Gebetsrufe im Alltag

Eine 50,-- € Frage in der deutschen Quizsendung „Wer wird Millionär“ hat einmal gelautet: „Ach…?“ – es gab vier ergänzende Antwortmöglichkeiten. „A: Priesterchen“, „B: Bischöfchen“, „C: Päpstchen“, „D: Gottchen“. Die richtige Antwort habe ich vor einiger Zeit während unseres Frühstücks von einem Mitbruder gehört: „Ach Gottchen!“ Wenn man erstaunt ist oder erschrocken oder mit Mühe einen Tag beginnt, kann es passieren, dass man umgangssprachlich spontan gleich den Namen des höchsten Wesens über die Lippen bringt – und das in zahlreichen Varianten: „O, Gott“ / „Mein Gott“ / „Du großer Gott!“ / „Ach, du lieber Gott“ / „Gott im Himmel“ oder als Ausruf ungeduldiger Entrüstung wie ein ehemaliger Mathelehrer von mir: „Herrgott noch einmal!“

Es sind wie gesagt Ausrufe der Entrüstung, des Erschreckens, der Ungeduld, der Angst; es sind Seufzer der Müdigkeit, der bevorstehenden Resignation. Oder ist es ein heimliches Gebet, ein Stoßgebet, ein Kurzgebet? Ich lasse die Frage offen.

Tatsache ist, dass wir oft unbewusst Gott anrufen wie z. Bsp., wenn wir ein positives Ergebnis erfahren, entlastet werden und dann sagen: „Gott sei Dank!“ Auch wenn wir Menschen grüßen mit der bei uns in Tirol und wohl auch in Bayern noch üblichen und schönen Anrede „Grüß Gott“, dann ist dies eigentlich ein Segenswunsch, ein Gebet: Gott möge dich grüßen, er möge dich segnen. 

Mehr als uns also bewusst ist, sind wir in Verbindung mit Gott, beten wir. Der Wunsch nach Gebet, nach einer tiefen Beziehung mit Gott ist im Menschen da, auch wenn er zu keiner Religionsgemeinschaft gehört. Wie oft bekomme ich die Bitte gerade von Leuten, die keine praktizierenden Christen sind oder sich sogar als Atheisten oder Agnostiker bezeichnen: Ich, der ich doch einen guten Draht nach oben hätte, ich möge doch für sie beten in diesem oder jenem Anliegen.

Gebet in der Heiligen Schrift

In der ersten Lesung des heutigen 7. Ostersonntag aus der Apostelgeschichte wird uns berichtet, wie die Apostel im Abendmahlsaal in Jerusalem zusammen mit den Frauen, mit den Verwandten Jesu und mit Maria beisammen sind und beten: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet“ (Apg 1,14)

Und das Evangelium des heutigen Sonntags ist ein einziges Gebet Jesu zum himmlischen Vater. Die Jünger haben seine innige Beziehung zum Vater erlebt: „Vater, was mein, ist dein und was dein ist, ist mein“ (Joh 17,10). Und so erklärt sich der intensive Wunsch und die damit verbundene Frage der Jünger: „Herr, lehre uns beten!“ (Lk 11,1), obwohl die Jünger auch vertraut gewesen sind mit den religiösen Praktiken und Gebeten ihrer Zeit. Aber sie möchten mehr als nur ein paar Gebetsformeln: Sie möchten – so wie Jesus - diese Innerlichkeit, diese Intensität, die sein ganzes Sein durchstrahlt hat, erleben. 

Norbert, der Beter

Unser Ordensgründer, der hl. Norbert von Xanten war ein sehr eifriger und tiefer Beter. Sein ganzes Leben war Gebet. 

An manchen Stellen seines Lebenslaufes sehen wir seine Gebetspraxis. Es sind dies vor allem die Vorbereitungen auf die heilige Messe und das Dankgebet nachher. Oder: Wenn es ihm wieder einmal gelungen ist, zwischen streitenden Parteien Frieden zu stiften oder die von Mord betroffenen Angehörigen von Rachegedanken zu befreien, dann dankt er Gott in der Feier einer hl. Messe. Auch vor seinen Friedensverhandlungen betet Norbert stundenlang für die Streithähne bzw. für ermordete Opfer. 

Die Feier der Eucharistie, die er ja entgegen der damaligen Praxis jeden Tag feiert, ist ihm ganz wichtig, um in dieser tiefen Gottesbeziehung zu bleiben. Deshalb ist ihm auch das Äußere wie vor allem die Reinheit des Altares und der liturgischen Geräte wie auch eine ganz ehrfürchtige Feier ein großes Anliegen. 

Das alles zeigt uns einen Menschen, der aus dem Dialog mit Gott lebt und der die Früchte dieser tiefen Einheit den Menschen bringen kann.

Unser Gebet

So ist der hl. Norbert auch für uns heute eine Quelle der Inspiration. Treten auch wir ein in diesen tiefen Dialog mit Gott – täglich: im Stoßgebet, im Morgen- und Abendgebet, im Tischgebet, beim Engel–des-Herrn-Gebet oder in der Osterzeit dem Regina-coeli-Gebet, wenn die Angelusglocke ertönt, im Dank- und Bittgebet, in der heiligen Eucharistie, in der Anbetung, im Lesen der Heiligen Schrift. Ich möchte uns alle einladen, die Freundschaft, die Beziehung mit Gott wieder zu vertiefen, gerade jetzt in den Tagen vor Pfingsten. Und im Hinblick auf das kommende Fronleichnamsfest ruft uns Norbert auf zur intensiven Hinwendung zur heiligen Eucharistie, weshalb Norbert ja oft mit der Monstranz, also mit dem eucharistischen Brot dargestellt wird. Deshalb haben wir zu Beginn im Norbertuslied gesungen: „Eiferer für Gottes Ehre, für das heil’ge Sakrament: Hilf, dass auch in uns sich mehre gleiche Liebe ohne End! AMEN.

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