„Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt“ (Mt 2,9) – so haben wir eben im Matthäusevangelium gehört, wie auch gestern Abend vom Evangelisten beim Weihnachtsoratorium von J. S. Bach.

Von diesem Stern werden unsere Sängerknaben während der Kommunion noch singen mit der berühmten Weise „Weihnachtsstern“. Und im Dankgesang werden wir wiederum von diesem Stern hören: „Ein Stern mit hellem Brande drei König rief geschwind aus fernem Morgenlande zum neugebor‘nen Kind“.

In der Weihnachtszeit ist oft von den Sternen oder dem Stern die Rede: Wir hängen Strohsterne auf den Christbaum und schmücken unsere Wohnung mit den Blumen, dem sogenannten Weihnachtsstern. Und die Sternsinger haben neben den Königen einen Sternträger bei sich.

Im griechisch-römischen Bereich finden wir auf verschiedensten Münzen großer Herrscher wie Augustus oder Cäsar einen Stern über dem Kopf. Mit diesem Stern wurde die Gegenwart der helfenden Gottheit im Leben des Herrschers zum Ausdruck gebracht. Aber auch im jüdischen Bereich finden sich Münzen, auf denen ein Stern besonders den Königsgedanken zum Ausdruck bringen soll – so auch bei Herodes, später bei Bar Kochba, dem „Sternensohn“.

Zurück zur Kindheitsgeschichte des Evangelisten Matthäus: Ein Stern erstrahlt – aber nicht über dem König Herodes, sondern über dem Ort, an dem der neugeborene König in einer Krippe liegt: Es ist Jesus, der Messias.

Über diesen Stern wurde viel geforscht. Er wird schon im alten Israel, im Buch Numeri vorhergesagt: „Ein Stern geht auf aus Jakob“ (Num 24,17). Kein Geringerer als der bekannte Astronom Johannes Kepler hat über diesen Stern seine mathematischen Berechnungen angestellt, als er in Prag ein auffallendes Naturereignis am Sternhimmel beobachten konnte. Am 10. Oktober 1604 erschien plötzlich am Fuße des Schlangenträgers, des Serpentarius ein neuer Stern. Aber lange vorher hatte auch schon ein Claudius Ptolemäus, der bedeutendste Astronom der Antike im 2. Jahrhundert nach Christus geforscht. Von großer Bedeutung war auch die im Jahre 1925 entdeckte fast zweitausend Jahre alte babylonische Keilschrifttafel, auf der alle wichtigsten astronomischen Ereignisse des Jahres 7 vor Christus notiert sind. Tatsächlich – so sind sich alle ziemlich einig, gab es im Jahre 7 vor Christus, das auch von den Exegeten als Geburtsjahr Jesu angenommen wird, eine Begegnung zwischen Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische. Übrigens findet eine dreimalige Konjunktion im gleichen Sternbild des Tierkreises nur alle 794 Jahre statt, zuletzt in den Jahren 1940 und 1941.Der Planet Jupiter galt im Altertum als der Stern des Weltherrschers. Er ist der Königsstern. Saturn galt als der Stern der Juden.

Die Magier, diese gelehrten Sterndeuter haben wohl auf der Keilschrifttafel die Botschaft gefunden: „wenn das und das geschieht, dann wird ein großer König im Westen aufstehen, dann wird Gerechtigkeit, Friede und Freude in allen Landen herrschen und alle Völker beglücken“. Und so haben sie sich wohl aus dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, dem klassischen Land der Sternbeobachtungen im Altertum auf einen etwa 1200 km langen Weg gemacht, um diesen neugeborenen König zu finden.

Der Stern der Weisen war also eine sichtbare Realität am Himmel; er war ein Zeichen Gottes: Hier ist der neue König. Vor ihm allein dürfen wir niederfallen und ihn anbeten. Mit diesem Stern geht den Sterndeutern und hoffentlich auch uns ein neues Licht auf. Der wahre Stern ist nicht am Himmel zu finden, sondern auf der Erde, in unserem Fleisch und Blut. 

Jesus Christus ist der Stern, der Star. Vor Jahren gab es das Musical „Jesus Christ Superstar“. In Jesus leuchtet uns wirklich ein Hoffnungslicht, ein Hoffnungsstern auf, der uns Orientierungshilfe ist, so wie die Sterne für die Schiffskapitäne auf weiter See. Jesus zeigt uns den Weg zu einem geglückten, zu einem sinnvollen, zu einem heilsamen Leben. Er zeigt uns Hoffnungsperspektiven in Krankheit, in Depression, in Leid und Tod. Wenn wir auf Jesus schauen, den Hoffnungsstern, dann bekommen wir wieder Orientierung auf unserem Lebensweg.

Möge es im kommenden Jahr viele solcher Sternstunden geben: Stunden, in denen wir diesen Stern über unserem Leben entdecken, den Superstar, der uns aufleuchtet, wenn wir seine Worte lesen, meditieren, wenn wir zu ihm beten, wenn wir ihm in den Sakramenten oder im Mitmenschen begegnen. Dann finden wir Freude am Leben – wie die Magier zu Bethlehem: „Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt“ (Mt 2,10). SO SEI ES.

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