Verehrte Bischöfe, 

liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,

vor allem liebe Pallotinerpatres,

liebe Verwandte und Freunde unseres heimgegangenen Bischofs Johannes,

liebe Ines!

Zehntausende Kilometer ist Bischof Johannes Jobst geflogen. Ein letztes Mal hat er nun auf Erden abgehoben. Was ich weiß, liegt die himmlische Landeerlaubnis schon vor.“ So schreibt ‘s Bengele im gestrigen „Tiroler Sonntag“, der Kirchenzeitung der Innsbrucker Diözese.

Wegen der Weite und riesigen Entfernungen in seinem Bistum in Australien machte der im Jahre 1959 vom inzwischen heiligen Papst Johannes XXIII. zum Bischof ernannte Pallotinerpater Johannes Jobst den Pilotenschein. Mit seinem Jeep ist er viel zu lange unterwegs und kann in manchen Missionsstationen höchstens ein bis zweimal im Jahre die hl. Messe feiern. Als „flying bishop“, wie man ihn dann nannte, konnte er seine Pfarreien und Missionen im Durchschnitt alle zwei Monate besuchen. Und als solcher ist er wohl in die Geschichte Australiens eingegangen.

So möchte ich ihn, den „Father Bishop“, wie er auch genannt wurde, als Piloten in seinem Flugzeug in Erinnerung rufen und mit dieser Metapher auch sein Vermächtnis an uns.

 

Der Hl. Geist

Jede noch so perfekt und modern ausgerüstete Flugmaschine könnte nicht fliegen, wenn es keine Luft gäbe. Die Luft gibt den Auftrieb; sie ist die Energie, die Kraft, die die Maschine trägt. Diese Luft möchte ich vergleichen mit dem Heiligen Geist. Auch er ist unsichtbar. Und doch ist er immer ganz da und gegenwärtig. Er ist es, der uns durchs Leben trägt. „Er trägt uns, er ist unsre Hilfe“, heißt es im Psalm 68,20. Er schenkt uns die Dynamik der Nächstenliebe, die Energie des Friedens und der Freude. Das alles macht den Flug zu einem wunderbaren Erlebnis, zu einem Abenteuer. Der Heilige Geist gibt das Gefühl der Sicherheit, er nimmt uns die Angst und flößt uns Mut ein.

Diesen Heiligen Geist hat Johannes Jobst empfangen in der Taufe und Firmung, bei der Priester- und bei der Bischofsweihe. Diesen Heiligen Geist hat er dann herabgerufen bei der Spendung der Sakramente, besonders bei der Feier der hl. Eucharistie: „Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie“. 

Es war derselbe Geist Gottes, der ihm unglaubliche Energie, Tatendrang, Einsatzfreude und apostolischen Eifer geschenkt hat. Da kam sicher auch das Charisma des Pallotinerpaters durch, dessen Ordensfamilie sich SAC nennt: Societas Apostolatus Catholici – Gesellschaft des katholischen Apostolats. Johannes war durch und durch Apostel und Missionar. 

Der Geist Gottes hat ihm die Gabe des klaren Führens und Leitens und dabei wohl auch Leidens geschenkt, Zielstrebigkeit, Ausdauer, Durchhaltevermögen, physische und psychische Stärke, Überzeugungskraft, Humor, aber auch Schweigsamkeit und Bescheidenheit.

Es war der Geist Gottes, der John Jobst mit vielen Fähigkeiten und Talenten ausstattete, der ihn ermächtigte zu einem guten Hirten, zu einem Lehrer, Katecheten und Dozenten, zu einem Ratgeber und Prediger, zu einem Politiker wie auch zu einem Bauherrn.

Es war der Geist Gottes, der ihm Mut gegeben hat, gegen den Ungeist, gegen Ungerechtigkeit, gegen Unfrieden in seiner Diözese, in seinem Land und in der Kirche zu kämpfen.

Die unsichtbare Luft ist also der Heilige Geist, der uns durch alle Turbulenzen hindurch im Leben trägt und führt. Eigentlich sollte hier zu diesem Thema unser Erzbischof Alois reden; war er ja Theologieprofessor für Pneumatologie, der Lehre des Heiligen Geistes oder auch Bischof Manfred, dessen bischöfliches Motto lautet: Spiritus vivificat. Der Geist macht lebendig.

 

Funksignale des Geistes

Zurück zum Bild des Flugzeugs mit dem Piloten. Auf den Flughäfen gibt es Radarstationen mit elektrischen Frequenzen, die Funksignale zum Piloten ausstrahlen. Das kann sehr lebenswichtig sein für die Flugroute und besonders für die Landung.

