Pfarrer Jakob Patsch, Hall in Tirol

Benedikt XVI. hat aus Anlass des 50. Jahrestages des Zweiten Vatikanischen Konzils ein „Jahr des Glaubens“ ausgerufen. Es ist die Einladung, sich neu mit zentralen Themen des Glaubens auseinanderzusetzen. Jesus Christus ist die Mitte unseres Glaubens. Fragen wir uns zunächst, was wir von Jesus von Nazaret wissen bzw. wissen können:
Jesus hat gelebt. Ihn als Legendengestalt abzutun, zeugt schlicht von Unwissen. Alle Schriften des Neuen Testamentes sind historische Zeugnisse für die irdische Existenz Jesu. Die älteste von ihnen, der erste Thessalonicherbrief, entstand ziemlich genau 20 Jahre nach dem Tod Jesu. Da gab es im heutigen Saloniki schon eine Gemeinde, die sich auf Jesus berief. Paulus hat ihr einen Brief geschrieben. Auch bei vielen Historikern des Altertums finden sich Hinweise auf die sich sehr rasch im römischen Reich ausbreitende Jesusbewegung.
Zwar wissen wir nicht, in welchem Jahr genau Jesus geboren wurde, in welchem Jahr genau er starb. Jedoch ein Blick in jedes einschlägige Lexikon kann einen überzeugen, dass wir bei vielen Größen der Antike weder das genaue Geburtsjahr noch Todesjahr, noch den genauen Geburtsort kennen.
Wir können aus den Evangelien ein deutliches Profil von Jesu Lebensart und Lehre gewinnen, vor allem die Gleichnisse geben uns ein anschauliches Bild von der Art und Weise seines Denkens und seiner Lehre. In ihnen, etwa im Gleichnis vom verlorenen Sohn, begegnet uns sozusagen das Urgestein der Verkündigung Jesu, auch wenn man nicht jeden Satz oder Halbsatz als eine protokollarische Wiedergabe des „Originaltons Jesu“ ansehen darf.
Im Alter von etwa 30 Jahren lässt Jesus sich von Johannes im Jordan taufen, zieht sich für kurze Zeit in die Wüste zurück und beginnt Jünger um sich zu sammeln. Er verkündet das Evangelium vom nahegekommenen Reich Gottes. Diese Botschaft befähigt, umzukehren, das heißt der Liebe Gottes zu antworten, Gott mit ganzem Herzen zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Die Liebe zum Mitmenschen schließt auch den Feind mit ein.
In den Wundern, die Jesus wirkt, sehen die Menschen unmittelbar Gott am Werk: Kranke werden geheilt, Menschen von Dämonen befreit, sogar der Tod verliert in der Gegenwart Jesu seine Macht. Die Wunder sind kein „Selbstzweck“, sondern Zeichen dafür, dass in seiner Person das Reich Gottes anbricht.
Der Tod am Kreuz ist das geschichtlich gesichertste Ereignis im Leben Jesu und wird auch von außerchristlichen Quellen bezeugt. Wie wir aus allen Schriften des Neuen Testaments wissen, war er für die frühe Christenheit ein nur schwer zu bewältigendes Problem. Aber gerade diese Schwierigkeit spricht noch einmal für Historizität.
Bei einem Besuch Jesu angesichts des Osterfestes in Jerusalem kommt es zum Konflikt mit der Priesterschaft am Tempel. Er wird offensichtlich durch die Tempelreinigung ausgelöst. Diese prophetische Zeichenhandlung hat zur Folge, dass man Jesus festnimmt und an den römischen Statthalter ausliefert. Unter dem Vorwand, dass es sich um einen politischen Aufwiegler handle, wird ihm von Pilatus kurzer Prozess gemacht. Er wird zum Tod verurteilt, nach Golgota gebracht und am Kreuz hingerichtet. Seine Anhänger müssen erleben, wie er geschunden und elend den Verbrechertod stirbt.
Bald nach seinem Tod sind die Jünger - gegen alle Erwartung, wie die Evangelien immer wieder durchblicken lassen - felsenfest überzeugt: Sie sind ihrem Herrn begegnet. Sie haben den am Kreuz Hingerichteten als den Lebendigen erfahren. Er lebt - in der ganz anderen, dem Tod enthobenen Welt Gottes. Über das Grab Jesu ist kein Gras gewachsen. Für diese Überzeugung laufen sich die Jünger die Füße wund und viele geben ihr Leben dafür hin.
Die Auferstehung selbst, die jede menschliche Vorstellungskraft sprengt, wird uns im Neuen Testament nicht geschildert, aber die Anhänger Jesu bezeugen: Gott hat sich zu Jesus bekannt, ihn vom Tod auferweckt, ihm neues Leben verliehen. Das bedeutet, dass der Tod nicht mehr das letzte Wort hat, dass in das Todesgeschick des Menschen eine Bresche gebrochen ist und auch uns unverlierbares Leben in Gott verheißen ist.
Mit dem Pfingstfest, 50 Tage nach Ostern, beginnt eine Bewegung, die diese Botschaft von Jesus, dem Christus „bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8) trägt. Es bilden sich christliche Gemeinden, zuerst im Mittelmeerraum, dann in der ganzen Welt.
Das Glaubensbekenntnis der Kirche konzentriert sich auf Beginn und Ende des Lebens Jesu, auf seine Menschwerdung, sein Sterben und seine Auferstehung. Es macht deutlich, dass Jesus wahrhaft Sohn einer menschlichen Mutter ist, also wahrhaft Mensch, aber doch auch und zugleich Anfang einer neuen Schöpfung, von Gott selbst herkommend. Gott hat in der menschlichen Geschichte gehandelt und darin sein Gesicht gezeigt bis zu dem Punkt, dass er in der Menschwerdung des Sohnes selbst in die Geschichte eingetreten ist. Jesus verdankt sich nicht der Verbindung eines Mannes und einer Frau, sondern Gottes schöpferischem Eingreifen. Ebenso hat Gott eingegriffen und sich als Herr über den Tod erwiesen, indem er Jesus nicht im Tod gelassen, sondern ihn „von den Wehen des Todes befreit und auferweckt“ hat (Apg 2,24). Damit ist alles auf den Kopf gestellt. Die Welt ist nicht mehr wie zuvor.
Wir sind eingeladen, in dieses Bekenntnis einzustimmen: Ich glaube an Gott, nicht an irgendeinen Gott, sondern an den Gott, dessen Gesicht wir in Jesus von Nazaret erkennen. Ich glaube an Jesus Christus, „er ist das Bild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15), ganz Mensch und doch ganz zu Gott gehörend.

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