Ostern kann man schwer erklären und beschreiben. Ostern muss man feiern – und zwar in österlicher Freude. Deshalb sprechen die Texte der Osternacht und des Ostersonntags immer wieder von dieser Freude. „Frohlocket ihr Chöre der Engel“, haben wir in der Osternacht beim Exultet gesungen: „Auch du freue dich, Mutter Kirche“. Und in der Präfation von Ostern singt der Priester: „Darum jubelt heute der ganze Erdkreis in österlicher Freude“. Und nach der ersten Lesung haben wir im Antwortgesang gerufen: „Das ist der Tag, den der Herr gemacht; lasst uns frohlocken und seiner uns freuen“. Im Kommunionvers werden wir die paulinischen Worte aus dem 1. Korintherbrief hören: „So lasst uns Festmahl halten in Freude. Halleluja“. In vielen Gebeten, Liedern und liturgischen Texten hören wir von dieser Freude.

Die Freude kommt mir im Christentum und in unserer Kirche sehr oft zu kurz. Obwohl von ihr sehr oft die Rede ist – besonders in der Bibel!

Ich habe in einem alten Missale einmal nachgesehen, ob es eine Messe um die Freude gibt. Es gibt doch so viele Messen für besondere Anliegen – auch im heutigen Messbuch. Da habe ich gefunden unter anderem eine Messe „Ad postulandam serenitatem“. Ich dachte mir im ersten Moment, das ist wohl eine Messe um die Heiterkeit. Nachdem ich aber gesehen hatte, dass es auf der nächsten Seite eine Messe gab „Ad petendam pluviam“ (also die Bitte um Regen) bzw. gleich danach eine Messe „Ad repellendas tempestates“ (zur Abwehr von Gewittern) war mir klar, dass es sich hier um die Bitte um heiteres Wetter handeln muss – nicht um die Tugend der Heiterkeit oder der Freude. Ich habe Votivmessen gefunden wie „ad postulandam humilitatem“- um die Demut, „ad postulandam patientiam“ – also um die Geduld, „ad postulandam caritatem“ – die Bitte um die Liebe. Ich habe jedoch keine Messe gefunden „um die Freude“. Wenn Sie einverstanden sind, werde ich an die Ritenkongregation im Vatikan schreiben und um eine Messe „Ad postulandum gaudium“ ansuchen! :-)

Aber: Wir haben und feiern den Sonntag „Laetare“ – „Freue dich“, den vierten Fastensonntag. Wir feiern den Sonntag „Gaudete“  in der Adventzeit: das heißt übersetzt: Freuet euch!

Dann gibt es das so genannte österliche Lachen: den „risus paschalis“. Ein ganz alter Brauch, zu Ostern bei der Predigt einen Witz oder eine lustige Geschichte zu erzählen, damit die Menschen lachen und mit diesem Lachen den Tod vertreiben.

Das hat sich auch ein Philosoph wie Friedrich Nietzsche gewünscht: nämlich, dass die Christen erlöster dreinschauen sollten. Die Gesichter der Christen mögen doch die Frohbotschaft widerspiegeln. Denn das Osterfest weckt in uns Freude, und diese Freude dürfen wir auch zeigen. „Bitte lächeln!“, sagen uns die Osterbilder und therapeutischen Ostergeschichten. „Bitte lächeln!“, weil es seit Ostern einen guten Grund dafür gibt. „Bitte lächeln!“: Kein aufgesetztes Fotogrinsen, kein Fassadenlächeln, kein hinterhältiges Lächeln, kein Lächeln als Abwehr gegen den Schmerz, auch kein frommes Lächeln, das manchmal zu einer Maske wird. Ein österlicher Mensch ist erfüllt von innerer Freude, von einem österlichen Lächeln und Lachen. Natürlich kann er das Schwere der Existenz, kann er Leid und Schmerz nicht hinter sich lassen und verdrängen. Aber er weiß, dass der Auferstandene dies alles verwandeln wird. Und deshalb kann er lächeln.

Zu unserer großen Freude hat Papst Franziskus vergangenen November ein Apostolisches Schreiben herausgegeben, mit dem Titel Evangelii Gaudium – die Freude des Evangeliums. In diesem großartigen Schreiben kommt das Wort „Freude“ sehr oft vor. Gott sei Dank!

Und im Jahre 1975 hat Papst Paul VI. ein Apostolisches herausgegeben über die christliche Freude: Gaudete in Domino“ – Freut euch im Herrn.

Diese Freude finden wir besonders im Herzen der Heiligen: Als Beispiel möchte ich an den „lachenden Heiligen“, den hl. Philipp Neri erinnern. Er hat versucht mit Humor und Freude die Menschen für Gott zu gewinnen.

Eine humorvolle Geschichte von ihm möchte ich erzählen.

Eine römische Adelige war im Visier der humorvollen Glaubenspädagogik des hl. Philipp Neri. Die Principessa Camilla Doria-Pamphili hatte die Angewohnheit, unmittelbar nach der Kommunionspendung und noch vor Ende der Messfeier die Kirche zu verlassen. Der Heilige trug vier Ministranten auf, der Davoneilenden mit je einer brennenden Kerze zu folgen. Die verdutzte Principessa fragte nach dem Sinn der ungewöhnlichen Begleitung; die Erklärung lieferte der dazugekommene Philipp mit den Worten: „Principessa haben gerade den Leib Christi empfangen. Noch ist er nicht vergangen. Zu den Vorschriften der Kirche gehört: Das allerheiligste Sakrament muss mit Kerzen begleitet werden, wenn man es über die Straße trägt. Deshalb schickte ich die Kerzenträger nach.“ Camilla Doria-Pamphili kehrte daraufhin beschämt mit hochrotem Kopf in das Gotteshaus zurück und verließ von da an die Kirche immer erst nach dem Schlusssegen.

Das war eine lustige Anekdote, die zum österlichen Lachen, zum risus paschalis animieren soll. So etwas würde es natürlich hier bei uns in Wilten nie geben! :-)

Liebe österliche Gemeinde! So lasst uns Festmahl halten in Freude. Amen. Halleluja!

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