Herz-Jesu-Sonntag 2013 in der Stiftskirche Wilten

Die Predigt von Abt Raimund Schreier zum Nachlesen:

GOTT HAT UNS IN SEIN HERZ GESCHRIEBEN

1. Im Gebet dürfen wir alles ins Herz Jesu schreiben
Abt Andreas Mayr, der beim Studium in Italien mit dem neuen Lebensgefühl des Barock in Berührung gekommen war, beschloss einen Neubau der längst schadhaft und baufällig gewordenen gotischen Wiltener Stiftskirche.
So ließ er 1644 Grabungen durchführen. Dabei stürzte der gotische Turm ein und zerstörte die Klosterkirche. Sieben Jahre lang blieb die Stiftskirche eine traurige Ruine, bis dann eben die heutige Barockkirche gebaut werden konnte. Die Trümmer der alten Kirche wurden dabei als starkes und stützendes Steinfundament verwendet. Das Einzige, was beim Einsturz der Kirche unversehrt blieb, war das gotische Kruzifix, weshalb es im Volk große Verehrung genoss. Dieses Kreuz hängt heute noch am so genannten Kreuzaltar. Es genießt nicht nur größtes Ansehen bei Kunsthistorikern; es hat große Bedeutung für uns Prämonstratenser und für viele Gläubige. Dieses Kreuz hat nämlich eine weite offene Seitenwunde. In diese Wunde – so wird überliefert - hatten die Prämonstratenser ihre unterschriebene Profess, ihre feierlichen Gelübde hineingelegt, um deutlich zu machen, dass sie sich ganz Christus schenken, sich ganz seinem Herzen anvertrauen. Auch Gläubige hätten damals kleine Zettel mit ihren Anliegen in die Wunde gesteckt. Sie hatten Jesus ihre Gebete buchstäblich ins Herz geschrieben.
Liebe Mitchristen! Alles, was uns zu Herzen geht, was uns im Herzen bewegt, was uns am Herzen liegt, das dürfen wir dem Herzen Jesu anvertrauen:
Ja, wir dürfen dem Herzen Jesu unser Herz ausschütten. Und wir haben ja alle so vieles, was uns bedrückt, wo wir oft nicht mehr ein und aus wissen. Alles, ja wirklich alles dürfen wir im Gebet Gott vertrauensvoll ans Herz legen.
Herz-Jesu-Fest ist also nicht ein verkitschtes und mit süßlichen Darstellungen geschmücktes Fest: Es ist vor allem das Fest unseres Glaubens: Denn Gebet ist sprechender Glaube. Im Gebet dürfen wir alles ins Herz Jesu schreiben. Der große Theologe Karl Rahner wurde einmal gefragt, warum er glaube. Seine Antwort: „Ich glaube, weil ich bete“. Im Gebet kommen wir in Berührung mit Gott, in Berührung mit seinem Herzen.


2. Gott hat uns in sein Herz geschlossen
Das Buch Jeremia im Alten Testament erzählt, wie Gott seinerseits sein Anliegen den Menschen ins Herz schreiben möchte. Israel hat den Bund wieder einmal gebrochen. Gott jedoch widerruft seinen Bund nicht, nein, im Gegenteil; er sagt: „Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz“ (Jer 31,33).
Und dieses Gesetz – es ist das wichtigste und das erste - heißt Liebe. Gott senkt seine Liebe in die Herzen der Menschen. Denn er hat uns Menschen voll und ganz in sein Herz geschlossen. Er liebt uns unendlich, grenzenlos, ohne Vorbehalte, ohne wenn und aber.
Der Apostel Paulus bringt diese schönste Nachricht der Welt in wenigen Worten zum Ausdruck, wenn er am Beginn seines Römerbriefes schreibt: „An alle in Rom, die von Gott geliebt sind …“. Und am Anfang des 5. Kapitels dieses Briefes - wir haben es eben in der zweiten Lesung gehört - da schreibt er: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen“ (Röm 5,5).
Wir sind Gottes geliebte Söhne und Töchter. Gott liebt uns; er hat uns in sein Herz geschlossen; und deshalb geht er mit uns, ist er bei uns, trägt er uns.

3. Mysterium des Herz-Jesu-Festes weiter erzählen
Die Botschaft des Herz-Jesu-Festes heißt also: Wir dürfen alles seinem Herzen anvertrauen, weil er uns in sein Herz geschlossen hat.
Diese wunderbare Botschaft ist vielen Männern und Frauen ans Herz gewachsen, hat sie getroffen und bewegt. Sie haben sie selber erfahren dürfen und deshalb weitererzählt, verkündet.
So auch unser Ordensgründer, der hl. Norbert von Xanten. Diese glückbringende Nachricht hat auch sein Herz entflammt. Er ist durch Deutschland, Belgien und Frankreich gezogen, um diese frohe Botschaft weiter zu tragen. Und er hat Frieden gestiftet zwischen streitenden Parteien und Familien, damit die Menschen wieder „ein Herz und eine Seele“ seien.
Norbert hat mit dieser Botschaft vor allem junge Männer begeistert und angesteckt, die wie er diese Botschaft weitersagen und gemeinsam erfahren sollten: Es sind seine geistlichen Söhne, die Prämonstratenser, die seit fast 900 Jahren das Evangelium = die frohe Botschaft den Menschen verkünden und sie auch feiern, so wie wir heute in dieser Abteikirche: Die Botschaft vom Herzen Jesu, die da heißt:
• Gott hat uns Menschen ins Herz geschlossen, in sein Herz geschrieben;
• deshalb dürfen wir Menschen alles ins Herz Jesu schreiben; wir dürfen ihm alles ans Herz legen, so wie die Menschen damals in unserer ehemals gotischen Stiftskirche.
Liebe Brüder und Schwestern, verehren wir weiterhin das Herz Jesu, das kostbarste Juwel unseres Landes, unserer Kirche, unseres Lebens! Und hören wir nie auf, als Getaufte etwas von der Güte und Liebe dieses Erlöserherzens in unsere Zeit auszustrahlen! Amen.

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