Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder!

Irgendwo in einem Krankenhaus ist ein kleiner Bub gelegen. Er sollte operiert werden. Der Vater hatte ihn ins Krankenhaus gebracht und sucht nun dem Kleinen Mut zu machen. „Papa“, sagt der Bub, „ich habe überhaupt keine Angst, wenn du bei mir bleibst. Da sagte der Vater: Gut, ich bleibe bei dir. Der Arzt hat es erlaubt und so setzt sich der Vater neben sein Kind, das nun auf dem Operationstisch liegt. Wie dann der Bub die Narkose bekommen soll, schaut er nochmals den Vater an und sagt: Papa, bist du da? Dann beginnt die Betäubung zu wirken.

Nun können Sie gehen, meint der Arzt, als der Kleine eingeschlummert war und die Operation beginnen sollte. Nein, antwortet der Vater, ich habe meinem Sohn versprochen, bei ihm zu bleiben, und so möchte ich auch bleiben – was normalerweise in einem Operationssaal nicht geht. Gut, dann bleiben Sie, sagt der Arzt. Die Operation gelingt. Als dann der Bub aus der Narkose erwacht, hält der Vater immer noch seine Hand. Da lächelt der Bub und sagt ganz leise: Papa, du bist da? Und schläft wieder ein. Er hat genau gewusst und darauf vertraut, dass sein Vater bei ihm bleibt.

Ich kenne Leute, die sehr traurig sind und mir sagen: Mein Vertrauen ist oft enttäuscht worden. Beim besten Willen kann ich niemandem mehr vertrauen. Solche Menschen sind und bleiben einsam. Sie wagen es nicht mehr, sich einem anderen Menschen anzuvertrauen. Sie möchte vertrauen, aber sie können es nicht.

Vertrauen lernt man als Kind. Als Kind darf man erfahren: Ich kann mich auf meine Eltern verlassen, auf meine Großeltern. Ihnen kann ich hundertprozentig vertrauen. Solche Kinder können dann auch später als Jugendliche oder Erwachsene anderen Menschen vertrauen. Sie trauen sich, zu vertrauen.

Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Vertrauen muss wachsen. Da braucht es viele positive Erfahrungen: Ich bin Menschen begegnet, auf die kann ich mich verlassen, denen kann ich vertrauen. Aber wir Menschen haben keine Garantie, dass das immer gut geht. Manchmal wird Vertrauen auch missbraucht, werden wir enttäuscht.

Wir Christen wissen, dass es einen gibt, dem wir immer vertrauen dürfen, der uns in seinen Händen hält, immer bei uns ist. ER hat es uns versprochen und ER hält sein Wort – so wie der Vater, der bei seinem Sohn im Operationssaal geblieben ist. Es ist GOTT. Das kann mir auch helfen, dass ich bei Enttäuschungen mit Menschen nicht depressiv werde. Dieses Vertrauen auf Gott schenkt mir auch den Mut, trotz mancher Enttäuschungen immer wieder auf Menschen zuzugehen und ihnen zu vertrauen.

Für das deutsche Wort „vertrauen“ gibt es noch ein anderes Wort: nämlich: Ich glaube Dir! Nicht: Ich glaube – im Sinne von, ich nehme an, dass morgen schönes Wetter ist; sondern: Ich vertraue dir. Ich glaube an Dich. Das lateinische Wort credere bringt es auf den Punkt: Ihr kennt das Wort CREDO – Ich glaube (Glaubensbekenntnis), und das setzt sich zusammen aus den Worten „cor“ und „dare“ = das Herz schenken. Wenn ich jemandem glaube, schenke ich ihm mein Herz, vertraue ich ihm.

Im heutigen Evangelium geht es vor allem um dieses glauben, dieses vertrauen: Es geht nicht so sehr um Lazarus, sondern um unser Vertrauen darauf, dass Jesus auferstanden ist und auch wir auferstehen werden. Die Erzählung hat viele Parallelen mit dem Osterbericht: Jesus ist aus dem Grab auferstanden. Der Stein ist weggewälzt. Das Leichentuch liegt im Grab drinnen. Auch bei Lazarus wird der Stein weggewälzt und er kommt heraus, noch eingewickelt in Leinenbinden. Und immer wieder hören wir Jesus sagen: Glaubst du das? Und Martha: Ja, Herr, ich glaube. Und später sagt Jesus wieder zu Martha: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen. Und dann sagt Jesus zu seinem Vater: Denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast. Deshalb wirkt er ja auch dieses Wunder. Und am Schluss schreibt der Evangelist Johannes: Viele der Juden, die gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

Haben wir weniger Misstrauen – trotz mancher Enttäuschungen. Trauen wir dem Leben, ver-trauen wir Menschen und vor allem: Vertrauen wir Gott! Glauben wir ihm! ER ist unser Vater, der uns unsere Hand hält. AMEN.

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