Die Predigt von Abt Raimund zum Nachlesen:

Diese (Zeichen) aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. “ (Joh 20,31), so schreibt der Evangelist Johannes im Epilog seines 20. Kapitels. Alle Zeichen, alles, was Jesus gewirkt hat, sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung, das alles haben wir Evangelisten aufgeschrieben, so Johannes, damit ihr an Jesus, den Messias glaubt.

Woran glauben wir Christen in Innsbruck, in Tirol, in Europa? Diese Frage ist besonders aktuell im „Jahr des Glaubens“, das Papst Benedikt im letzten Jahr ausgerufen hat. Und es ist aktuell heute am Weißen Sonntag, an dem wir das Evangelium hören, in dem der Apostel Thomas sich schwer tut mit dem Glauben an den Auferstandenen. Man muss auch wissen, dass der Glaube an eine Auferstehung damals total unbekannt war. Denken wir nur an die Rede des Apostels Paulus auf dem Areopag in Athen, wo er auch über die Auferstehung spricht und die einen darüber spotten, andere der Reihe nach weggehen mit der Bemerkung: Darüber wollen wir dich ein andermal hören! (vgl. Apg 17,32). Ich kann erst glauben, so Thomas, wenn ich die Male der Kreuzesnägel sehe und meine Finger dorthin lege, also erst, wenn ich ihn ganz genau untersucht habe … sonst glaube ich nicht! Acht Tage später erscheint Jesus wieder seinen Jüngern und fordert Thomas auf, seine Finger in seine Hände zu legen und seine Hände in seine Seitenwunde. Und Jesus sagt zu Thomas: „Und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Joh 20,27)

Glauben wir an Jesus, den Auferstandenen
Wenn wir das Credo, das Glaubensbekenntnis durchbuchstabieren, durchmeditieren (öfters im „Jahr des Glaubens“), dann sagen ziemlich viele: Ich glaube an Gott, den Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde – das zu glauben ist nicht allzu schwer. Denn die wunderbare Schöpfung können wir sehen, angreifen, betasten. Aber zu glauben, dass Jesus, der Sohn Gottes von den Toten auferstanden ist, da tun sich viele schwer – so wie der Apostel Thomas.

Wie steht es um unseren Osterglauben? Warum feiern wir überhaupt Ostern? Nur, damit wir frei haben, Ostereier essen gleich nach dem Aschermittwoch, damit die Kinder die Nester mit den Osterhasen und Süßigkeiten im Garten suchen müssen…? Damit wir eben schöne Bräuche haben!? Was würden Sie Ihren Kindern, Ihren Jugendlichen und suchenden Menschen antworten auf die Frage: Was feiern wir zu Ostern? Oder stellen Sie sich vor, ein Journalist in der Maria-Theresien-Straße kommt auf Sie zu und stellt Ihnen diese Frage: Was feiern wir zu Ostern?


Ich versuche eine kurze Antwort:
Zu Ostern feiern wir unseren Glauben, dass wir im Sterben verwandelt, geboren werden zu einem neuen, zu einem ewigen Leben. Das bekennen wir von Jesus Christus, das erhoffen wir für uns selbst. 
Zu Ostern feiern wir unseren Glauben an das Wunder des Weiterlebens bei Gott; wir glauben an die Auferstehung der Toten. Und dieser Gott wird unsere Tränen abtrocknen und unsere Sehnsucht nach Leben erfüllen. 

Gleichzeitig feiern wir auch unseren Glauben an das Wunder der täglich kleinen Auferstehungen hier und jetzt in unserem irdischen Leben: Wenn es uns gelingt, nach Enttäuschungen, nach Niederlagen, nach Misserfolgen, nach Streit und Auseinandersetzungen neu zu beginnen; wenn wir Mut bekommen, jemand uns beisteht und hilft, oder jemand uns Trost zusagt. Das ist Auferstehung mitten im Leben.

