Eucharistiefeier in der Jesuitenkirche

Das heutige Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, das die westliche Kirche seit dem 5. Jahrhundert feiert, ist seit dem 8. Jahrhundert mit einem sehr schönen Brauch verbunden, mit der Kräuterweihe. Und so habe ich eine Predigt vorbereitet zu diesem Thema. Aber dann habe ich mir gedacht: Ohne Kräutersträuße und ohne Segnung wird das wohl eher eine trockene Predigt und habe sie wieder beiseitegelegt und nach anderen Gedanken gesucht. Da bekam ich einen Anruf von den Damen des Bataillonsausschusses, von Frau Maria Luise Feichtner und Frau Angelika Rott, die mir ihren Wunsch mitgeteilt haben: nämlich Kräutersträuße zur heutigen Messe mitzubringen, um diesen Brauch wieder aufleben zu lassen. Ich habe sie dann gebeten, auch noch einige kleine Kräuterbuschen mitzubringen, damit wir stellvertretend für alle einigen Ehrengästen diese überreichen können. Vielen Dank für Idee und für die wunderschön duftenden Kräutersträuße.

Der Glaube, dass Pflanzen vom August-Vollmond besonders „zauberkräftig“ sind, geht auf alte germanische und keltische Bräuche zurück. So feierte man in der Mitte des August das Fest des Sonnengottes, der mit der Hitze auch den Pflanzen besondere Kräfte verleiht. Missionare wie ein Bonifatius haben die bestehenden heidnischen Feste und Rituale ins Christentum übernommen, um so den Übergang zum Glauben für die Neubekehrten zu erleichtern und verständlicher zu machen.
Und es ist tief in der Geschichte der Menschen verankert und in allen Religionen greifbar, dass die heilende Kraft von Pflanzen auf göttlichen Zuspruch zurückgeführt wird. So kommt auch der christliche Brauch, Heilkräuter zu segnen aus der Erfahrung, dass unser Schöpfer den Menschen Heil schenkt, dass er es ist, der uns Menschen an Leib und Seele heilen kann.
Die Natur ist voll von Gottes heilender Kraft. Und diese heilende Kraft zeigt sich eben in den Heilkräutern, die traditionellerweise zu einem schönen Buschen zusammengebunden werden: Kamille, Lavendel, Salbei, Thymian, Arnika, wie auch duftende Blumen, wie das Veilchen als Zeichen der Demut, die Anemone als Symbol der Mutterliebe, und die Königskerze oder blaue Kornblume, die an den blauen Mantel der Mutter Gottes erinnert – blau, die Farbe des Himmels und damit des heilenden Gottes.
Die gesegneten Sträuße werden dann mit nach Hause genommen und unter das Kreuz, in den Herrgottswinkel gelegt, dort, wo die Familie miteinander betet. So fühlt sich die ganze Familie gesegnet.

Die Heilkräuter erinnern uns vor allem daran, dass Gott uns Heil schenkt, dass er uns heilt.
Der berühmte Psychologe C. G. Jung hat die Erfahrung gemacht, dass die eigentliche Heilung von Krankheiten erst dann eintritt, wenn der Mensch Zugang zum Numinosen, zum Heiligen bekommt. Und die transpersonale Psychologie möchte den Menschen in das innere Heiligtum führen; denn sie glaubt, dass alle anderen Heilungsversuche nur die Symptome betreffen. Wirklich geheilt ist ein Mensch erst dann, wenn er in Berührung kommt mit seinem innersten Raum, in dem Gott, der Heilige wohnt. Es ist Jesus Christus, den der Arzt und Evangelist Lukas immer wieder als Heiland bezeichnet, weil er viele Menschen geheilt hat und heilt.
Nur dort, in diesem innersten Raum, ist der Mensch heil und ganz. Dort ist er ganz er selbst. Dort haben krankmachende Gedanken keinen Zutritt. Dieser innerste Ort ist unerreichbar für die Erwartungen und Ansprüche, die Urteile und Vorurteile der Menschen. In diesem Raum kann mich niemand verletzen, hat niemand Macht über mich. Deshalb empfiehlt die transpersonale Psychologie die Meditation und Zeiten der Stille, damit der Mensch in diesen inneren Raum gelangt, in dem er das Heilige in sich erlebt. Dort geschieht wahre Heilung. Denn nur Gott, der Heilige, heilt wirklich. Von diesem heilen Raum her relativiert sich jede Krankheit. Sie hat uns nicht mehr im Griff. Wir sind nicht als Ganzer krank, unser Kern ist gesund und heil, weil er eingetaucht ist in das Heilige.
Maria, die erste Christin, sie, die Christus unter ihrem Herzen getragen hat, sie will uns hinführen zum Heiland. Und sie flüstert uns ins Ohr wie eine Mutter: Tut, was er euch sagt! Hört auf ihn! Lebt sein Wort, sein Evangelium und ihr werdet gesund und heil!

