Ostersonntag 2013 in der Stiftskirche Wilten

„Frohlocket, ihr Chöre der Engel, frohlocket, ihr himmlischen Scharen, lasset die Posaune erschallen, preiset den Sieger, den erhabenen König! Lobsinge, du Erde, überstrahlt vom Glanz aus der Höhe!...Siehe, geschwunden ist allerorten das Dunkel….töne wider, heilige Halle, töne von des Volkes mächtigem Jubel.“Mit diesem Osterlob, dem Exultet, haben wir gestern Nacht das Hochfest der Auferstehung unseres Herrn begonnen. Auch die heutige Liturgie erstrahlt durch feierliche Musik; das Halleluja und das Gloria-Lied erklingen nach 40tägiger Fastenzeit wieder; der Altar ist festlich geschmückt; am Hochaltar steht anstelle des Fastentuches mit dem vom Kreuz abgenommen Heiland der auferstandene Christus mit der Siegesstandarte. Die Mesner haben die schönsten Paramente ausgesucht und in unseren Herzen kommt hoffentlich Osterfreude auf. 
Zur barocken Liturgie gehörte einst auch der risus paschalis, das österliche Lachen. Die Osterpredigt musste eine Geschichte enthalten, die zum Lachen reizte, sodass die Kirche von fröhlichem Gelächter widerhallte.
Apropos österliches Lachen: Wissen Sie, mit welchen Worten der neue Papst Ostern wünscht? Buenos Aires! Frei übersetzt: Frohes Eierpecken!
Gerade in barocken Kirchen hört man geradezu das Lachen im Spiel der Putten und der Ornamente – eine Art Verkündigung von der Freude über die Erlösung.
Und in der Geheimen Offenbarung sagt uns die Himmelsvision, was wir an Ostern durch den Glauben sehen. Das getötete Lamm lebt. Weil es lebt, endet unser Weinen und wird in Lachen umgewandelt (vgl. Offb 5,4f.).

Liebe Mitchristen!
Es ist uns nicht immer zum Lachen. Oft bleibt unser Lachen im Hals stecken. Jeder weiß um seine Probleme, seinen Schmerz, weiß um das große Leid der Welt. Der Auferstandene sagt uns jedoch: Leid und Schmerz wird es immer geben, so lange es diese Erde gibt. Aber ich gehe mit dir auf deinem Lebensweg, auch wenn es oft ein Leidensweg ist. Ich bin bei Dir als Dein Freund. Du bist nicht allein. 

Jeder von uns könnte hier viele Erfahrungen aus seinem Leben erzählen, in denen er tiefe Freude erfahren hat. Die größten Freuden werden wohl die Begegnungen mit echten Freunden sein. Der große Theologe Eugen Biser meint, dass der tragende Christusbegriff des 21. Jahrhunderts nicht der leidende Christus ist oder der erhöhte Herr, sondern Christus als Freund. Gerade in einer Epoche der Einsamkeiten, der Depressionen, der Singles und der Trennungen suchen die Menschen Christus als Freund.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte,… vielmehr habe ich euch Freunde genannt“ (Joh 15,15). Ein Freund steht immer zu mir. Er verlässt mich nie. Er bleibt treu – auch und besonders in Zeiten der Krise und der Not. Er bleibt immer an meiner Seite. Der Evangelist Johannes verwendet in seinem Evangelium das Wort „bleiben“ 41 Mal und in seinen Briefen 22 Mal. Das griechische Wort menein, bleiben ist auf Dauer angelegt, nicht nur für eine bestimmte Zeit, wie heute oft in Freundschaften oder Ehen. Freundschaft ist nicht auf einen momentanen Effekt, auf ein Glücksgefühl oder Liebesrausch angelegt, sondern auf Dauer. Ich bleibe bei euch – für immer. Diese Lebensgemeinschaft mit Christus gibt uns auch die Kraft zur gegenseitigen Liebe unter uns Menschen. Geschwisterliche Liebe ist ja das Kennzeichen des neuen, des österlichen Menschen. 

Dann wird euer Herz sich freuen und eure Freude wird euch niemand nehmen“ (Joh 16,22). Freunde bringen Freude in mein Leben, Licht, ein Stück Auferstehung. Und das ist für den Menschen lebensnotwendig. Amerikanische Mediziner haben festgestellt, dass die Freude nicht nur der Seele, sondern auch dem Körper guttut, dass sie Bedingung dafür sein kann, dass Krankheiten weniger auftreten und schneller heilen. Die wohltuende Wirkung der Freude war schon den Weisen des Alten Testamentes bekannt. So heißt es im Buch der Sprüche: „Ein fröhliches Herz tut auch dem Körper gut“ (17,22). Es gibt nichts Schöneres und kaum etwas Gesünderes als die Freude und damit das österliche Lachen.

Liebe Festgemeinde!
Tauchen wir ein in diese Freude von Ostern! Es ist der auferstandene Herr selbst, der uns als Freund zur Seite steht, der uns durchs Leben begleitet in Freud und Leid und dessen Freundschaft uns mit tiefer Freude erfüllt. Eigentlich könnten wir jeden Tag Ostern feiern. Wir haben keinen Grund, verbissen und verkrampft und mit hängender Miene durchs Leben zu gehen. Selbst wenn wir keinen Erfolg hätten; selbst wenn alle Freunde uns verlassen würden, wenn Menschen uns hassen: Wir haben die Gewissheit: Jesus, der Auferstandene ist unser Freund. Er begleitet uns auf unserem Weg. Und er führt uns hinüber ins neue Leben, in dem wir einst die vollkommene Freude und die nie endende Freundschaft erfahren dürfen. Amen. Halleluja.

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