Der im vergangenen August verstorbene emeritierte Erzbischof von Mailand, Kardinal Carlo Martini hat noch ein Jahr vor seinem Tod ein Buch herausgegeben mit dem Titel „Verlangen nach Auferstehung“. Als alter und kranker Mann stellte Martini sich selbst die Frage, was Ostern für ihn persönlich bedeute. Die Antwort gibt der Titel des Buches, und er wünscht darin allen, die unter der Last ihres Lebens leiden, dass sie das Osterfest als eine Einladung zur Hoffnung erleben mögen. Er schreibt auch, dass in jedem Menschen die Sehnsucht steckt, die Paulus im Korintherbrief als „die Hoffnung gegen alle Hoffnung“ bezeichnet hat. Wenn auch oft verschüttet, so lebt in allen Menschen das Verlangen nach einem Leben ohne Ende. Alle Menschen leben gerade nach Zeiten von Krisen, von Todesfällen, von Kriegen oder Katastrophen von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Deshalb, liebe Mitchristen, seien wir dankbar für das Geschenk des Glaubens! Sind wir uns eigentlich bewusst, wie der Glaube verhilft zu wahrem Leben, zu frohem und stabilem Leben? Was nicht heißt, dass der Glaube eine Art Versicherung darstellt! 
- Wenn wir nämlich an die Auferstehung nach dem Tode glauben, dann wissen wir, dass dieses kurze Erdenleben nach dem Tod weitergeht, dass dieses Leben auf der Erde nicht alles ist. Dann müssen wir nicht mit aller Gewalt alles Glück aus diesem jetzigen Leben herauspowern und mit Ellbogentechnik darauf aus sein, bis zum letzten Atemzug für unsere Selbstverwirklichung zu sorgen. Der fehlende Glaube an ein Weiterleben hat zur Folge, dass Menschen nur mehr auf ihr eigenes Glück schauen, nicht mehr auf das der anderen. Die Solidarität geht total verloren. Der Egoismus hat Hochkonjunktur, was wir tagtäglich erleben. Vorgestern bin ich in der Stadt bei einem Schaufenster vorbeigegangen, in dem T-Shirts ausgestellt waren. Beim schnellen Vorbeigehen glaubte ich auf einem dieser T-Shirts zu lesen: Dein Wille geschehe! Und ich dachte mir: was ist das für ein frommer Laden bzw. T-Shirt. Beim genaueren Hinsehen habe ich dann aber gelesen: Mein Wille geschehe! Es geht immer um mich: Das, was ich will, was ich mir wünsche, was ich haben will, das muss geschehen, das muss ich bekommen. Glück auf dieser Erde ist möglich – aber eben nur bruchstückhaft. Im Glauben an die Auferstehung wissen wir, dass das ewige, vollkommene Glück noch aussteht.
- Der Glaube an ein Leben nach dem Tod macht uns auch viel gelassener, freier, froher und vor allem eben solidarischer. Ohne Solidarität kann keine Gesellschaft überleben. 
- Weiters: Viele Psychologen bestätigen uns, dass der Glaube zur psychischen Gesundheit beiträgt. Menschen, die ein religiöses Leben pflegen, sind weniger von Depressionen betroffen, weniger suizidgefährdet und weniger anfällig für Suchterkrankungen. Gläubige und vor allem betende Menschen sind krisenfester, sind stabiler. Sie können mit Schicksalsschlägen besser umgehen, weil sie eine Instanz über sich wissen, vor der sie alles an- und aussprechen können. Allein das ist schon heilsam. Der gläubige Mensch gewinnt Distanz zu sich selbst, weil er alles mit den Augen Gottes sieht, eben aus einer anderen Perspektive. Durch diesen Sprung in die Transzendenz wird die schlimmste Dramatik in ein anderes Licht gerückt, sagt der Wiener Psychiater und Psychotherapeut Dr. Raphael Bonelli. Allein deshalb müsste ein Staat, müsste die Politik Religion in jeder Hinsicht unterstützen.

Liebe Gläubige!
Seien wir dankbar für unseren Glauben, für unseren Osterglauben! Geben wir ihn weiter an unsere Mitmenschen, an die Kinder, die Jugendlichen, an unsere Jungschützen, an alle, die auf der Suche sind nach Gott, „damit ihr glaubt“, wie der Evangelist Johannes schreibt, „dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen“ (Joh 20,31). Amen.

Newsletter

Wenn Sie unseren regelmäßig erscheinenden Newsletter abonnieren wollen, geben Sie bitte hier Ihre Daten ein:

Anschrift

Stift Wilten
Prämonstratenser-Chorherren
Klostergasse 7
6020 Innsbruck
Tirol, Österreich
Telefon: +43 512 583048

email


Klosterladen

An der Pforte unseres Stiftes finden Sie unseren Klosterladen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch auch auf unserer facebook-Seite


Volltextsuche

Stift Wilten, Innsbruck

powered by webEdition CMS