Am vergangenen Mittwoch ist die Pariser Basilika Sacre Coeur von Vandalen beschmiert worden. Im Eingangsbereich der Kirche fand man große rote und schwarze Aufschriften wie „Nieder mit Gott“, „Feuer den Kapellen“ oder „Fuck Tourism“. Unbekannte haben die Bronzetüren, Mauern und Bodenplatten so wie Säulen des Gotteshauses besprüht.

Nieder mit Gott“, „Gott ist tot“ – solche Parolen gab es immer wieder im Laufe der Geschichte. Denken wir an die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in den USA, wo diese Theologie „Death of God“ sich ausbreitete, zurückgehend auf ein Zitat des deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts Friedrich Nietzsche. Gehen wir zurück an den Anfang der Menschheitsgeschichte: Im Bericht vom Buch Genesis heißt es, dass der Mensch werden wollte wie Gott. Das ist keine Legende, das wiederholt sich tagtäglich.

Auch, wenn ich solche Schmieraktionen wie jetzt in Paris verurteile, steht es mir nicht zu, über diese Täter zu urteilen. Vielleicht stecken hinter diesen Parolen und Aktionen Sehnsüchte und Bewegtheiten vieler Menschen, der Durst nach einem Horizont der Hoffnung? Ist es vielleicht der Schrei nach der Fülle des Lebens, die Jesus im heutigen Evangelium der Frau aus Samaria am Jakobsbrunnen verheißt? „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ (Joh 4,14)

Aus einem Brunnen in der Wüste kann man bestenfalls abgestandenes Wasser schöpfen, um den eigenen Durst zu stillen. Gott ist hingegen wie eine sprudelnde Quelle für das Leben der Menschen. Eine Welt, die staubig und müde geworden ist, möchte er erfrischen und ihr neues Leben einhauchen.

Wir Christen sind gerufen, den Menschen von heute wieder Hoffnung zu schenken, indem wir ihnen dieses lebendige Wasser reichen; indem wir nicht so sehr auf uns selbst vertrauen. Denn der Mensch, der nur sich selber vertraut, nur auf sein Ego schaut, der läuft Gefahr, sich in sich selbst zu verschließen. Und so sieht er keinen Horizont mehr. Deshalb braucht es die vorgelebte Demut: Im Sinne von aus-sich-herausgehen, sich anvertrauen, sich öffnen, auf den Humus (humilitas = Demut), den Boden der Wirklichkeit steigen, sich helfen lassen, was wir nicht gerne tun. Denn ich kann ja für mich selber sorgen. Ich brauche keine anderen!

Der heutige dritte Fastensonntag heißt auch „Oculi“, benannt nach den ersten Worten der lateinischen Bibelübersetzung des 25. Psalms, den unsere Choralschola im Introitus gesungen hat: „Oculi mei semper ad Dominum“, „Meine Augen schauen stets auf den Herrn. Denn er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen.“ Es gelingt uns nicht immer, aus eigener Kraft der Falle unserer Gewohnheiten, der Falle unserer Egoismen, der Verstrickung in das Böse zu entkommen. Wir brauchen Hilfe. Auf Hilfe zu vertrauen, ist keine Schande, sondern ein Zeichen von Größe.

Hier finden wir ein großes Vorbild im Propheten Elija. Er kommt nach seiner Depression in dem Moment wieder zu Kräften, in dem er dem Rat des fremden Engels vertraut. Er hat Wasser und Brot zu sich genommen und so Kraft bekommen, sich aufzumachen zum Gottesberg. Wir dürfen also der Stimme des Engels folgen, uns aufmachen, und unterwegs das Hoffen wieder lernen.

Liebe Mitchristen!

In diesen kommenden sieben Tagen können wir versuchen, unser Ego zurückzustellen, nicht in erster Linie auf uns zu vertrauen, sondern in Demut uns dem zu öffnen, der allein uns helfen kann, der allein unseren Durst nach Leben stillen kann, der uns den Horizont der Hoffnung eröffnet - der Hoffnung wider aller Hoffnung.

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