Damit es Heil gibt hier in unserem Diesseits, müssen auch wir als Christen unseren Beitrag leisten gleichsam als anderer Heiland.
Versuchen wir alles zu tun, um unsere Beziehungen zu heilen; indem wir Frieden stiften in Konfliktsituationen, indem wir verzeihen, indem wir uns versöhnen, uns entschuldigen, wenn wir Schuld auf uns geladen haben!
Schaffen wir eine heile Atmosphäre um uns herum, indem wir die Worte behutsam wählen, einander aufrichten, loben, anerkennende Worte schenken, zuhören, gut hinhören auf das, was der andere sagt; indem wir Zeit schenken! Seien wir dankbar für alle Geschenke des Lebens: Ich habe zwei Augen, um viel Schönes zu sehen; zwei Füße, um zu laufen und zu springen. Ich kann singen und arbeiten; ich kann verliebt sein, ich habe Freude. Dankbare Menschen vermitteln heilende Ausstrahlung.
Auch frohe und zufriedene Menschen können für uns Heil bedeuten: Sie stecken uns an mit ihrer Fröhlichkeit, Herzlichkeit, mit ihrem Humor.
Denken wir positiv, optimistisch! Vergessen wir nie - gerade in schwierigen Situationen: Hinter den Wolken scheint immer die Sonne. Gedanken voller Sonne verzehnfachen unsere Verstandeskraft und unsere Willensstärke und machen aus uns glückliche Menschen.
Vermitteln wir Heil, indem wir auf die Menschen zugehen, sie ansprechen, sie grüßen. Heil! oder Heile! – so grüßt der ein oder andere Jugendliche. Die Italiener verwenden das alte lateinische Wort Salve! Das kommt von salvus, heil. Salve bedeutet also: bleib gesund, bleib heil, sei gegrüßt! Und wenn die Schützen uns einen Salut schießen, dann kommt dieses Wort wiederum von salus, Heil, Gesundheit. Sie grüßen uns und wünschen uns Heil in unserem Leben.
Und weiters: Verschließen wir uns nicht! Isolieren wir uns nicht in unserem Ego. Seien wir offen für die Menschen: Teilen wir! Helfen wir Menschen in Not! Es ist schön, wenn heute wieder Frauen und Männer aus Tirol und Südtirol geehrt werden, die ihr Leben eingesetzt haben, um das gefährdete Leben anderer zu retten. Wir ehren Mitbürger und Mitbürgerinnen, die viel Zeit, Talente und Charismen verschenkt haben in ihren Gemeinden, in ihren Institutionen, Gemeinschaften, Verbänden und Vereinen. Wir sind mitverantwortlich für das Heil unter uns Menschen. Wenn wir so handeln, dann verbreiten wir den Wohlgeruch Christi, den Duft der Liebe und des Heilens – so wie unsere Kräuter und Blumen.

Liebe Andächtige!
Im Sommer stehen die Kräuter in ihrer voller Kraft. Deshalb haben viele Kulturen des ersten Jahrtausends in der Mitte des Sommers ein erstes Erntedankfest gefeiert. So wird das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel mitten im Sommer zum geistlichen Erntedankfest: Wie Maria dürfen auch wir Menschen einmal mit Leib und Seele auferstehen und bei Gott sein, der uns ewiges Heil schenkt. Dabei bringen wir auch unsere Ernte ein. Das ist nicht Geld, nicht Karriere, nicht Ansehen, sondern es sind die duftenden Kräuter der Liebe, die wir hier auf Erden verschenkt haben. So sei es!

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