Abt Raimund Schreier OPraem bei der Predigt vor dem St. Bartlmäekirchlein in Wilten

„Wer ist der Schutzpatron in Steuersachen?“, fragt der Pfarrer die Gemeinde. Antwort: „Der hl. Bartholomäus. Dem wurde bei lebendigem Leib die Haut abgezogen.“
Spaß beiseite: Bartholomäus – der Name kommt von bar Tolmai, Sohn des Tolmai (Furchenzieher). Wir finden ihn in den Apostellisten des Neuen Testamentes. Der Tradition nach soll er vor allem in Indien, Mesopotamien, und Armenien gewirkt haben. Er gehört also zum Zwölferkreis, zu den zwölf Aposteln. Bartholomäus, der die persische Todesstrafe erhalten haben soll, nämlich die Enthäutung, ist Patron der Buchbinder, Gerber, Handschuhmacher, Lederarbeiter, der Hirten, der Schneider und Schuhmacher und vieler anderer. Als Apostel ist er für mich vor allem Patron der Mission, Vorbild entschiedener Nachfolge Jesu.
Das griechische Wort apóstolos (ἀπόστολος) kommt vom Verbum apostéllo (ἀπόστέλλω) und bedeutet senden, ausschicken. Dieses Wort kommt im Neuen Testament 132mal vor und wird in der lateinischen Vulgata übersetzt mit dem Verbum mittere, Partizip Perfekt ist dann missus. Daher kommt das bekannte Wort Mission. Wir werden ausgesandt, geschickt, die Frohbotschaft zu verkünden. Am Ende der heiligen Messe heißt es im Lateinischen: Ite, missa est. Das heißt so viel wie: Geht, ihr seid gesandt! Es beginnt nun die Sendung. Das, was du in der Messe (missa) empfangen, gehört hast, das musst du jetzt weitertragen, nämlich die Botschaft Jesu, ja Christus selber.

Als Getaufte und Gefirmte sind wir alle Missionare: Wir sind gesandt, das Evangelium weiter zu tragen. Das muss nicht in Afrika oder in Ozeanien sein. Mission beginnt in der nächsten Umgebung, in der Kirche vor Ort. Das ist gar nicht einfach. Das hängt auch damit zusammen, dass wir Christen oft wenig Faszination ausüben, schon gar nicht auf die Jugend. Es fehlt uns die Überzeugung, dass wir eine Mission haben, dass wir auf die Menschen zugehen müssen, dass wir eine „Geh-hin-Kirche“ sind und nicht eine „Komm-her-Kirche“. Uns fehlt das Feuer des Evangeliums.

Mit dem Evangelium haben wir nämlich eine Botschaft, für die es in der Welt keine bessere Alternative gibt. Aber bevor wir evangelisieren, müssen wir uns selbst evangelisieren lassen. Deshalb ist der erste Schritt, das Evangelium täglich zu lesen, es zu meditieren, immer wieder zu reflektieren. Erst dann können wir das Evangelium verkünden, in Worten, aber ganz besonders durch unser Beispiel.
Sie alle haben sicher eine Bibel zuhause. Nehmen wir sie immer wieder vom Regal herunter, lesen wir vor allem aus den vier Evangelien, der Apostelgeschichte oder den verschiedenen Briefen, damit wir wissen, was wir weitertragen und vor allem leben sollen. Lesen wir allein oder mit der Familie oder mit Freunden und versuchen wir jeden Tag einen Gedanken, einen Satz konkret zu leben.
Man muss es ja nicht gleich so wörtlich nehmen wie der Bub, der von der Bibelstunde heimgekommen ist und so fasziniert war, dass er zur Mutter gesagt hat: Du Mama, ab jetzt sollten wir uns nur mehr noch mit biblischen Sätzen unterhalten. Die Mutter war einverstanden. Am nächsten Morgen ist die Mutter ins Schlafzimmer des Buben gegangen und hat gesagt: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Darauf er: Frau, meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Aber zurück zur Bibel: Ich möchte Ihnen heute ein kleines Büchlein mitgeben, das auch in die Rocktasche oder sonst in eine Tasche passt, damit Sie jede Zeit nützen, um darin zu lesen - vielleicht in der Straßenbahn, im Wartezimmer des Arztes, des Friseurs oder wo immer wir einige freie Minuten haben: Es ist das Evangelium des Lukas sowie die Apostelgeschichte, auch von Lukas. Nehmen wir es immer wieder zur Hand und meditieren wir die Worte Gottes, die dann Leben werden sollten.

Wie können wir heute das Evangelium weitergeben?
Zunächst im Wort:
Das, was wir gelesen, gehört, meditiert haben, sollen wir als Missionare weitergeben: In der Familie, in einer Gemeinschaft, in Glaubensgesprächen einer Pfarrgemeinde, im Gesprächskreis für Eltern, beim Bibelteilen, bei Kinderbibeltagen, beim Bibelwandern, bei Wallfahrten, bei einer Diskussion mit Freunden und vielen anderen Gelegenheiten.
Weitergeben aber dann vor allem In der Tat: Weitergegeben werden soll die Frohbotschaft Jesu vor allem durch das gelebte Wort, durch die Nächstenliebe.
Weitergabe des Glaubens, Mission braucht das gelebte Zeugnis der Nachfolge Jesu, der durch die Städte und Dörfer gezogen ist, um die frohe Botschaft zu verkünden und den Menschen in ihrer Not zu helfen (vgl. Mt 9,35). Das Geheimnis unserer Mission liegt vor allem in einem überzeugenden christlichen Leben. Wort und Handeln müssen zusammenkommen. Der Religionslehrer, der nicht nur vom Glauben redet, sondern ihn authentisch lebt. Die Caritas-Mitarbeiterin, die der Liebe Christi ihr eigenes Gesicht gibt; die Eltern, die mit ihrem Kind abends an der Bettkante beten; die Familie, die ihren bettlägerigen Vater zu Hause pflegt. Sie alle sind lebendiges Evangelium.
Aus Russland kommt die Legende vom hl. Dimitrij. Der war mit Gott verabredet, draußen in der Steppe. Er beeilte sich, um rechtzeitig zur Stelle zu sein. Da begegnete er einem Bauern, der sich mit seinem Karren im Dreck festgefahren hatte. Sofort half Dimitrij dem Bauern, den Wagen wieder frei zu bekommen. Mühsam genug in dem Schlamm. Wie das so ist, wenn jemand festgefahren ist. Mehr als eine Stunde hatten beide alle Hände voll zu tun. Als nun der Karren endlich wieder flott war, lief der Heilige so schnell er konnte zum verabredeten Ort in der Steppe. Aber Gott war nicht mehr da. Da nicht! Aber er war da, als Dimitrij dem Bauern geholfen hatte.

Christen, die mitten im Lebensalltag geistliches Profil zeigen – unaufdringlich, aber erkennbar, die lassen auch heute aufhorchen. Missionare einer apostolischen Kirche sind also Christen, die erfüllt sind vom Wort Gottes, es weitertragen, und die durch ihr gelebtes Beispiel faszinieren.
Heiliger Apostel Bartholomäus, hilf uns, glaubwürdige Apostel und Missionare zu sein! AMEN.

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