Auch der Heilige Geist gibt uns Signale. Dabei müssen wir die richtige Wellenlänge einstellen, um diese Signale des Hl. Geistes empfangen zu können. Gott ist meist ein leiser Sender. Er spricht zu uns durch sein Wort der Heiligen Schrift, über einen guten Gedanken, durch den Ruf des Gewissens, durch eine Not, die wir sehen; durch ein Gespür für Hilfe, die andere brauchen.

Unser „fliegender Bischof“ war immer offen für diese Signale des Heiligen Geistes.

So war er überzeugt, sich für das Wort Jesu aus dem Hohepriesterlichen Gebet einsetzen zu müssen, das auch zum Leitwort für sein Bischofsamt wurde: „ut omnes unum sint“ – „auf dass alle eins seien“ (Joh 17,21). Der Hirte Johannes hat mit viel Klugheit und Diplomatie, aber auch mit politischem Handlungs-geschick dafür gekämpft, dass Menschen einander respektieren, dass Kulturen und Sprachen, besonders die der Aborigines anerkannt und in den Schulen wieder zugelassen werden; dass verschiedene Gruppen in der weltweiten Kirche, die er ja vor allem auch während des II. Vatikanischen Konzils kennengelernt hatte, offen sind füreinander; dass man dem jeweils anderen auch zutraut, dass er oder sie ebenfalls aufrichtig nach Gott sucht und deshalb bestimmte Dinge für besonders wichtig hält. Nur so kann sich einmal der Wunsch Jesu erfüllen: „ut omnes unum sint!“

 

Und noch ein Wort hat ihm der Heilige Geist ans Herz gelegt: Deus caritas est. Gott ist Liebe (1 Joh 4,8). Es war sein Wunsch, dass bei seinem Requiem die Lesung aus dem 1. Johannesbrief vorgetragen wird, die wir eben gehört haben: „Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott“ (1 Joh 4,7). Vers 11: „…Wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben“. 

In seinem letzten Weihnachtsbrief an seine Gläubigen in Kimberley schreibt Bischof Johannes von dieser Liebe Gottes zu uns Menschen und bittet sie, darüber nachzudenken und neben Lärm und Geglitzer vom TV und Partys und Einkaufsstress auf diese tiefe Bedeutung des Weihnachtsfestes nicht zu vergessen. Bischof Johannes war für die Christen seines Bistums, besonders für die Aborigines der „barmherzige Samariter“, der konkrete Liebe geschenkt hat, der ihnen Schulen, Krankenhäuser, Wohnhäuser und Kirchen gebaut, der ihnen Medikamente, Brot und andere Lebensmittel besorgt und mit seinem Flugzeug gebracht hat. Dafür hat er gebettelt, verhandelt und gefeilscht. Der geistliche Vater und Seelsorger „Father Bishop“ hat sein Leben anderen gewidmet. Das ist ihm gelungen, weil der Geist Gottes ihm immer wieder diesen Satz einge-flüstert hat als die innerste Mitte der Nächstenliebe: Deus caritas est. Gott ist Liebe. Der tiefste Impuls für alles Helfen und Lieben ist der dreifaltige Gott. Nur aus dieser unendlichen Motivation heraus können wir lieben, wie Gott liebt.

 

Zwischenlandung

Auf dem langen Lebensflug braucht es ab und zu eine Zwischenlandung, um aufzutanken und die Maschine durchchecken zu lassen. Es braucht Auszeiten, Unterbrechungen, Pausen, damit Leib und Seele wieder durchatmen, auftanken können.

Das war für den Christen und Bischof natürlich das Gebet. Aber dafür brauchte er manchmal nicht einmal eine Zwischenlandung. Da kam es auch vor, dass er den Kurs mit dem Autopiloten setzte, sein Brevier oder den Rosenkranz nahm und betete. Seine Passagiere haben meist erstaunt oder gar erschrocken geschaut, was wohl jetzt passieren würde, weil der Pilot zu beten anfängt.

Zwischenlandungen waren für Johannes die Gespräche mit seinen Pallotinerbrüdern und mit den irischen Missionsschwestern, mit Priestern oder Familien, mit vielen Freunden.

Zwischenlandungen waren für ihn, als regierender Bischof wohl eher selten, das Lesen und Musikhören und ganz besonders das Wandern und Spazieren im schönen Land Tirol als Bischof emeritus.

 

Letzter Flug

Am vergangenen Samstag hat nun unser lieber Freund Bischof Johannes seinen letzten Flug gestartet hinüber in die Ewigkeit. Auf diesem Flug gibt es mit Sicherheit keine Turbulenzen und keinen Absturz. Die Fluglotsen, die himmli- schen Heerscharen werden ihn empfangen und hinführen zu dem, den er ein Leben lang verkündet, dessen Heilsbotschaft er zu leben versucht hat, zu dem, der da ist der Anfang und das Ende, das Alpha und das Omega. AMEN.

 

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