnachtskirche die Jubiläumsmesse gefeiert haben? Denn es war das Wort, dem sich unser lieber verstorbener Helmut Wlasak verpflichtet wusste. Und es war vor allem das Wort Gottes, das er so oft in verschiedenen Kirchen, besonders hier in der Stiftskirche den Menschen verkündet hat. Ich habe die Kirche selten so still und gespannt zuhörend erlebt. Es war immer sein großes Anliegen, dass das Wort Gottes so gesprochen wird, dass die Zuhörer es gut verstehen können. Seine charaktervolle Stimme können wir weiterhin hören auf den 100 CDs, auf die er die ganze Bibel gesprochen hat. Dieses Werk durfte er mit seiner Frau Sonja Papst Johannes Paul II. überreichen, eine der Sternstunden seines Lebens.
Ich denke, das ist sein großes Vermächtnis, das er uns zuruft: Lest, hört, meditiert das Wort Gottes! Ist es wiederum eine Vorsehung, dass er im „Jahr des Glaubens“ durch seinen Heimgang uns aufmerksam macht? Der Glaube braucht, um echt und glaubwürdig zu sein, die Lesung der Heiligen Schrift. „Scriptura crescit cum legente“ – „das Schriftverständnis wächst im Akt des Lesens“, sagt Papst Gregor, der Große.“ Leser und Hörer des Wortes zu sein fällt uns im alltäglichen Leben schwer. Wir brauchen jedoch das Wort Gottes für ein gelingendes Leben. Wir brauchen es in bedrängenden Fragen wie Freud und Leid, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Suchen und Ringen nach Gott, Verheißungen und Hoffnungen, Heimat und Fremde, Ängste und Rivalitäten.

Psychologen bestätigen uns, dass wir Menschen nur zum Leben kommen, wenn wir angeschaut und angesprochen werden. Wir bedürfen des An-Sehens und der An-Rede durch andere von Kindesbeinen an. So hat Gott von Anfang an zum Menschen gesprochen durch die Propheten, letztlich durch Jesus, durch das Wort, das Fleisch geworden ist. Hören wir auf dieses Wort und lassen wir uns ansprechen und auch beanspruchen! Dann dürfen wir selbst zu Wort kommen, dieses Wort Gottes weitersagen. Dann werden Menschen uns „ansprechend“ und „vielversprechend“ begegnen. Je mehr die Mitmenschen in unserem Reden und Handeln ablesen können, welch großartiger Glaube, welch unüberbietbare Hoffnungen, welch begeisternde Liebe Christen geschenkt ist, desto neugieriger werden sie fragen nach dem, was uns hält und trägt.
Der Lektor und Regisseur und Textverfasser Helmut Wlasak hat nicht nur in der Kirche verkündet, auch bei Passionsspielen wie in Thiersee und Erl oder bei Calderons „großem Welttheater“ vor dem Innsbrucker Dom. Die Bühne war für den Christen Helmut oft auch eine Kanzel. Ich denke da zum Beispiel an die großartige Aufführung der „Begnadeten Angst“ von George Bernanos. Die Schwestern mit ihrer Priorin, die Sonja selber spielte, haben die Habite unserer Innsbrucker Karmelitinnen getragen. Und vor der Premiere haben alle Schauspieler mit dem Intendanten im Karmel eine heilige Messe gefeiert. In vielen anderen Aufführungen, besonders bei Opern wollte der überzeugte Katholik Helmut die christliche Botschaft vermitteln.

Worte im allgemeinen sind für den Menschen sehr wichtig. „Worte können Perspektiven bieten, zur Einsicht führen, Verständnis wecken oder eine Vision vermitteln. Worte können Trost spenden, Stärkung sein, Ermutigung und Hoffnung geben. Worte können Angst vertreiben, Isolierung beseitigen, Schande und Schuld abnehmen. Worte können versöhnen, vereinen, vergeben und heilen. Worte können Friede und Freude bringen, innere Freiheit und tiefe Dankbarkeit. Worte können, kurz gesagt, Liebe auf ihren Flügeln tragen“, so schreibt der holländische Priester Henri Nouwen. Der langjährige große Intendant des Tiroler Landestheaters, der begnadete Schauspieler, Opernregisseur, Musikliebhaber, der gern gehörte Sprecher im Radio, der Gast bei Schülern, der Leiter von Kursen zur Sprecherziehung und Literatur, der Dichter bei Geburtstagsfeiern, der Regisseur bei Laienbühnen wie bei den Thaurer Schlossspielen oder dem Straßentheater, er war ein Anwalt des Wortes. Er hat durch das Wort vielen Zuschauern Lebensfreude vermittelt: Humor, eine Unterbrechung vom gestressten und manchmal grauen Alltag. Ich persönlich erinnere mich da besonders an die von ihm selbst gedichteten Stanzen bei Nestroy- oder Raimundstücken. Helmut hat mir öfters versichert, wie wichtig es ihm war, dass Theater als Dienst verstanden werden muss, als Dienst an den Menschen.

Helmut Wlasak war auch ein großer Musikliebhaber und Musikexperte. Ist es wiederum eine Vorsehung, dass er am Fest der hl. Cäcilia, der Patronin der Kirchenmusik heimgegangen ist? In den langen Stunden im Krankenbett hat seine ihn liebevoll begleitende Gattin ihm immer wieder Musik vorgespielt. Und manchmal hat er im Schlaf mitdirigiert oder gar Regie geführt so wie bei einer Opernprobe.
Der tiefgläubige Christ Helmut war aber vor allem ein Liebhaber der Kirchenmusik. Der Spruch von Ludwig Eckardt könnte von ihm stammen: „Keine Kunst, auch nicht die Poesie, verbindet sich so innig mit der Religion als die Musik.“ „Musik und Sprache sind Liturgie“, sagt Peter Paul Kaspar. Ja, Musik selbst ist Liturgie – in der Sprache der Töne. Musik hat ja in der biblischen Religion einen ganz hohen Stellenwert. Das kann man schon daraus sehen, dass das Wort „singen“ mit den zugehörigen Wörtern wie „Gesang“ eines der meistgebrauchten Wörter der Bibel überhaupt ist. „Wo der Mensch mit Gott in Berührung kommt, reicht das bloße Reden nicht mehr aus“, schreibt Papst Benedikt XVI.

Gehen wir nochmals zurück nach Santa Maria Maggiore: Dort auf dem Triumphbogen ganz unten sind die beiden Städte Bethlehem und Jerusalem abgebildet. Bethlehem: Das ist das ganze Leben von Helmut Wlasak: Die Verkündigung des Wortes Gottes in Wort und Musik, in seinem Zeugnis als Christ, als Ritter des Heiligen Grabes zu Jerusalem.
Nun darf er einziehen in das himmlische Jerusalem; der Thron Gottes im Himmel wird nicht leer sein; dort sitzt Christus, der zu ihm sagen wird: Ich war traurig und niedergeschlagen, du hast mich aufgeheitert, mir Mut gemacht durch dein Schauspiel, deine Worte und deine Musik. Ich war hungrig und durstig und obdachlos und du hast mir geholfen durch deine Gabe und dein Teilen; ich war innerlich gefangen von Problemen und Sorgen und du hast mir zugehört und mich aufgerichtet. Ich habe Freundschaft gesucht und du hast sie erwidert durch deine Güte und Liebenswürdigkeit. Geh‘ nun ein in die Freude deines Herrn! Zieh‘ ein in mein himmlisches Jerusalem! Amen.

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